Start Politik Steam stellt Lootbox-Handel in den Niederlanden ein (Update)

Steam stellt Lootbox-Handel in den Niederlanden ein (Update)

Mit gekauften
Mit gekauften "Losen" steigt die Wahrscheinlichkeit auf einen Volltreffer wie Ronaldo: Die Landesmedienanstalten prüfen, ob Lootboxen in Spielen wie "FIFA 18" dem Glücksspiel zuzuordnen sind.

In Folge des Ultimatums der niederländischen Aufsichtsbehörden hat nun Steam-Betreiber Valve die Lootbox-Funktionalität deutlich eingeschränkt.

Update vom 21. Juni 2018:

Niederländische Spieler von „Dota 2“ und „Counter-Strike: Global Offensive“ haben in den vergangenen Tagen eine E-Mail von Valve erhalten. Man teile zwar nach wie vor nicht die Rechtsauffassung der holländischen Aufsichtsbehörde Kansspelautoriteit und könne sie auch nicht verstehen – weil jedoch das Ultimatum am 20. Juni 2018 ausgelaufen sei und mindestens empfindliche Geldstrafen gedroht hätten, habe man reagieren müssen.

Konkret unterbindet Steam ab sofort den Handel von Lootbox-Gegenständen auf dem Online-Marktplatz – dies gilt zumindest für die holländischen Fans beider Valve-Spiele. Lootboxen können allerdings weiterhin erworben werden. Der Spielehersteller bittet um Verständnis für die Maßnahme und kündigt an, sich um eine „weniger unkomfortable“ Lösung zu bemühen.

Lootbox-Debatte: Belgien und Holland stellen Ultimatum

Meldung vom 26. April 2018

Die Aufsichtsbehörden der Niederlande und Belgien legen sich mit den umsatzstärksten Videospiele-Konzernen an: Das Lootbox-Geschäftsmodell von Spielen wie „FIFA“ und „Overwatch“ wird als Glücksspiel eingestuft – bessern EA & Co. nicht umgehend nach, drohen empfindliche Bußgelder.

Spätestens seit „Star Wars Battlefront 2“ diskutieren nicht nur Spiele-Fans über das Phänomen „Lootboxen“ („Beutekisten“), sondern auch Behörden und Parlamente. Hintergrund: Führende Spielehersteller statten ihre Produkte mit kostenpflichtigen Päckchen aus, in denen sich zufallsgenerierte Inhalte befinden – begehrte Spielfiguren, seltene Gegenstände, Dekoratives. Diese digitalen Rubellose sorgen mittlerweile für milliardenschwere Posten in den Bilanzen großer Publisher.

Entsprechend laut dürften die Alarmglocken bei Konzernen wie Electronic Arts, Valve und Activision Blizzard bimmeln: Auch wenn es sich bei Holland und Belgien um kleine Videospielmärkte handelt, so muss sich die Branche doch um die Signalwirkung sorgen. Denn in den USA, in China, in Südkorea, in Großbritannien und in Deutschland läuft ebenfalls eine intensive Debatte über die Rechtmäßigkeit des Geschäftsmodells „Lootbox“.

Glücksspiel-Verdacht: „FIFA 18“ und „Overwatch“ im Visier der Behörden

Nationale wie internationale Lobby-Verbände ziehen traditionell Vergleiche mit Fußball-Sammelkarten und Überraschungseiern heran, die ebenfalls auf Faktoren wie Geldeinsatz, Zufall und Belohnung setzen. Doch die durchsichtige Argumentation hat mindestens die Aufsichtsbehörden in Holland und Belgien nicht sonderlich beeindruckt.

Denn nach Analyse mehrerer populärer Videospiele lautet die Erkenntnis, dass Publikumslieblinge wie „FIFA 18“ (Publisher: Electronic Arts), „Dota 2“ und „Counter-Strike: Global Offensive (beide Valve), „PlayerUnknown’s Battlegrounds“ (PUBG Corp.), „Overwatch“ (Activision Blizzard) und „Rocket League“ (Psyonix) in der Tat die Kriterien für Glücksspiel erfüllen. Dieses Segment wird weltweit streng reguliert: Mit Konzessionen, Werbebeschränkungen und Auflagen will die Politik potenzielle Suchtrisiken eindämmen und insbesondere junge Spieler schützen.

Die Behörden der Benelux-Staaten kritisieren, dass sich die Packs in schneller Abfolge öffnen lassen, die Spielehersteller faktisch unlimitiert Einkäufe zulassen, das Öffnen der Packs spektakulär inszeniert wird und keinerlei Schutzmaßnahmen eingezogen wurden, insbesondere mit Blick auf Kinder und Jugendliche.

„FIFA 18“ unter Glücksspiel-Verdacht: Benelux-Länder stellen Lootbox-Ultimatum

Die Analyse beider Länder weist fundamentale Schnittmengen auf, unterscheidet sich aber auch in einzelnen Bereichen. Als besonders problematisch stufen die Niederländer ein, dass sich gewonnene Figuren und Objekte weiterverkaufen lassen und sich somit ein bezifferbarer und zuweilen beträchtlicher Wert beimessen lässt.

Spätestens an diesem Punkt seien alle Voraussetzungen erfüllt, um von Glücksspiel zu sprechen, das wiederum eine Lizenz erfordert. Das belgische Justizministerium hat die Spielehersteller daher aufgefordert, die Mechanik den gesetzlichen Vorgaben anzupassen. Bei Zuwiderhandlung drohen Geld- und Haftstrafen.

Dass „Star Wars Battlefront 2“ als Auslöser der Debatte nicht auf der Liste der Regulierer steht, liegt im Übrigen einzig daran, dass Hersteller Electronic Arts am Tag vor dem Verkaufsstart infolge des internationalen Gegenwinds die kostenpflichtigen Lootboxen entfernt hat.

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