Start Meinung Fröhlich am Freitag 9/2020: Weitermachen oder Sicherheit?

Fröhlich am Freitag 9/2020: Weitermachen oder Sicherheit?

Sorgen vor dem Coronavirus sorgen für immer mehr Absagen von GDC-2020-Ausstellern (Foto: GDC / Trish Tunney)
Sorgen vor dem Coronavirus sorgen für immer mehr Absagen von GDC-2020-Ausstellern (Foto: GDC / Trish Tunney)

Die GDC und andere Massen-Events trotz Coronavirus-Risiken durchführen oder nicht? Die Frage lässt sich eigentlich nur mit „Ja“ beantworten, wenn das Wohlbefinden der Teilnehmer egal ist.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

na, auch schon mit Reis, Nudeln und Obstkonserven eingedeckt? Schließlich will man ja darauf vorbereitet sein, sollten die Behörden die Zufahrtsstraßen zur Wohnung abriegeln, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Wie sich das anfühlt, lässt sich derzeit auch außerhalb Chinas hautnah besichtigen. Zum Beispiel in Codogno, dem „italienischen Wuhan“, wie es die FAZ unvergleichlich empathisch formulierte. Oder auf Kreuzfahrtschiffen. Oder als Gast eines Hotels auf Teneriffa.

In Ausnahmesituationen gelten Ausnahmeregeln. Und wer will schon sehenden Auges das Risiko eingehen, etwa von US-Behörden tage- oder wochenlang aus Gründen der Quarantäne kaserniert zu werden?

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
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Genau diese Sorge vor staatlichem Ein- und Durchgreifen treibt in diesen Stunden all jene in der deutschen Games-Branche um, die bislang noch nicht Flüge und Hotelbetten im Großraum San Francisco storniert haben. Dort findet in zwei Wochen die weltweit wichtigste Entwickler-Konferenz statt, die Game Developers Conference. Tatsächlich spricht mittlerweile mehr dafür als dagegen, dass die GDC in den nächsten 48 Stunden abgesagt wird (Update vom 29.2.2020: Die GDC 2020 wurde wie erwartet abgesagt.)

Mit dem Fernbleiben von Großsponsoren wie Microsoft, Sony, Electronic Arts, Unity, Facebook und Epic Games drohen schon jetzt Geister-Hallen und Geister-Vortragssäle – eine Situation, wie man sie noch vor zwei Wochen als ziemlich unvorstellbar erachtet hätte.

Was zeigt: Die Tiefausläufer des Coronavirus haben – auch – die Games-Branche fest im Griff. Die COVID-19-Nervosität ist allenthalben spürbar.


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Mit jedem Tag, mit dem die Lage ungemütlicher wird, stehen Unternehmen und Verbände vor der Entscheidung, ob sie an Messen und Konferenzen wie der GDC teilnehmen und seit langem geplante Marketing-, Presse- oder Vertriebs-Events durchführen sollen oder nicht.

Kurzum: Weitermachen oder Sicherheit? Jede Fluggesellschaft, die auch nur auf die Idee käme, diese Frage zu stellen, wäre rasch aus dem Geschäft – so formulierte es heute ein Tourismus-Manager mit Blick auf die Berliner Reisemesse ITB.

Gerade in Zeiten wie diesen müssen sich Unternehmen selbstkritisch prüfen, ob sie mit ihren Entscheidungen zur Lösung beitragen. Oder ob sie Teil des Problems sind. Solange die Corona-Situation ist, wie sie ist, sind Massenveranstaltungen mit internationalem Publikum kaum verantwortbar.

Dass es gestern erst einer behördlichen Last-Minute-Anordnung bedurfte, damit zumindest die 170.000 Besucher bei einem XXL-E-Sport-Hallenturnier vor sich selbst geschützt werden, ist daher bei Lichte betrachtet vor allem eines: Wahnsinn.

Heute hat das Berliner Mobilegames-Studio Wooga entschieden, von einer Teilnahme an der GDC 2020 abzusehen. Just mit der Begründung, dass die Gesundheit der Wooga-Angestellten vorgehe – und dass man sie nicht dem Risiko aussetzen wolle, 9.000 Kilometer entfernt von Heimat und Familie gegen ihren Willen festgehalten zu werden.

So geht Verantwortung.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


Alle Kolumnen und Gastbeiträge finden Sie in der Rubrik „Meinung“.

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