Start Meinung PlayStation 5-Scalper: Die perfekte Welle (Fröhlich am Freitag)

PlayStation 5-Scalper: Die perfekte Welle (Fröhlich am Freitag)

Die nächste PlayStation-4-Verkaufs-Welle ist für Ende 2020 angekündigt (Foto: Sony Interactive)
Die nächste PlayStation-4-Verkaufs-Welle ist für Ende 2020 angekündigt (Foto: Sony Interactive)

Die nächste PlayStation-5-Verkaufs-Welle kommt bestimmt – der Handel muss seine Stammkunden besser vor Bots und Resellern schützen.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

Ende des Jahres – vermutlich irgendwann zwischen Weihnachten und Silvester – sollen Deutschlands Einzelhändler wieder fabrikfrische PlayStation-5-Konsolen anbieten dürfen. So hat es zumindest Sony Interactive angekündigt.

Das wäre dann Welle 4.

Nach Lage der Dinge wird es so laufen wie bei den Wellen 1, 2 und 3: Die Ware ist binnen weniger Minuten, teils Sekunden ausverkauft.

Einen erheblichen Teil zur Misere tragen professionelle, miteinander konkurrierende Reseller-Gruppen bei, die systematisch mit ihren Bots die Händler-Websites scannen und abfischen. Die eingefangenen Konsolen sind dann einige Tage später bei Ebay zu besichtigen – zum doppelten, teils dreifachen Listenpreis.

In dieser Woche sind abermals faszinierende Reports veröffentlicht worden, wie dieses Scalping-Geschäft funktioniert. Zum Einsatz kommt ursprünglich aus dem Sneaker-Sektor stammende Software – auch auf diesem Markt trifft große Nachfrage auf limitiertes Angebot. Einige dieser Programme erkennen ’nur‘ die Sekunde, sobald ein Produkt im Online-Shop freigeschaltet wird – und alarmieren dann die Gruppe, deren Mitglieder für diesen Service eine Art Teilnahmegebühr zahlen. Andere sind so gut, dass sie den kompletten Kaufprozess vollautomatisch durchlaufen – vom Warenkorb bis zum Checkout.

Illegal ist das nicht. Und dem Händler kann es im Grunde egal sein: Die Ware ist vom Hof. Doch die Praxis ruiniert Markt und Preise – so, wie es bei Konzert- und Sport-Tickets der Fall war und ist.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
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Gewöhnliche Kunden haben gegen diese organisierten Netzwerke keine oder bestenfalls minimale Chancen, selbst wenn sie Punkt Mitternacht auf die F5-Taste hämmern. Es ist, als würde man mit einem Gurkenschäler gegen Ninjas antreten.

Die binnen Millisekunden eintreffenden Server-Zugriffe sind auch ein Teil der Erklärung, warum sich der PS5-Verkaufsstart für die IT-Abteilungen von Deutschlands größten Versendern wie ein Hacker-Angriff angefühlt hat.

Sony, Nintendo oder auch Nvidia vertreiben ihr Hardware-Sortiment ausschließlich über den Einzelhandel – nur Microsoft bietet ein kleines Kontingent per Werksverkauf an. Gäbe es einen Direktvertrieb, ließe sich das möglicherweise auch anders lösen – zum Beispiel über eine bevorzugte Abgabe an registrierte Bestandskunden.

Für die Profi-Scalper ist die Wehrlosigkeit der einschlägigen Online-Shops jedenfalls wie ein vorgezogenes Weihnachten. Solange PlayStation 5, Xbox Series X und GeForce RTX-3080 von Expert, Euronics, Medimax, Saturn, Amazon & Co. exakt genauso wie Kühlschränke oder Staubsaugerbeutel behandelt werden, haben die Bots weiterhin leichtes Spiel – und die Stammkunden das Nachsehen.

Der Handel ist deshalb spätestens jetzt gefordert, sich auf die Wellen 4, 5 und 6 seriös vorzubereiten und für ein faires Level-Playing-Field zu sorgen – etwa mit künstlichen Warteschleifen, transparenten Listenplätzen, extra-lästigen Captcha-Abfragen, Vorab-Registrierung, persönlichem Kauf plus Anzahlung in der Filiale und vor allem der Unmöglichkeit, als anonymer Gast bestellen zu können.

Passiert das nicht, gehen PlayStation-5-Privatkunden auch in der nächsten Welle unter.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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19 Kommentare

  1. Mir ist da noch was eingefallen was mir nicht ganz schlüssig wird. Wir reden hier über Unterhaltungselektronik… Und über keine limitierte Ware in dem Sinne das nur 500 Stück produziert werden wie es bei Sneaker der Fall ist oder Konzerttickets die in begrenzter Menge vorhanden sind. Reseller haben meist sogar das Gewerbe angemeldet, warum also sollen sie nicht als Gewerbetreibender direkt beim Großhändler bestellen können?! Warum müssen sie im Einzelhandel einkaufen… Das macht doch gar keinen Sinn! Die ganze Nummer stinkt, vor allem wenn man gerade gelesen hat das ein Händler offenbart hat wie die Liefersituation ausschaut. Von 4122 im Großhandel bestellten Radeon Grafikkarten befinden sich gerade mal 22 im Zulauf! Quelle CumputerBase und die Händler ist ProShop. Das ganze nur auf die Reseller zu schieben ist eher kurzsichtig. Klar spielen die eine Rolle dabei aber künstliche oder auch nicht künstliche Verknappung oder auch vorgeschobene Releasetermine zu Marketing Zwecken spielen hier wohl eine genauso große Rolle. Des weiteren sind die Lager noch mit alten Grafikkarten, Konsolen etc voll und man will wohl damit auch provozieren das diese erst verkauft werden und das auch mit Profit ohne diese im Preis stark senken zu müssen? Es ist ja bald Weihnachten…

  2. Einfach das Reselling allgemein oder zu erhöhten Preisen strafbar machen, so wie bei Konzerttickets auch.

    Wegen solcher arroganter und zu selbstsicheren Sneaker/Botcoder wird es irgendwann einen Klarnamenzwang im Netz geben. Einerseits ärgerlich, andererseits wäre es Mal witzig zu sehen, wie ein paar Erwachsene so einen Sneaker Mal im Dunkeln abfangen und ihm seine Bezahlung geben.

  3. Danke für diesen aufschlussreichen Artikel und ich seh auch in den Kommentaren das es bei einigen Resellern einen Nerv getroffen hat. Wie heißt es so schön? Getroffene Hunde bellen… Führen wir doch einen Nachweis mittels Personalausweis und sogar biometrischer Daten ein. In der ersten Wellen gehen dann nur pro Haushalt eine Konsole, Prozessor, Grafikkarte, etc raus. Vorabregistrierung vorausgesetzt… Und liebe Reseller jetzt brauch mir keiner mit Datenschutz kommen. Sowas ist auch mit dem Datenschutz vereinbar wenn sich beide Parteien dafür entscheiden. Oder wir führen die Regulierung der Verkaufspreise ein… Kein UVP oder EVP sonder ein VVP, ein verbindlicher Verkaufspreis. Alles was darüber geht ist verboten und strafbar, auch im privaten Handel. Ich weiß das sind nur Spinnereien, aber die Schäden die auf langer Sicht der Wirtschaft mittels künstlicher Verknappung entstehen sehe ich kritisch und eines sollten sich die Händler im klaren sein. Es werden mehr Produkte produziert als nötig wären, was die Umwelt belastet. Leute die nicht in den Genuss neuer Hardware kommen, kaufen auch keine Software, Spiele oder entsprechendes Zubehör, was in dem Bereich die Verkäufe schmälert. Ja es führt sogar zur Kriminalisierung… Es werden Inhalte in Paketen ausgetauscht oder die Pakete werden einfach geklaut. Es ist Zeit das sich der Handel und auch unsere Regierung oder die EU was einfallen lassen.

  4. Ich werde nicht mehr als den angegebenen Preis von Sony bezahlen und wenn ich noch 1 Jahr warten muss. Immerhin wird ja die ps4 weiterhin unterstützt geschweige denn ist meine Pro was ladezeiten angeht genauso schnell durch ssd.

  5. Hallöchen. Ich bin vom Fach und komme aus dem ehemaligen Sneaker-Bot Bereich und habe auch für MediaMarkt unter anderem schon Bots geschrieben.

    Bitte jetzt einmal ganz genau zuhören und verstehen was ich sagen möchte:
    Hört auf MediaMarkt, Saturn, Medimax und alle anderen Shops dafür verantwortlich zu machen, nichts gegen Bots zu tun. Wieso? SIE KÖNNEN ES NICHT.
    Es gibt keine, KEINE Maßnahme die gegen Bots (gute Bots) helfen:
    künstlichen Warteschleifen: Genau… kennt einer Yeezys von Adidas, hat da ja auch so gut geklappt 😉
    „transparenten Listen
    plätzen“: Bei solch einer großen Masse an Käufern? Nicht möglich. Bzw. bei kleineren Listen, erkaufe ich mir Leute die sich für mich eintragen und dafür €€ bekommen (ohne großes hin und her)

    „extra-lästigen Captcha-Abfragen“: Es gibt kein Captcha was ich kenne, was mit einem Bot nicht lösbar ist. Ist es zu unlösbar, können es selbst Menschen nicht lösen. (kennt man evtl. aus dem Darknet-Bereich)

    „Vorab-Registrierung“: Easy Botbar.

    „persönlichem Kauf plus Anzahlung in der Filiale“: Richtig, weil das zu Corona-Zeiten auch so eine tolle Idee ist. (bzw. die Filiale auch ein Hauptgeschäft hat, neben der PS5)

    „vor allem der Unmöglichkeit, als anonymer Gast bestellen zu können“: Ob Gast oder nicht, es ist dem Bot egal.

    Im Sneaker-Bereich gibt es von Seiten der Shops her, deutlich krassere Maßnahmen gegen Bots, bestes Beispiel und schwerstes zu Knacken ist da Supreme. Aber auch dafür gibt es unzählige Bots. Heißt wenn die Einzelhändler mal irgendwann auf den „Anti-Bot“-Stand sind wie Sneaker-Händler, auch dann wird es weiterhin Botting im großen Stiel geben.

      • Ich würde gerne etwas anderes antworten, aber ja. Natürlich kann man sagen, dass man die Angebote auf eBay und Co boykottiert – macht aber nicht die Masse und wird es auch nicht tun. Angebot und Nachfrage. Um das ganze zu Umgehen dürfte sich Sony nicht der künstlichen Verknappung bedienen und erst dann Konsolen verkaufen, wenn die entsprechende Stückzahl schon produziert ist. Ich bin gerne für Anfragen ansonsten via E-Mail erreichbar, solltet ihr ja einsehen können.

      • Würden Ebay und co die Preise für solche Artikel festsetzen, wäre nix los. Aber die Geldgier ist zu groß

    • Dann kann es auch wohl sein, dass die Marktmitarbeiter, DHL/Hermes/etc. Fahrer mit euch zusammen arbeiten und die Ware an euch umleiten

      • Die Marktmitarbeiter weniger, da die die Ware nur kurz in die Hände bekommen. Zudem, woher sollen die wissen, wer „ordnungsgemäß“ bestellt hat und wer nicht. Wie schon gesagt, nur mit Preisbindung bzw Unterlassung von Angeboten auf Ebay und Co könnte man das stoppen. Aber da Ebay selbst die Betrugsmachenschaften mit dem Verkauf von Verpackungen zulässt oder es großen Händlern erlaubt, aktiv gegen das Personalausweisgesetz zu verstoßen, ist es eher unwahrscheinlich, dass sich etwas ändern wird.

    • Komme zwar nicht aus dem Computerbereich was Programmierung betrifft aber aus dem CNC Programmierbereich und wenn du wirklich für MM/S Bots geschrieben hast dann müsstest du eigentlich einen Verschwiegenheitsvertrag unterschrieben haben. Zudem weißt du als Programmierer von solcher, „Schadsoftware“ nenne ich es mal, sämtliche hintertürchen. Viele Websiten verwenden Captcha obwohl es deiner meinung nach nichts bringt. Zufall? Wohl kaum. Dann dürften Hacker auch nicht bei Großen Sicherheitsunternehmen Arbeiten und warum Arbeiten die da wohl? Bingo um Hintertürchen zu schließen das man nicht reinkommt. Fazit wenn man will kann man solche Bots ausmerzen.

  6. Warum kauft man auch von solchen Leuten zu hörenden Preisen? Last die doch auf ihrer Ware sitzen. Ich kann auf meine. Ps5 warten.

  7. Ich bin zwar nicht vom Fach, aber gibt es nicht zum Schutz vor Bots die tollen Captchas?
    Könnten die die Online-Stores in solchen Fällen nicht in den Bestellprozess einbinden?

  8. Guten Tag Frau Fröhlich,
    besten Danke für Ihren Kommentar zu diesem Sachverhalt.
    Wie Sie bereits schreiben, muss die Prozedur bei den Vorbestellungen grundlegend geändert werden.
    Jetzt bleibt zu hoffen, dass sich der Einzelhandel dieser Thematik ernsthaft annimmt.
    Beste Grüße und ein schönes Wochenende.

    Mil Trz

  9. Das klingt äußerst entmutigend. Ich hab inzwischen die Hoffnung aufgegeben noch vor dem Frühjahr eine Konsole zu erhalten.

    • Ich warte leider auch noch auf meine vorbestellte PS5 aus Welle 2, aber warte Mal die Welle 4 ab, falls du kein Vorbesteller bist. Registriere dich bei der Wunschplattform (Amazon, Expert,Otto und MediMax) und dann glücklich sein, dass du zur 4. Welle bereits ein Registrierter User bist und nicht erst eine Registrierung durchlaufen musst.

      Und von unseriösen Shop würde ich die Finger lassen.

      Gruß

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