Die Netflix-Serie reißt: Zum ersten Mal seit 2022 betreibt der Streaming-Riese keinen eigenen Stand auf dem Gamescom-Gelände – nicht der einzige Fall.
„Ausgebucht!“ – mit dieser Meldung hat die Koelnmesse am Dienstag für Aufsehen gesorgt. Nach Veranstalter-Angaben bespielt die Gamescom 2026 die komplette verfügbare Ausstellungsfläche von 233.000 qm. Die größten Messestände entfallen auf Spielehersteller wie Nintendo, Ubisoft, SEGA, HoYoverse, Capcom, Microsoft Xbox, Tencent Games und Newcomer Embark (ARC Raiders).
Doch ein genauer Abgleich der Ausstellerverzeichnisse und ein Blick in die Hallenpläne zeigt auch: Viele große Namen tauchen in den Listen nicht oder nicht mehr auf.
Dass Sony PlayStation zum siebten Mal in Folge absagt und THQ Nordic ebenso pausiert wie Blizzard Entertainment, Warner Bros. und Take-Two, ist nichts Ungewöhnliches. Sehr viel auffälliger ist allerdings das Fernbleiben der sogenannten Non-Endemics, also Unternehmen aus Nicht-Games-Industrien, die in den zurückliegenden Jahren mit immer größeren Messeständen und immer größerem Aufwand um das Popkultur-Publikum in Köln buhlten.
Beispiel Netflix: Der US-Streaming-Dienst hat ab 2022 originalgetreue Kulissen aus den Erfolgs-Serien Stranger Things, Squid Game, Haus des Geldes und Wednesday aufgebaut und mit Darstellern zum Leben erweckt. Das spektakuläre, begehbare Piratenschiff Going Merry aus dem Anime-Universum One Piece gehörte auf der Gamescom 2025 zu den meistfotografierten Motiven. In der Eröffnungsshow Opening Night Live warb Regisseur Zack Snyder für Rebel Moon – Mitbewerber Amazon Prime Video trommelte parallel für die zweite Fallout-Staffel.

Neben Netflix verzichten weitere Entertainment-Konzerne auf einen eigenen Gamescom-Stand, etwa Disney und Paramount, aber auch Plattformen wie Meta (Instagram, Facebook), Amazon (Twitch), Roblox und TikTok, außerdem die sonst unübersehbar vertretenen Autobauer wie BMW, Mercedes, Porsche und Ford.
Dabei sind solche Weltmarken für die weitere Entwicklung der Gamescom von großer Bedeutung, um die Abhängigkeit von Publishern zu reduzieren. In den Buchungsunterlagen wird Netflix eigens als Vorzeige-Beispiel hervorgehoben – Motto: „Transforming brands into legends“.
Gamescom 2026: Von Netflix bis Roblox – warum sagen große Marken ab?
Auf Anfrage will kein Unternehmen zitierfähige Stellungnahmen abgeben. In den Gesprächen wird allerdings deutlich, dass es zwei wesentliche Gründe für 2026-Absagen gibt.
Entweder wird die Event- und Messe-Strategie sehr grundsätzlich neu sortiert – inklusive Budget-Umschichtung. Oder aber es hat in diesem Jahr „einfach nicht gepasst“: Es fehlt beispielsweise an konkreten Neuheiten, die auf der Gamescom sinnstiftend beworben werden könnten. Deshalb reicht es nicht für einen eigenen Stand – über Kooperationen seien einzelne Marken aber dennoch auf dem Gelände sichtbar.

In eine sehr ähnliche Richtung geht die Erklärung der Koelnmesse. Gegenüber GamesWirtschaft betont Gamescom-Direktor Tim Endres, dass die Unternehmen ihre Teilnahme an Großveranstaltungen jährlich neu evaluieren: „Gemeinsam mit ihnen schauen wir regelmäßig, welche Integration für sie am besten funktioniert.“
Eine Teilnahme sei nicht in jedem Jahr sinnvoll, etwa wenn Kommunikations-Maßnahmen oder zur Gamescom passende Kooperationen für andere Zeitpunkte geplant sind, weiß Endres: „Dadurch sind nicht-endemische Aussteller wie Streaming-Dienste oder Plattform-Betreiber in manchen Jahren präsent und in anderen nicht.“
Und der Koelnmesse-Manager bestätigt das, was aus den Konzernzentralen zu hören ist: „Auf der Gamescom 2026 werden auch wieder viele nicht-endemische Partner mit passenden Aktivierungen vor Ort sein. In diesem Jahr weniger mit Einzelständen, dafür stark mit integrierten Kooperationen. Ziel ist dabei nicht, möglichst viele nicht-endemische Marken auf die Gamescom zu holen. Sie sollen das Gamescom-Erlebnis vielmehr ergänzen und erweitern.“
Im Mittelpunkt bleibe immer die Games-Community und deren Interessen. Mit Blick auf die ausgebuchte Ausstellungsfläche ist Endres zuversichtlich: „An Vielfalt für die Besuchenden wird es auf der Gamescom 2026 nicht mangeln.“
Die Gamescom positioniert sich selbst als „größtes Games-Event der Welt“. Mit zuletzt 357.000 gemeldeten Teilnehmern gehört das Format zu den wichtigsten Publikums- und Besucher-Messen des Landes.
Alle Informationen rund um die Gamescom 2026 (Tickets, Aussteller, Spiele, Öffnungszeiten, Hallenplan, Events etc.) finden Sie bei GamesWirtschaft.













