Größer als Hollywood: Die Computerspiel-Branche rühmt sich, dass der Games-Umsatz über dem der Filmbranche liege. Aber stimmt das wirklich?

2,81 Milliarden Euro – das ist der Umsatz, der 2015 hierzulande mit Computerspielen und Konsolen erzielt wurde. Diese Zahl hat der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) errechnet. In der Zahl enthalten sind nicht nur klassische Computer- und Konsolenspiele, sondern auch Spiele-Downloads, In-App-Käufe und Spielkonsolen. Rechnet man die Hardware heraus, verbleibt ein Umsatz von etwas weniger als 2 Milliarden Euro.

Fakten-Check: Games-Umsatz in Deutschland

Aber sind diese 2,81 Milliarden Euro “viel” oder “wenig”, etwa im Vergleich zur Buch,-, Musik- oder Filmbranche? Oder verglichen mit den Umsätzen von FC Bayern, Schalke 04 & Co.? Der Vergleich mit anderen Wirtschaftssegmenten zeigt: Die Branche ist durchaus relevant. Man könnte fast sagen: Videospiele sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Games-Umsatz 2015 im Vergleich mit Buch und Film (Infografik: GamesWirtschaft.de)
Games-Umsatz 2015 im Vergleich mit Buch und Film (Infografik: GamesWirtschaft.de)

Der Umsatz der Filmbranche betrug 2015 rund 2,8 Milliarden Euro. In dieser Summe sind die Umsätze von Kinos, DVD- und Bluray-Verkäufen sowie Downloads und Streaming enthalten – also alles, was gekauft oder geliehen wird. Nicht inklusive sind die Umsätze der TV-Branche, etwa von ARD, ZDF, RTL oder ProSiebenSat.1. Die Sender treten als relevante Auftraggeber für Serien und Spielfilme auf, fließen aber nicht in die Rechnung mit ein.

Vergleicht man ausschließlich die “Software” (also Film mit Spiel), so führt das Segment Film mit deutlichem Abstand. Nur durch die Hinzunahme der Hardware (also Spielkonsolen wie Playstation 4, Xbox One und Nintendo Wii U) entsteht ein Gleichstand. Streng genommen müsste dann aber auch die Filmbranche die Umsätze mit Abspielgeräten wie DVD- und Bluray-Playern einbeziehen.

Und international? Der weltweite Umsatz mit Computer- und Videospielen inklusive Spielkonsolen liegt bei knapp 90 Milliarden Dollar, getrieben insbesondere vom weiter wachsenden Markt für Online- und Mobile-Games. Schätzungen von Marktforschungsunternehmen gehen davon aus, dass die Marke von 100 Milliarden Dollar spätestens 2017 übersprungen wird. Doch der Film-Markt ist deutlich größer: Die Hollywood-Studios kommen allein auf ihrem Heimatmarkt auf einen Umsatz jenseits von 90 Milliarden Dollar.

Fakten-Check: Games umsatzstärker als Kino?

Der GamesWirtschaft-Fakten-Check belegt: Es ist wichtig, präzise zu unterscheiden. Richtig ist zum Beispiel, dass Computer- und Videospiele in Deutschland mehr umsetzen als etwa die Kinos, die bei rund 1,2 Mrd. Euro liegen. Nicht korrekt ist hingegen die Behauptung, das Games-Segment sei per se umsatzstärker als die Filmbranche – weder national noch international.

In jedem Fall nicht vergnügungssteuerpflichtig ist hingegen der Vergleich mit der einflussreichen Spielautomaten-Industrie. Gemessen am Umsatz ist Gambling in Deutschland mehr als doppelt so groß wie Games.

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