Nur wenige Errungenschaften sind den Menschen ähnlich heilig wie Fußball, Nutella – und Star Wars. Das bekommt Electronic Arts im Falle von „Battlefront 2“ zu spüren. 

Fröhlich am Freitag: Die wöchentliche Kolumne aus der Chefredaktion

Liebe GamesWirtschaft-Leser,

es gibt derzeit vermutlich nur einen Job im Social-Media-Gewerbe, der noch undankbarer sein dürfte, als die „Feinjustierung“ der Nutella-Rezeptur auf Facebook und Twitter als Segen für die Menschheit verteidigen zu müssen: Community-Manager für „Star Wars Battlefront 2“.

Eine Woche lang standen Publisher (Electronic Arts), Entwicklerstudio (DICE) und Geschäftsmodell (Mikrotransaktionen bei einem Vollpreis-Titel) unter erheblichem Feuer. Das Zeichen des guten Willens – nämlich die signifikante Abmilderung des erforderlichen Zeiteinsatzes zum Freispielen von Star Wars-Helden – wurde fast schon als Aufforderung gewertet, das komplette Spieldesign in Frage zu stellen.

Im buchstäblich letzten Moment – nämlich einen Tag vor Verkaufsstart – hat Electronic Arts jetzt also die Reißleine gezogen: Bis man Zugriff auf das Lichtschwert von Luke Skywalker bekommt, dauert es zwar immer noch viele Stunden, doch die Abkürzung via Echtgeld-Einsatz ist nun nicht mehr möglich – vorerst zumindest. Man darf gespannt sein, wie die Spieldesigner dieses Dilemma lösen: einerseits Spieler-Gemüter beruhigen, andererseits Geld verdienen und damit Anleger glücklich machen. Schließlich waren die Zusatzgeschäfte via Mikrotransaktion ja fester Bestandteil des „Battlefront 2“-Businessplans, ähnlich wie im Falle der FUT-Sammelkarten eines „FIFA 18“.

Star Wars Battlefront 2: Wucht der Kritik stellt das Geschäftsmodell in Frage

Nun stehen Konsolen- und PC-Spieler ohnehin nicht im Ruf, bei aufkeimenden Schwierigkeiten unbegrenzt Milde und Geduld walten zu lassen – wehe dem Spielehersteller, dessen Online-Server am Tag des Verkaufsstarts mucken. Doch die Wucht und Nachhaltigkeit der ausgesprochen emotional vorgetragenen Kritik rund um „Battlefront 2“ dürfte selbst die hartgesottensten Manager kalt erwischt haben.

Bereits in den Wochen zuvor hatte Electronic Arts mit unfreundlichen Pressekommentaren und wüsten Fan-Beschimpfungen zu kämpfen, weil man ein ambitioniertes Star-Wars-Projekt eingestellt hatte. Das zugehörige Studio wurde bei dieser Gelegenheit gleich mitgeschlossen – alle Klischees, die EA seit seligen Westwood-Studios-, Origin- und Bullfrog-Tagen begleiten, waren mit einem Schlag wieder präsent. Im Falle des Neu-Erwerbs Respawn Entertainment („Titanfall 2“) muss man sich sorgen, ob das Studio in fünf Jahren noch als solches existiert.

Die bittere Lehre aus diesem Fall: Du kannst eine der begehrtesten Film-Marken der Welt haben, den weltgrößten TIE Fighter-Nachbau auf die Gamescom karren und über Jahre hinweg mit einer Hundertschaft leidenschaftlicher Star-Wars-Fans ein ziemlich ordentliches Multiplayer-Spiel bauen – wenn ein Shitstorm erst einmal hinreichend Momentum generiert, geraten selbst allerbeste Absichten in den Hintergrund. Man kann die aktuelle Gefühlslage der „Battlefront 2“-Grafiker, -Programmierer und -Level-Designer grob erahnen.

In jedem Fall hat man bei Electronic Arts zügiger reagiert als bei Ferrero. Es dürfte nur noch eine Frage von Tagen, maximal Wochen sein, bis die Rückkehr zur gewohnten Nutella-Rezeptur als „Wir haben verstanden“-Botschaft verkauft wird.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft

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