Felix Faber vom Hamburger Browsergames-Entwickler Bytro kann die Totengesänge auf Browserspiele nicht mehr hören. In seiner GamesWirtschaft-Kolumne plädiert er für einen nüchternen Blick auf die Fakten.

Auf jeder Konferenz, in jedem Branchengespräch werden Mobilegames als einzige valide Plattform für Free2play-Firmen ausgegeben: Jeder sieht die Schwierigkeiten mit der Auffindbarkeit in den App-Stores, jeder sieht die schmerzhaft steigenden Kosten für User-Akquise, jeder sieht die hohen Absprungraten, aber niemand im Free2play-Lager stellt die reine Lehre infrage, dass iOS und Android die einzigen Free2play-Plattformen mit Zukunft sind.

Der Wert von Anbietern von Browsergames bemisst sich nur noch daran, wie rasch sie den Schwenk auf Mobile hinbekommen.

Da wird offenbar die Krise der großen deutschen Games-Firmen, die weitestgehend hausgemacht ist, mit einer ganzen Plattform – und zuweilen mit einem ganzen Geschäftsmodell – gleichgesetzt. Gerne garniert mit einer gewissen Häme, insbesondere von Leuten, die sich die Retail-Strukturen der 90er zurückwünschen.

Bytro-Gründer Felix Faber: Mit Browsergames wird sehr solide Geld verdient

Dabei wird vergessen, dass mit den Browserspielen auch heute noch sehr solide Geld verdient wird. Innogames etwa sagt gern mal hinter vorgehaltener Hand, dass Spiele wie Die Stämme trotz ihres Alters noch im Umsatz wachsen. Und Bigpoint macht wohl über 99 Prozent seiner vermutlich immer noch über 70 Millionen Euro Umsatz im Browser.

Doch es ist nicht nur das Verwalten vergangener Glorie: Neuere Anbieter wie Plinga aus Berlin mit ihren Casual-Titeln oder auch Youzu mit League of Angels machen gute Geschäfte. Und Spiele wie unser Supremacy 1914, das intellektuelle Story-Spiel Fallen London oder das Quasi-Brettspiel Neptune’s Pride zeigen, dass man auch als Entwickler von Core-Games für Erwachsene mit dem Browser gut leben kann, wenn man eine passende Nische findet.

Nicht jeder Spieler mag oder akzeptiert, dass Strategiespiele auf Mobile immer reduziert sein müssen, weil man die filigranen Menüstrukturen und spielerischen Tiefen von Browserspielen nicht mal eben mit einem Touch-Interface abbilden kann.

Nicht jeder Spieler mag oder akzeptiert, dass man ihm statt Spielen glorifizierte Skinner-Boxen vorsetzt, weil eben bei den hohen User-Akquisitions-Kosten und der geringen Retention (Haltbarkeit der Kundenbeziehung, Anm. d. Red.) auf Mobile die Kosten in kurzer Zeit reinverdient werden müssen.

Browsergames made in Hamburg: das 45köpfige Team von Bytro Labs.
Browsergames made in Hamburg: das 45köpfige Team von Bytro Labs.

Browsergames: Günstiger in Entwicklung und Vermarktung

Browserspiele haben diverse unschlagbare Vorteile: Die Plattform ist quasi überall vorhanden und lässt dank HTML5 auch technisch ausreichend Eye-Candy zu, damit die Spiele gut aussehen. Die Umsätze pro User sind nicht notwendigerweise geringer, aber die Kosten für die Entwicklung und für die Anpassung auf Browserversionen sind wesentlich niedriger als bei Mobile. Und von den Werbekosten ist gar nicht zu reden: Mit klassischer Google-Werbung (also SEM) erreicht man wesentlich geringere CPI-Preise (Cost per Install = Kosten pro installiertem Spiel, Anm. d. Red.) als bei der Werbung in Mobile-Netzwerken.

Auch die Skalierung ist leichter, da man nicht auf Top-Platzierungen in den Charts zielen muss, um organischen Traffic zu erreichen. Ach, und 30 Prozent an Apple oder Google muss man auch nicht abführen.

Der PC ist und bleibt eine kraftstrotzende Plattform, egal ob man innerhalb oder außerhalb der großen Marktplätze wie Steam agiert – und die Browserspiele sind eine wesentliche Facette davon. Und auf absehbare Zeit wird ein Großteil der erwachsenen – und solventen – Zielgruppe weite Teile seiner Tage vor dem PC verbringen. Die App-isierung der Welt, vor ein paar Jahren vorausgesagt, ist nicht eingetreten. Im Gegenteil, HTML5-Spiele laufen heutzutage zuverlässig auch auf mobile Geräten.

Ich will nicht sagen, dass man Steam scheuen, Mobile meiden oder vor Konsolen kneifen soll, aber der Browser wird zu Unrecht als Plattform totgesagt. Im Browser sind tolle Spiele möglich, mit denen man enorme Zielgruppen erreichen kann – es ist, wie bei den anderen Plattformen auch, eine Abwägungssache. Wenn man eine klare Idee und eine gute Vorstellung von der Zielgruppe hat, spricht für kleine und mittelgroße Entwickler oder auch junge Teams nichts dagegen, für den Browser zu entwickeln, im Gegenteil.

GamesWirtschaft-Kolumnen spiegeln stets die Meinungen und Einschätzungen der Autoren wider und entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion.

Über den Autor:

Felix Faber ist Gründer und Geschäftsführer von Bytro Labs.
Felix Faber ist Gründer und Geschäftsführer von Bytro Labs.

Felix Faber ist Mitgründer und Geschäftsführer von Bytro, Hamburg. Bytro steht für anspruchsvolle strategische Spiele vor historischem Hintergrund.

Die Spiele von Bytro sind wie Brettspiele für das Web, leben stark von den Strategien und der Interaktion der Spieler und adressieren Hardcore-Gamer. Derzeit betreibt das Unternehmen zwei browserbasierte Titel, Supremacy 1914 und Call of War. Etwa fünf Millionen Spieler haben sich für die Spiele registriert. Das Spiel New World Empires ist derzeit in der Testphase. Die Zielgruppe sind erwachsene, erfahrene Spieler quer durch alle sozialen Schichten.

Bytro setzt stark auf HTML5, war von Anfang an dabei und ist führend in der Umsetzung und Anwendung. Alle Spiele von Bytro werden primär für den Browser entwickelt und laufen ohne Plugins und Extensions auf allen gängigen Browsern. Bytro hat sich zu einem der größten Experten im Bereich HTML5 entwickelt, da das Unternehmen schon seit 2012 ausschließlich auf die Technologie setzt.

Bytro wurde 2009 in Freiburg, Baden-Württemberg, gegründet. Gründer sind Felix Faber, Tobias Kringe und Christopher Lörken, die mit der Entwicklung des ersten Spiels bereits im Studium begonnen haben. Das Unternehmen ist ohne Investorengelder organisch gewachsen, bis es sich 2015 der Stillfront Group angeschlossen hat. Die schwedische Gruppe ist an der „Nasdaq First North“ gelistet, womit Bytro indirekt als erste Hamburger Spielefirma an der Börse ist. Operativ agiert Bytro unabhängig. Stand heute arbeiten 45 Menschen in St. Pauli für Bytro.

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