Start Wirtschaft Maschinen-Mensch: Berliner Indie-Studio muss aufgeben (Update)

Maschinen-Mensch: Berliner Indie-Studio muss aufgeben (Update)

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Riad Djemili und Johannes Kristmann sind die Gründer von Maschinen-Mensch (Foto: Maschinen-Mensch)
Riad Djemili und Johannes Kristmann sind die Gründer von Maschinen-Mensch (Foto: Maschinen-Mensch)

Wenige Monate nach dem 10jährigen Betriebs-Jubiläum stellt das preisgekrönte Indie-Studio Maschinen-Mensch (Curious Expedition) vorerst den Betrieb ein.

Update vom 1. August 2025 (10:45 Uhr): Auf GamesWirtschaft-Anfrage bestätigen die Gründer, dass die Maschinen-Mensch UG als solches erhalten bleibt – auch mit Blick auf Betrieb und Support der Games. Unterdessen seien alle Produkt-Entwicklungen eingestellt worden; der Belegschaft wurde gekündigt.

Die Studio-Chefs Kristmann und Djemili räumen ein, dass die Resonanz auf Mother Machine eine Rolle bei dieser Entscheidung gespielt hat: Die Umsätze konnten den laufenden Betrieb nicht gewährleisten. Nach einer Auszeit würden mögliche nächste Schritte geprüft.

Co-Gründer Riad Djemili wird sich zunächst auf seine weitere Unternehmung fokussieren: Codecks. Das Projektmanagement-Tool ist in einer eigenen GmbH mit dediziertem Team untergebracht.


Meldung vom 1. August 2025 (8:30 Uhr): Erst im März hat das Team der Maschinen-Mensch UG mit Mother Machine neues Genre-Terrain erschlossen. Die SteamDB-Daten legen allerdings nahe, dass die Abrufzahlen des knuffigen Co-Op-Plattform-Spiels nicht an den riesigen Erfolg des Pixel-Art-Strategiespiels Curious Expedition anschließen konnten, das sich ab 2016 über alle Plattformen hunderttausendfach verkauft hat. 2021 folgte ein zweiter Teil.

Am Donnerstag-Abend haben die Studio-Gründer Johannes Kristmann und Riad Djemili via Website und LinkedIn bekannt gegeben, dass sie Maschinen-Mensch bis auf Weiteres in den „Winterschlaf“ versetzen. Als Grund wird das wirtschaftliche Umfeld der Games-Industrie angegeben, das Folgefinanzierungen für geplante Projekte verunmöglicht hat.

Wörtlich heißt es: „Wir sind sehr stolz, was wir in elf Jahren Maschinen-Mensch erreicht haben. Unsere Spiele Mother Machine, Curious Expedition 2 und Curious Expedition bleiben in den Online-Stores und voll spielbar.“

Die Beschäftigten des zuvor 20köpfigen Teams will das Unternehmen bei der Suche nach neuen beruflichen Aufgaben bestmöglich unterstützen (Kontakt-E-Mail). Auch befreundete Unternehmen aus der Hauptstadt-Region und dem ganzen Bundesgebiet haben bereits Hilfe angeboten.

Szene aus Mother Machine (Abbildung: Maschinen-Mensch UG)
Szene aus Mother Machine (Abbildung: Maschinen-Mensch UG)

Maschinen-Mensch: Berliner Indie-Studio muss aufgeben

Ein ausdrückliches Dankeschön geht an Fans, Belegschaft, die Kollegen des Indie-Entwickler-Kollektivs Saftladen (zu dem u. a. Megagon Industries und Paintbucket Games gehören) und an das Medienboard Berlin-Brandenburg. Die Fördereinrichtung hat das Studio von Anfang an bei allen Projekten finanziell unterstützt; die Zuschüsse für Curious Expedition 2 konnten sogar zurückgezahlt werden.

Auch der Bund hat sich im Rahmen der Games-Förderung engagiert: Für eine Mother Machine-Erweiterung (DLC) bewilligte das Wirtschaftsministerium im Mai 2023 fast eine Million Euro.

Im GamesWirtschaft-Interview zum 10jährigen Jubiläum verwies Maschinen-Mensch-Gründer Kristmann auf die „riesige Hilfe“ dieser Instrumente – aber auch auf die damit einhergehenden Nebenwirkungen: Das ständige Start-und-Stopp habe für große Unsicherheit gesorgt und Gespräche mit Investitionspartnern erschwert. „Ohne Förderung ist es nahezu unmöglich, mit internationalen Produktionsbedingungen mitzuhalten“, so Kristmann. „Die resultierenden Finanzierungslücken sind ein häufiger Grund für das Scheitern mühsam aufgebauter Firmen.“

Die gestrige Ankündigung vom vorläufigen Stopp endet mit den Worten: „We hope to return in the future. Until then, farewell.“

Maschinen-Mensch ist der jüngste Eintrag auf einer langen Liste deutscher Indie-Entwickler, die nach einer erfolgreichen Aufbau-Phase den Betrieb eingestellt haben – darunter Studio Fizbin (Ludwigsburg / Berlin), Mimimi Games (München), Piranha Bytes (Essen) und Flying Sheep Studios (Köln).

GamesWirtschaft hat die Gründer um eine Stellungnahme gebeten – Update folgt

2 Kommentare

  1. Es ist immer wieder interessant, das fast jedesmal gejammert wird, das Investoren abspringen weil die staatliche Förderung fehlt. Warum steht immer wieder diese Forderung im Raum?
    Wenn mein Produkt vielversprechend ist, sollte sich doch wohl die Finanzierung finden lassen. Oder soll hier wieder einmal Steuergeld als Rettungsnetz für Investorenverluste dienen?

  2. „Auch der Bund hat sich im Rahmen der Games-Förderung engagiert: Für eine Mother Machine-Erweiterung (DLC) bewilligte das Wirtschaftsministerium im Mai 2023 fast eine Million Euro.“

    Da der DLC jetzt sicher nicht mehr erscheint, muss das Geld zurückgezahlt werden?

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