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Gravis: Apple-Händler schafft Bargeld ab

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Nur Bares ist Wahres? Nicht bei Gravis: Die auf Apple-Produkte spezialisierte Ladenkette nimmt ab sofort kein Bargeld mehr an.

Wer in einem der bundesweit 40 Gravis-Läden ein Macbook, eine Apple Watch oder ein iPhone erwirbt, wird den Kaufpreis in den seltensten Fällen bar entrichten. Doch auch Handy-Hüllen, Ladekabel oder Kopfhörer lassen sich künftig nur noch mit Karte oder Smartphone bezahlen: Laut Pressemitteilung nimmt Gravis ab sofort kein Bargeld in Form von Münzen und Scheinen mehr an. Die Bezahlung ist somit nur mit Kredit- und Debitkarten oder App (etwa via Wallet) möglich.

Zuerst hatte der SPIEGEL darüber berichtet.

Zur Begründung verweist Gravis – einer der größten Apple-Händler Europas – auf erfolgreiche Testläufe in einzelnen Filialen sowie das veränderte Kundenverhalten: Weniger als zehn Prozent der Kunden würden überhaupt noch bar bezahlen. Der digitale Zahlungsvorgang sei einfacher schneller, kostengünstiger und ressourcen-schonender – unter anderem deshalb, weil sowohl die klassischen Kassenschubladen als auch Kassenbons auf Papier entfallen. Auch die Sicherheit der Belegschaft soll sich verbessern, weil der Transport von Tageseinnahmen hinfällig wird.

Gravis ist nicht der erste Händler, der die Kunden mehr oder minder sanft an eine bargeldlose Zukunft gewöhnen will: In den Läden der Sportartikel-Kette Decathlon wird auf Kassensysteme verzichtet. Auch in immer mehr Möbelhäusern, Baumärkten, Supermärkten, Drogerien und Elektronikmärkten gibt es dedizierte Schnell- und Selbstbedienungs-Kassen, die nur Kartenzahlung zulassen.

Die verschärften Hygiene-Vorschriften seit Beginn der Corona-Pandemie haben zusätzlich dafür gesorgt, dass Geschäfte ihre Kunden zur kontaktlosen Bezahlung aufgefordert haben. Dadurch ist der Anteil der Kartenzahlungen sprunghaft angestiegen.

Dennoch: Einer Erhebung der Deutschen Bundesbank zufolge war Bargeld mit einem ‚Marktanteil‘ von fast 60 Prozent im Jahr 2021 immer noch das meistgenutzte Zahlungsmittel im deutschen Einzelhandel. Damit unterscheiden sich hiesige Verbraucher sehr deutlich von anderen europäischen Märkten: Skandinavische Länder wie Norwegen, Dänemark oder Schweden weisen traditionell einen ungleich höheren Kreditkarten-Anteil auf.

Bleibt die Frage: Ist der Ausschluss von Bargeld-Zahlungen wie im Falle von Gravis überhaupt rechtlich zulässig? Anders als man vermuten würde, lautet die Antwort: Ja. Laut Verbraucherzentrale dürfen Geschäfte die Annahme von Bargeld tatsächlich verweigern – sofern der Kunde per Aushang oder in Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausdrücklich darauf hingewiesen wird.

2 Kommentare

  1. Zitat: „Einzelhändler dürfen Barzahlungen nicht ablehnen, es sei denn, Käufer und Verkäufer haben sich auf die Nutzung anderer Zahlungsmittel geeinigt. Nicht ausreichend sind Schilder oder Aushänge mit dem Hinweis, dass der betreffende Einzelhändler Barzahlungen oder Banknoten einer bestimmten Stückelung nicht akzeptiert“

    — Bericht der Sachverständigengruppe für den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel (Euro Legal Tender Expert Group – ELTEG)

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