Start Meinung Einzel-Handelskrieg um die PlayStation 5 (Fröhlich am Freitag)

Einzel-Handelskrieg um die PlayStation 5 (Fröhlich am Freitag)

Szene aus PS5-Neuheit
Szene aus PS5-Neuheit "Marvel's Spider-Man: Miles Morales" (Abbildung: Sony Interactive)

Nicht nur die Server der großen Online-Versender kommen durch PlayStation-5-Vorbesteller unter die Räder – auch der Service.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

in dieser Woche habe ich weit über 500 Mails von Personen erhalten, die für wenige Tage, oft nur für wenige Stunden, zu den glücklichsten Menschen auf dem Planeten gehörten. Warum? Weil sie es geschafft hatten, Sonys PlayStation 5 direkt zum Vorverkaufsstart am 17. September zu bestellen – und sich dadurch auf der sicheren Seite wähnten.

Doch das Glück währte nur kurz. Dass die Bestellung anstandslos durchgelaufen ist, dass Kreditkarte oder PayPal belastet wurden, dass eine E-Mail-Auftragsbestätigung inklusive Liefertermin vorlag – all das hat nix geholfen. Einige der größten Versender der Republik haben Bestellungen ihrer Kunden nachträglich storniert, und das im ganz großen Stil.

In erstaunlich vielen Fällen wurden die Besteller nicht einmal über den Vorgang informiert – stattdessen hat man heimlich und klamm die Vorauszahlung zurückgebucht.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Der Frust war und ist verständlicherweise riesig. Wütende Mails wurden getippt, viele griffen direkt zum Telefon. Nicht alle Mitarbeiter in den Callcentern waren auf den Groll vorbereitet, zuweilen versagte die Contenance – so schildern es zumindest betroffene Kunden.

Selbst auf eine schlichte Entschuldigung wartete das Publikum oft vergebens. Stattdessen durfte es sich über die AGBs belehren lassen, wonach Auftragsbestätigung und Kreditkarten-Abbuchung eher als lose Interessensbekundung zu verstehen sind. Mancher Service-Mitarbeiter beendete Gespräch oder Chat mit dem Hinweis, dass man da jetzt auch nix mehr machen könne und dass das nun mal so sei. Deal with it.

Ein PS5-Käufer schilderte mir, wie ihm wortwörtlich durch die Leitung gebellt wurde, dass „das Ding ja nicht so wichtig ist“.

Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich: Wie kann es sein, dass fünf der Top 10 Elektronik-Versender des Landes offenkundig nicht in der Lage sind, die bestellbare Menge im Warenwirtschaftssystem korrekt zu hinterlegen?

Anbieter wie der Otto-Versand haben sogar das Kunststück fertig gebracht, nachweislich PS5-Bestellungen zu annullieren – und am heutigen Freitag trotzdem wieder in den Vorverkauf zu gehen. Jetzt wieder mit dabei sein, die nächste Fahrt geht rückwärts!

Die kommunizierten Begründungen muten jedenfalls abenteuerlich an. Mag sein, dass die Nachfrage das Angebot um den Faktor 10 bis 100 überstiegen hat. Aber warum werden dann trotzdem viel, viel mehr Order angenommen, fakturiert und bestätigt, als Ware zugesagt ist? Noch dazu flächendeckend bei fünf großen Anbietern? Während etwa von Amazon, MediaMarkt und Saturn nichts dergleichen bekannt ist?

Branchen-Kenner mutmaßen, dass wir hier Zeuge eines (Einzel)Handelskrieges um jede einzelne Palette PlayStation-5-Kartons werden. Es wäre nicht das erste Mal, dass Konsolen-, Smartphone- oder Grafikkarten-Kontingente während des laufenden Vorverkaufs gestutzt oder neu portioniert werden.

Leidtragende dieses Wahnsinns sind – einmal mehr – die Verbraucher, mit denen der Handel mehr als unwürdig umspringt, an der Grenze der Unseriosität, manchmal darüber hinaus.

Dass um den PS5-Erstverkaufstag (19.11.) herum überhaupt Ware in die Läden gelangt, gilt übrigens als ausgeschlossen – Filialen wurden unmissverständlich angewiesen, bis auf Weiteres keine Vorbestellungen der Laufkundschaft anzunehmen oder gar Wartelisten anzulegen, weil ohnehin alles in den Online-Vertrieb geht, anders als bei der Xbox Series X / S.

Und ja, natürlich ist „das Ding“ nicht so wichtig, noch dazu inmitten einer Pandemie. Was aber wichtig ist und bleibt: Respekt und Aufrichtigkeit gegenüber Kunden, die immerhin willens sind, dass ihnen mal eben 500 Euro vom Konto weggebucht werden. Für ein Produkt, das man ihnen frühestens in zwei Monaten liefert.

Oder auch nicht.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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11 Kommentare

  1. Guter Artikel und trauriger Zustand. Ich selbst wurde von Otto und Conrad getäuscht. Beide Male wurde storniert, ohne auch nur eine Mitteilung bekommen zu haben. Von Conrad gab’s dann zwei Tage nach Bestellung doch noch eine Standard Email. Auf meine Rückzahlung warte ich dennoch noch. Dabei stört mich gar nicht so sehr die Stornierung, sondern viel mehr wie sie kommuniziert wurde bzw eben nicht. Ich verstehe einfach nicht, wieso man nicht nur so viele Vobestellungen annimmt, wie einem Exemplare zugesichert wurden. Das klappt bei Amazon/MM/Saturn doch auch.
    Heute habe ich erfolgreich alles auf eine Karte gesetzt und mich ausschließlich auf Amazon konzentriert. Dort kann man sich wenigstens halbwegs sicher sein, ob man eine bekommt oder eben nicht (Wenn man keine Vorbestellung aufgeben konnte). Bisher ist jedenfalls nichts von Stornierungen seitens der 3 großen bekannt.

  2. Kunden-Login bei MediaSaturn war heute morgen nicht möglich. Kauf als“Gast“ hingegen möglich, da Kunden-LogIn umgangen wurde, Bestellung und Zahlung wurden per eMail (MM & PayPal) bestätigt.

  3. Also ich möchte dieses weiße Ding nicht in meiner Bude haben.Und die Preise für ein Spiel bis zur 80 euro.Unglaublich.Ich habe ps1 ps2 ps3 ps4 mir immer gekauft aber jetzt muss ich mir wirklich überlegen ob ich mir das leisten kann.Vielen Dank Sony

    • Naja.
      Wenn man vorher 70€ ausgeben konnte kann man jetzt auch 80€ ausgeben. Vorausgesetzt man will das Spiel unbedingt haben. Außerdem wird sich das einpendeln. Die werden in ein paar Monaten bei 60-65€ liegen. Also Standard. Wir sind in einer Pandemie. Das war man nicht vergessen.

  4. Klar gibt es wichtigeres, gerade in der heutigen Zeit. Nur kenne ich solche Geräte auch als „private Zerstreuung“, da spielt ja Homeoffice auch mit rein.

    Ich stelle mir die Frage wie das an dem Punkt mit dem Verbraucherschutz aussieht? Heißt das jetzt, dass es ab Tag X zwar Spiele gibt, aber nicht die passenden Geräte dafür? Darf man das?
    Meines Wissens darf man ja auch keine Pfandflaschen verkaufen, wenn man sie nicht zurück nimmt.

    Ich selbst hatte kein Glück bei den Vorbestellungen.

  5. Vielen Dank Frau Fröhlich.

    Ein sehr schöner Artikel.

    Sie sprechen hier einen wunden Punkt an, der viele Endverbraucher betrifft. Das schlimme ist natürlich nicht nur, die schlechte Verfügbarkeit, oder die Angelegenheit um das Produkt „Playstation“ als solches, welches die Händler hier bewerben. Dafür gebe ich den Einzelhändlern sogar nicht immer die Schuld. Aber die Geschäftsgebaren im Zusammenhang mit der Vorbestellerphase und der der Umgang mit den Kunden macht mich einfach sprachlos.
    Das ist Respektlos. Ich hatte sogar schon mehrmals Schwierigkeiten bei Online-Bestellungen, bei einem bestimmten „roten“ Markt. Ich habe eigentlich immer gedacht, der Einzelhandel ist gewillt, in Anbetracht der Tatsache das der große Riese mit dem A davor immer weiter wächst, wenigstens versucht, seine Kunden mit allen mitteln der Kunst zu umgarnen. Aber wenn das schon am respektablen Umgang an der Hotline scheitert, sehe ich schwarz. Auch ich werde mich dann vom Gedanken trennen, den hiesigen Einzelhandel unterstützen zu wollen und nur noch beim großen „Riesen“ bestellen.

  6. Also ich hatte bei Saturn sehr Glück, habe die ganze Zeit versucht mit Paypal zu zahlen was dann auch irgendwann klappte und dachte mir, dass ich es noch einmal versuchen werde mit Vorkasse, und siehe da, es klappte. Nun hab ich hoffentlich eine für mich und eine für meinen Arbeitskollegen, der leider nicht mehr so viel Datenvolumen hatte. Habe beide bezahlt und für beide die Bestätigung bekommen. Hoffe das sie auch beide nicht storniert werden. LG Sven

  7. Was ich bei der ganzen Aktion nicht verstehe ist, warum nicht alle Shops einfach Vorbestellungen annehmen dürfen. Wann die Lieferung ist, kann dann immer noch individuell festgelegt werden, je nachdem wieviel Kontingent von Sony für die Stores freigegeben wird. Aber so würde es zumindest kein Vorbesteller Chaos geben. Seiten würden nicht abstürzten und alle Bestellungen werden (Warteliste Prinzip) nach und nach abgearbeitet. Es ist doch jedem bekannt, dass es Lieferschwierigkeiten (ggf. auch bedingt durch Corona) gibt. Aber so gibt’s keine direkten Enttäuschung (außer man in ungeduldig). Und der zuerst bestellt, wird zuerst beliefert! Diese ganzen Stornierungsaktionen und künstlichen Verknappungen halte ich für falsch – irgendwann wird es genug Konsolen geben, dass alle ihre Konsole erhalten.

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