Start Wirtschaft Electronic Arts schließt Bioware und streicht weitere 400 Jobs

Electronic Arts schließt Bioware und streicht weitere 400 Jobs

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Electronic-Arts-Niederlassung im Kölner Rheinau-Hafen (Foto: Petra Fröhlich)
Electronic-Arts-Niederlassung im Kölner Rheinau-Hafen (Foto: Petra Fröhlich)

Aus für Bioware – Mass Effect 5 gestoppt: Bei Electronic Arts kommt es zum befürchteten Kahlschlag bei Marken, Studios und Personal.

Die Entscheidung ist keine echte Überraschung – möglicherweise aber das Tempo, an dem sich der Umbau von Electronic Arts nach der Übernahme durch den saudischen Staatsfonds PIF ablesen lässt: Der US-Publisher gibt Bioware auf. Das Studio zählte über Jahrzehnte zu den renommiertesten und prägendsten Adressen der Branche, gerade für das Genre der Rollenspiele.

Ganze Gamer- und Game-Designer-Generationen sind mit den Bioware-Universen aufgewachsen: Baldur’s Gate, Neverwinter Nights und Knights of the Old Republic gelten als Meilensteine. Nach der Übernahme des Studios im Jahr 2007 folgten erfolgreiche Serien wie Mass Effect und Dragon Age. Der Einfluss auf jüngere Unternehmen wie CD Projekt Red: enorm.

Zuletzt konnte die EA-Sparte nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen: Dragon Age: The Veilguard hat 2024 die ambitionierten Vorgaben des Mutterkonzerns klar verfehlt.

Das in Entwicklung befindliche Bioware-Projekt Mass Effect 5 wird nun nicht länger verfolgt. An dem Spiel waren dem Vernehmen nach 50 Mitarbeiter beteiligt. Die Auswirkungen auf eine geplante Amazon-Prime-Video-Serie sind noch offen.

Electronic Arts schließt Bioware und streicht weitere 400 Jobs

Die Entscheidung führt zum Abbau von 400 Arbeitsplätzen und zur Schließung des Bioware-Standorts im kanadischen Edmonton. Auf dem offiziellen X-Kanal heißt es: „Für über als 30 Jahre war Bioware viel mehr als ein Studio – nämlich eine Heimat für Geschichtenerzähler, Entwickler und die Spieler, die unsere Welten zum Leben erweckt haben.“

Was Generationen von Bioware-Beschäftigten gemeinsam gebaut haben, sei etwas, was es zu feiern und zu erinnern gilt: „Diese Spiele waren so viel mehr, weil ihr sie gespielt habt, über Entscheidungen debattiert habt, euch in die Figuren verliebt habt und diese Welten zu eurer eigenen gemacht hat.“

Der Fokus liege nun darauf, die betroffenen Mitarbeiter („die ihr Herz in diese Spiele eingebracht haben“) auf dem Weg in neue Beschäftigungsverhältnisse außerhalb von Electronic Arts zu unterstützen.

Sport, Action, Live-Services: Die ’neue‘ EA-Strategie

Das Bioware-Aus setzt eine Kaskade an Entlassungsrunden der vergangenen Jahre fort und ist Teil einer überarbeiteten EA-Strategie – zwangsläufig unter Berücksichtigung der enormen Ertrags- und Schuldenlast, die dem Unternehmen im Zuge der 55-Mrd.-$-Akquise durch Saudi-Arabien aufgebürdet wurde.

So wird eine Next-Gen-Variante des Dauerbrenners Die Sims (‚Project Lotus‘) gestoppt, während Project Evergreen weiter verfolgt werden soll. An anderer Stelle kam es zu Umschichtung von Kapazitäten. Investieren will das Management unter anderem in ein neues ‚Open-World-Spiel‘ im American-Football-Sektor (Project Gridiron), ein weiteres Stars Wars-Action-Spiel und ein neues Box-Spiel aus der Fight Night-Serie.

Die Richtung ist klar: Voller Fokus auf ertragsstarke Franchises aus dem Sport- und Action-Bereich sowie Live-Services, die für drei von vier Dollar des EA-Umsatzes von zuletzt 7,5 Mrd. $ stehen. Dazu gehören neben EA Sports FC, College Football und Madden NFL insbesondere Apex Legends und Battlefield.

Wie sich all diese Maßnahmen konkret in den Bilanzen auswirken, ist seriös nicht mehr zu bewerten: Denn infolge der Übernahme ist die Electronic Arts-Aktie vom Kurszettel verschwunden und zu einer ‚Black Box‘ mutiert.

Aus Sicht von Analysten lautet die Devise jetzt: Kosten runter – Einnahmen rauf. Nur mit mehr Effizienz, weniger Personal und Turbo-Wachstum lassen sich die Rückzahlungen abschichten. Für Experimente abseits des Kerngeschäfts bleibt immer weniger Spielraum.

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