Start Politik Internationale Computerspielesammlung (ICS) steht vor dem Aus

Internationale Computerspielesammlung (ICS) steht vor dem Aus

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Verbands-Chef Felix Falk, Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Rüdiger Kruse (CDU) läuten Phase 1 der Internationalen Computerspielesammlung ein (Foto: Franziska Krug / Getty Images for Stiftung Digitale Spielekultur)
Verbands-Chef Felix Falk, Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) und Rüdiger Kruse (CDU) läuten Phase 1 der Internationalen Computerspielesammlung ein (Foto: Franziska Krug / Getty Images for Stiftung Digitale Spielekultur)

1,5 Millionen Euro sind in den Aufbau der Internationalen Computerspielesammlung (ICS) geflossen – jetzt wird das Projekt nicht weiterverfolgt.

Seit 2012 verfolgten die Initiatoren das Ziel, die „weltweit größte Sammlung digitaler Spiele“ zusammenzutragen – mit mehr als 60.000 Computer- und Videospielen auf Modul, Diskette, CD, DVD und Blu-Ray-Disc, dazu Verpackungen, Handbücher, Werbematerialien und Hardware. Unter anderem sollten die üppigen Bestände der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und des Computerspielemuseums in das Archiv einfließen – auch als Grundlage für Forschung und Bildung.

Die damalige Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) sprach beim Start der Datenbank von einem „weltweit einmaligen Aushängeschild – sowohl für den Games- als auch für den Wissenschaftsstandort Deutschland“.

Die Internationale Computerspielesammlung (ICS) enthält unter anderem die Bestände der USK (Foto: GamesWirtschaft)
Die Internationale Computerspielesammlung (ICS) enthält unter anderem die Bestände der USK (Foto: GamesWirtschaft)

2023 erfolgte schließlich die Gründung einer gemeinnützigen GmbH, die bis Ende 2025 als öffentlich gefördertes Projekt alle Exponate erfasst, organisatorische Strukturen aufgebaut und die bestehende Datenbank weiteentwickelt hat. Der Berliner Senat und der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien haben die ICS mit 1,5 Mio. € unterstützt – diese Phase ist seit Ende April 2026 abgeschlossen.

Im „Fortschrittsbericht“ der Berliner Senatsverwaltung warnte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bereits im Frühjahr, das „eine über den Zeitraum bis April 2026 gehende institutionelle Förderung durch den Bund und das Land Berlin zurzeit noch nicht gewährleistet“ sei. Weitere Gespräche sollten folgen – auch mit Bundesministerien.

Internationale Computerspielesammlung (ICS) steht vor dem Aus

Am heutigen Freitag mussten die Initiatoren einräumen, dass ein öffentlich zugängliches, dauerhaftes Archiv „durch das Fehlen der notwendigen öffentlichen Unterstützung“ nicht realisierbar sei. Die Gesellschafter haben deshalb einstimmig entschlossen, das Projekt der ICS unter diesen Umständen nicht weiterzuverfolgen.

In einer Stellungnahme heißt es: „Das Aus für die ICS ist aus unserer Sicht sehr bedauerlich – wenn wir auch Verständnis für die politischen Gründe haben. Wir sind weiterhin überzeugt, dass es wie bei anderen Medien auch eine öffentliche Aufgabe ist, das Kulturmedium Games zu bewahren. Wir hoffen, dass dies in anderer Form in Zukunft doch noch umgesetzt wird. Dabei werden nicht nur die Erkenntnisse und Vorarbeiten der ICS helfen, sondern alle Gesellschafter stehen auch individuell als Partner zur Verfügung.“

Informierten sich über das Projekte "Internationale Computerspielesammlung": SPD-Chefin Saskia Esken und Wirtschafts-Staatssekretär Michael Kellner (Foto: GamesWirtschaft / Fröhlich)
Informierten sich über das Projekte „Internationale Computerspielesammlung“: SPD-Chefin Saskia Esken und Wirtschafts-Staatssekretär Michael Kellner (Foto: GamesWirtschaft / Fröhlich)

Auf GamesWirtschaft-Anfrage macht Giffeys Wirtschafts-Behörde deutlich: „Das vom Branchenverband Game vorgelegte Konzept für eine institutionelle Förderung der ICS wurde vom zuständigen Bundesministerium nach Prüfung als nicht tragfähig bewertet und zurückgewiesen. Der SenWiEnBe liegen darüber hinaus keine Informationen über die weiteren Planungen zum Fortbestand der ICS vor. Da es sich bei der ICS um eine reine Sammlungs- und Forschungsstruktur zur Wahrung des digital-interaktiven Kulturerbes handelt, ist eine fachliche Zuständigkeit oder finanzielle Förderung durch die Wirtschaftsverwaltung leider nicht möglich.“

Das CSU-geführte Bundesforschungsministerium (BMFTR), das seit Mai 2025 für die Games-Politik im Land zuständig ist, teilt auf Anfrage mit: „Der nächste Schritt wäre die dauerhafte Etablierung der ICS als physische Einrichtung, mit eigenen Archivräumen und Arbeitsplätzen zur Nutzung des Archivguts. Da dafür eine längerfristige Finanzierung benötigt wird, wäre eine sogenannte ‚Institutionelle Förderung‘ notwendig, die jedoch an hohe haushaltsrechtliche Hürden geknüpft ist. Die Möglichkeit einer institutionellen Förderung wurde im BMFTR geprüft, ist jedoch aktuell für die ICS nicht umsetzbar.“

Damit endet eine bittere Woche für all jene, die es mit der Videospiele-Kultur halten: Am Mittwoch hat Sony Interactive angekündigt, nach mehr als drei Jahrzehnten künftig keine Datenträger mehr für PlayStation-Konsolen zu produzieren.

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