
Das Xbox-Management zeichnet ein schonungsloses Bild vom Zustand der Videospiele-Sparte – und kündigt harte Einschnitte an.
Der Beitrag, den Xbox-CEO Asha Sharma und Studio-Boss Matt Booty in der Nacht auf Donnerstag veröffentlicht haben, kann auch als eine Art Arbeitszeugnis für das Wirken von Vorgänger Phil Spencer verstanden wissen. Und es fällt nicht schmeichelhaft aus.
Das Memo bilanziert zum einen die ersten 100 Tage nach Sharmas Amtsantritt und gibt gleichzeitig einen Ausblick auf die kommenden 100 Tage, also inklusive Gamescom.
Demnach seien in den vergangenen drei Monaten mehr Updates veröffentlicht worden als im gesamten Jahr zuvor. Die massiven Preiserhöhungen beim Xbox Game Pass seien teilweise zurückgenommen worden – mit dem Ergebnis, dass nach acht Monaten Rückgang wieder Wachstum stattgefunden hat. Neuheiten wie Gears of War: E-Day sollen konsolen-exklusiv auf Xbox stattfinden; mit dem Rennspiel Forza Horizon 6 hat das Microsoft-Studio Playground Games einen Bestseller abgeliefert.
Wörtlich heißt es: „Wir haben Fehler gemacht und wir werden auch künftig Fehler machen, aber worauf es ankommt: Zuhören, Lernen und Anpassen, soweit nötig.“
Zu dieser Anpassung gehören nach Bloomberg-Informationen auch weitere Entlassungen, Studio-Schließungen und signifikante Kürzungen der Marketing-Budgets, die bereits im Juli greifen sollen.

Xbox 100-Tage-Plan: „So kann es nicht weitergehen“
Mit Blick auf die kommenden 100 Tage schwören Sharma und Booty ihr Team auf Optimismus und harte Einschnitte ein:
- Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit der Kunden werde weiter zunehmen: Es gäbe mehr großartige Spiele, TV-Serien, Marchen, Creator und Apps als je zuvor.
- Das Finanzjahr ende mit einer rückläufigen ‚Accountability Margin‘ von 3 Prozent. Bedeutet: Von jedem eingenommenem Dollar / Euro bleiben nach Abzug der Kosten gerade 3 Cent Gewinn – zu wenig für weitere Investitionen und erst recht zu wenig für die Ambitionen von Microsoft. Schließlich verdient der US-Konzern mit der Cloud-Sparte ungleich mehr Geld.
- Zusätzlich zum 70-Mrd.-$-Zukauf von Activision Blizzard habe man mehr als 20 Mrd. $ für Investitionen in Inhalte, Plattformen und Hardware-Subventionen ausgegeben – dennoch sei der jährliche Umsatz in dieser Zeit um eine halbe Milliarde Dollar gesunken: „So kann es nicht weitergehen.“
- Erhebliches Kopfzerbrechen bereiten die explodierenden Hardware-Preise. Bereits zu ihrem Start im Februar hätten die Preise für Konsolen-Bauteile beim Doppelten gelegen wie noch im Herbst 2025. Diese Kosten hätten sich seitdem ein weiteres Mal verdoppelt. Mit Blick auf die Pläne für da Weihnachtsgeschäft 2027 und den Xbox Series X-Nachfolger (‚Project Helix‘) sei mit einer weiteren signifikanten Steigerung zu rechnen – mit einer Preissteigerung um den Faktor 5 in nur zwei Jahren. Gleiches gelte für Speicher-Chips. Sharma und Booty räumen ein: „Wir sind momentan nicht in der Lage, die Nachfrage nach Konsolen zu bedienen. Wir halten an Project Helix fest, brauchen aber ein neues Business-Modell und andere Hersteller-Abkommen.“
- Die Zahl der internen Studios sei deutlich gewachsen, um dem gestiegenen Bedarf – etwa durch den Game Pass, Plattform-Umsetzungen und Streaming – zu begegnen. Damit einher gehen lange Entwicklungszeiten und hohe Kosten. Microsoft strebt einen verlässlichen Mix aus First- und Third-Party-Exklusivtiteln an, flankiert von neuen Franchises.
- Die derzeitige Plattform-Infrastruktur sei nicht darauf ausgerichtet, um die anstehenden ‚Schlachten‘ zu schlagen. Zu hohe Komplexität verhindert Geschwindigkeit. Microsoft will die Abhängigkeit von externen Zulieferern reduzieren und selbst wieder eigene Systeme entwickeln.
Abschließend heißt es: „Für einige von euch mögen all diese Realitäten überraschend oder gar frustrierend wirken. Wir werden nicht erfolgreich sein, wenn wir harte Wahrheiten verstecken – und auch nicht, wenn wir die selben Dinge tun, aber andere Ergebnisse erwarten.“
Erklärtes Ziel bleibe es, die Marke Xbox zu stärken und die Nummer 1 unter den Gaming- und Entertainment-Unternehmen aufzubauen. Die Xbox feiert im November ihren 25. Geburtstag – Microsoft legt dazu eigens eine Jubiläums-Konsole auf.












