
Mia san mia: Unter dem Motto ‚We are Xbox‘ kündigt das Management der Microsoft-Gaming-Division einen Kurswechsel an.
Asha Sharma verliert keine Zeit: Erst in dieser Woche hat die neue Microsoft Gaming-CEO die Preiserhöhung beim Xbox Game Pass Ultimate teilweise zurückgenommen und Call of Duty aus dem Day-1-Katalog entfernt. Gestern folgte nun eine ausführliche Mail an die Belegschaft, in der Sharma gemeinsam mit Chief Content Officer Matt Booty die Grundlagen der künftigen Games-Strategie des US-Konzerns skizziert.
Unter der Überschrift „Vor uns liegt Arbeit“ werden bemerkenswert offen die Problemfelder aufgelistet, die sich in den vergangenen Jahren angesammelt hätten: Die Kunden seien frustriert, weil die Taktfrequenz für neue Features auf Xbox-Konsolen zu gering sei. Die Präsenz im PC-Markt sei nicht stark genug, die Preise würden viele Spieler überfordern. Gleichzeitig sei die Bedienung vielfach zu kompliziert, zu umständlich, zu kleinteilig. Studios und Publisher bräuchten bessere Tools.
Sharma identifiziert auch übergreifende Trends: Zwar sei der Konsolen-Markt weiterhin groß und stabil – parallel seien mit Plattformen wie Roblox neue Mitbewerber entstanden. Zudem fände das Wachstum mittlerweile woanders statt – in jedem Fall nicht auf den gesättigten Märkten im Westen.
Daraus leitet sich die künftige Strategie ab: Als Maßstab („Polarstern“) gilt ab sofort die Kennzahl Daily Active Players, also die Zahl jener Spieler, die täglich Microsoft-Angebote nutzen.
We Are Xbox: Microsoft korrigiert Games-Strategie
Konkret strebt Microsoft die „Stabilisierung“ der aktuellen Xbox Series X/S-Baureihe an, die seit mehreren Quartalen unter stramm rückläufiger Nachfrage leidet. Unterdessen richtet sich der Blick bereits auf die kommende Generation Project Helix richtet – auf dem System sollen sich wohl Konsolen- als auch PC-Games spielen lassen.
Auf der Software-Seite soll das Portfolio mit bewährten Marken der Xbox-Studios ausgebaut werden. Künftig will Microsoft verstärkt in Märkten wie China, Emerging Markets und auf Smartphones stattfinden. Live-Service-Games und ‚creator-centric platforms‘ wie Minecraft oder The Elder Scrolls bleiben Teil der Strategie.
Mit Blick auf die ‚Experience‘ sollen die bestehenden Mängel rasch behoben werden. Der Game Pass wird durch neue Tarife und Kombis attraktiver. Zukäufe finden dort statt, wo rein organisches Wachstum zu langsam wäre.
Noch nicht vollständig ausbuchstabiert ist der künftige Umgang mit der Exklusivität der konzerneigenen First-Party-Neuheiten und mit Künstlicher Intelligenz: Hier sollen zeitnah Entscheidungen fallen.
We Are Xbox: Die ’10 Gebote‘ der Games-Strategie
Mit der nachgeschärften und teils korrigierten Strategie einher geht auch eine Namensänderung: Aus ‚Microsoft Gaming‘ wird (wieder) ‚Xbox‘. Der Slogan ‚We are Xbox‘ ist demzufolge auch als Kampfansage an den Markt und an Mitbewerber zu verstehen, dass es Microsoft noch einmal wissen will – 25 Jahre nach Markteinführung der ersten Xbox. Äußerlich sichtbar wird der Relaunch auch durch ein modernisiertes Branding: Das bisherige flache Xbox-Logo wird durch ein plastisches ‚X‘ mit glasartiger Anmutung abgelöst.
In den Zeilen wird eine erkennbare Demut vor der Größe der Aufgabe deutlich: „Wir müssen uns ehrlich machen, wo wir stehen. Wir sind ein Herausforderer – und das bedeutet, dass es Geschwindigkeit, Energie und einer gewissen Selbstkritik bedarf, die sich auch mal unangenehm anfühlen kann.“
Zum Abschluss der Mail präsentieren Sharma und Booty noch eine Art ‚Zehn Gebote, die künftig als Maßstab für das gemeinschaftliche Handeln gelten sollen (jeweils mit sinngemäßer Deutung):
- Earn every player (= sich um jeden Spieler bemühen)
- Protect our art (= die Games-Kultur und -Kunst schützen und bewahren)
- Stay rebellious (= unkonventionelle Lösungen finden)
- Progress over perfection (= Fortschritte sind wichtiger als Perfektion)
- Signal over ceremony (= Substanz ist wichtiger als Inszenierung)
- Core before more (= Erst die Pflicht, dann die Kür)
- Outwork the problem (= Probleme durch harte Arbeit lösen)
- Speed is learning (= mehr Tempo führt zu mehr Erkenntnissen = Mut zur Fehlerkultur)
- Makers over managers (= Macher sind wichtiger als Manager)
- Clarity is kindness (= nichts beschönigen, Klartext hilft)












