Start Politik House of Games Berlin: Unruhe beim „Leuchtturmprojekt“

House of Games Berlin: Unruhe beim „Leuchtturmprojekt“

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Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Wirtschafts-Senatorin Franziska Giffey (SPD) geben den Startschuss für das House of Games (Foto: MediaNet Berlin-Brandenburg / Daniel Hinz)
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Wirtschafts-Senatorin Franziska Giffey (SPD) geben den Startschuss für das House of Games (Foto: MediaNet Berlin-Brandenburg / Daniel Hinz)

Rathaus-Chef Kai Wegner freut sich auf „die baldige Eröffnung“ des House of Games – doch wann genau Ubisoft Berlin & Co. einziehen können, ist weiterhin offen.

Studios, Agenturen, Kanzleien, Dienstleister, Freelancer, Verbände und Institutionen – alles unter einem Dach und unter einer Dachmarke, mit Büro- und Event-Flächen samt Streaming-Studios auf mindestens 10.000 qm: Das ist die Idee des House of Games, das im LUX Quartier im Bezirk Friedrichshain entstehen soll. Die Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) bezuschusst die Umsetzung mit 4,6 Mio. €.

Kurz vor dem Wochenende ließen Recherchen des Tagesspiegels aufhorchen: Beim „Prestigeprojekt des Berliners Senats“ knirsche es gewaltig. So gebe es acht Monate nach Vorstellung des Standorts noch keinen einzigen unterschriebenen Mietvertrag. Die Akquise gestalte sich schleppend – auch bedingt durch (zu) hohe Quadratmeterpreise und Nebenkosten. Unruhe mache sich breit.

Bereits im Dezember mussten die Betreiber einräumen, dass sich die für Anfang 2026 geplante Eröffnung deutlich verschiebt: Erst „im Laufe der zweiten Jahreshälfte“ sollen die ersten Flächen bezogen werden. Zur Begründung verweist die landeseigene Betreibergesellschaft WISTA auf den aufwändigen Umbau des historischen Gemäuers.

House of Games Berlin: Unruhe beim „Leuchtturmprojekt“

Neben dem Branchenverband Game samt der USK und Stiftung Digitale Spielekultur stand ein „Ankermieter“ des House of Games von Anfang an fest: Ubisoft Berlin. Die knapp 100 Beschäftigten arbeiten an Marken wie Rainbow Six Siege und Far Cry und sind seit 2018 nahe des Bahnhof Zoo untergebracht – doch das Team braucht zwangsläufig eine neue Bleibe, denn das bestehende Gebäude muss zeitnah saniert werden. Analoges gilt für den kriselnden Mutterkonzern, der im laufenden Betrieb eine komplett neue Struktur bekommt.

Trotz der Unwucht hält der französische Konzern an dem Projekt fest, wie ein Ubisoft-Sprecher auf Anfrage bestätigt: „An unseren Plänen zum House of Games hat sich nichts geändert. Als Mitglied im Steuerungskreis des HoG stehen wir mit allen Beteiligten im engen Austausch.“

Gleichwohl fehlt es unübersehbar an weiteren Mietern; 80 konkrete Interessenten soll es für die Immobilie geben, heißt es. GamesWirtschaft-Stichproben zeigen: Ja, viele der in den offiziellen Unterlagen kolportierten Firmen sind ‚prinzipiell‘ interessiert – entschieden und unterschriftsreif ist allerdings nichts. Drei Hürden werden am häufigsten genannt: Timing, Lage und Kosten. Potenzielle Kandidaten wie Wooga haben erst 2025 neue Räumlichkeiten bezogen.

Standort-Bekanntgabe des House of Games Berlin - von links: Benedikt Grindel (Ubisoft), Felix Falk (Game-Verband), Roland Sillmann (Wista), Jeannine Koch (MediaNet Berlin-Brandenburg), Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Wirtschafts-Senatorin Franziska Giffey (SPD), Nandita Wegehaupt (Stiftung Digitale Spielekultur), Florian Masuth (MediaNet) - Foto: MediaNet Berlin-Brandenburg
Standort-Bekanntgabe des House of Games Berlin – von links: Benedikt Grindel (Ubisoft), Felix Falk (Game-Verband), Roland Sillmann (Wista), Jeannine Koch (MediaNet Berlin-Brandenburg), Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Wirtschafts-Senatorin Franziska Giffey (SPD), Nandita Wegehaupt (Stiftung Digitale Spielekultur), Florian Masuth (MediaNet) – Foto: MediaNet Berlin-Brandenburg

Giffey: „House of Games auf der Zielgeraden“

Dass es im Gebälk des House of Games knirscht, ist offenkundig. Im Roten Rathaus sieht man daher Handlungsbedarf: Wenige Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September wird die Zuständigkeit für die Games-Politik und damit auch für das House of Games in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe gebündelt – also im Ressort von Franziska Giffey (SPD), die darin einen „konsequenten Schritt“ sieht.

Die Senatorin ist zuversichtlich:  „Wir sind auf der Zielgeraden zur Eröffnung dieses einzigartigen Leuchtturms für das GamesCapitalBerlin und Deutschland.“

Zweite Neuerung: Die Verantwortung für Vertrieb, Betrieb und Vermarktung des House of Games liegt ab sofort vollständig bei WISTA-Chef Ronald Sillmann, dessen Team auch den Technologie-Park Adlershof betreut. Die Wege sind kurz: Giffeys Staatssekretär Michael Biel (SPD) ist gleichzeitig Vorsitzender im WISTA-Aufsichtsrat.

WISTA-Chef Sillmann: „Gemeinsam mit den beiden Ankermietern Game und Ubisoft sowie vielen weiteren Mietinteressenten werden wir die letzten Schritte bis zur Eröffnung gestalten, um das House of Games Berlin zu dem zu Leuchtturm der Games-Branche zu machen, den wir uns wünschen.“

Nur noch eine Nebenrolle spielt künftig das MediaNet Berlin-Brandenburg: Das Netzwerk hat das Projekt als Teil des Steuerungskreises seit 2022 federführend mitentwickelt. Für Logo und Markenauftritt wurde eigens Jung von Matt engagiert – eine weitere Agentur kümmert sich um die ‚Content-Strategie‘. MediaNet-Chefin Jeannine Koch: „Mit der WISTA GmbH übernimmt nun ein erfahrener Immobilienbetreiber den zukünftigen Betrieb des House of Games Berlin – ein wichtiger nächster Schritt in der Umsetzung dieses Berliner Zukunftsprojekts.“

Vergleichsweise eng beieinander liegen die Beschäftigtenzahlen der größten Games-Unternehmen in Berlin (Stand: 15. August 2025)
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