Start Wirtschaft Virtual Reality: Studie attestiert „Flaute nach dem Hype“

Virtual Reality: Studie attestiert „Flaute nach dem Hype“

Kurz vor der Gamescom 2017 hat HTC den Preis für die VR-Brille HTC Vive dauerhaft um 200 Euro gesenkt (Foto: KoelnMesse/Harald Fleissner)
Kurz vor der Gamescom 2017 hat HTC den Preis für die VR-Brille HTC Vive dauerhaft um 200 Euro gesenkt (Foto: KoelnMesse/Harald Fleissner)

Der VR-Brillen-Markt tritt auf der Stelle: Laut einer aktuellen Deloitte-Studie ist Virtual Reality „noch weit von einem Massenphänomen“ entfernt.

Die Verbreitung von VR-Brillen in Deutschland habe sich gegenüber dem Vorjahr nur minimal erhöht, nämlich von 2 Prozent auf 3 Prozent. Der Medien-Hype habe sich also bislang nicht in Hardware-Verkäufen umsetzen lassen. Vielmehr seien die in den Markt gesetzten Erwartungen enttäuscht worden.

Das Virtual-Reality-Geschäft brauche daher dringend „neue Impulse“.

Zu diesem Befund kommt die Unternehmensberatung Deloitte in der aktuellen „Global Mobile Consumer Survey 2017“-Studie, die neben dem VR-Markt auch Sprach-Assistenten, die E-Mail-Nutzung und den neuen Mobilfunkstandard 5G untersucht. Dafür wurden in Deutschland mehr als 2.000 Verbraucher befragt.

Virtual Reality: Verbreitung von VR-Brillen ist nur minimal gestiegen

Deloitte unterscheidet zwischen drei Kategorien:

  • Low End (einfache, preiswerte Systeme für Smartphones, zum Beispiel Google Cardboard)
  • Mobile (Google Daydream, Samsung Gear VR)
  • Full Feature (Oculus Rift, HTC Vive, Sony PlayStation VR)

Bedeutung, Nutzerzahlen und Marktanteile von Low-End- und Mobile-Systemen sind gegenüber 2016 gesunken – das Gewicht hat sich deutlich Richtung „Full Feature“ verschoben. Insbesondere PlayStation VR habe sich auf dem Markt etabliert.

Warum VR-Brillen hinter den Erwartungen zurückbleiben

Zur Verbraucher-Zurückhaltung tragen gleich mehrere Faktoren bei:

  • Bislang fehlen echte „Killer Applications“, die das komplette Marktsegment auf eine neue Stufe heben.
  • Nach der „Ausprobierphase“ fehlt ein langfristiger Mehrwert.
  • Die Preise für HTC Vive und Oculus Rift sinken in einem atemberaubenden Tempo – potenzielle Käufer warten im Zweifel ab.
  • Die geringe Auflösung von Smartphone-Displays bremst den Durchbruch von Mobile-Brillen.
  • Trotz Preissenkungen bleibt eine VR-Vollausstattung weiterhin kostspielig.
  • Führende Publisher investieren nur zögerlich in die Entwicklung von VR-Spielen und wollen im Zweifel neue Modelle abwarten, die einige der bestehenden technischen Hürden beseitigen.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass auch in den kommenden Monaten „kein Run auf VR-Brillen“ zu erwarten sei. Neue Impulse seien nur über neue Geräte-Generationen zu erreichen, die nun zügig entwickelt und im Markt eingeführt werden müssten.

Deloitte empfiehlt der Branche zudem, vermehrt auf jüngere Zielgruppen zu setzen: In diesen Altersgruppen seien Akzeptanz und Interesse an VR-Brillen am größten.

Virtual Reality: Widersprüchliche Signale der Branchenverbände

Die Deloitte-Daten und -Erkenntnisse sind nicht kompatibel mit den jüngsten Erhebungen der Branchenverbände Bitkom und BIU – teils widersprechen sie sich sogar. So kam Bitkom-Geschäftsführer Niklas Veltkamp erst vor wenigen Tagen zu dem Schluss, dass VR-Brillen Einzug im Wohnzimmer hielten und „kurz vor dem Durchbruch im Verbraucherbereich“ stünden. Mit 70 Prozent machen Spiele den mit weitem Abstand größten Anwendungsbereich aus, gefolgt von VR-Filmen. Der Bitkom spricht davon, dass 6 Prozent der Deutschen eine VR-Brille besäßen – bei Deloitte ist es die Hälfte.

Laut BIU können sich 25 Prozent der deutschen Internet-Nutzer vorstellen, in den kommenden sechs Monaten eine VR-Brille zu erwerben. Derartige Kaufabsichten sind allerdings bislang genau das: Absichten.

Neue PlayStation VR-Pakete von Sony

Sony PlayStation setzt indes weiter große Erwartungen in den VR-Markt: Ende Oktober erscheint – pünktlich zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft – ein PlayStation VR-Starterpack für 399 Euro. Dieser Tarif entspricht der bislang gültigen unverbindlichen PlayStation-VR-Preisempfehlung und kommt damit einer spürbaren Preissenkung gleich. Im Starter Pack enthalten sind neben der VR-Brille die obligatorische PlayStation-Kamera, zwei Move-Controller und die Spielesammlung „VR Worlds“.

Darüber hinaus schnürt Sony verschiedene Bundles, darunter ein Paket mit VR-Brille, Kamera und der Simulations-Neuheit „Gran Turismo Sport“.

Hinzu gerechnet werden muss jeweils der Preis für eine PlayStation 4 Pro, die derzeit im Handel für rund 380 Euro zu haben ist.

Kommentar oder Frage?
Teilen

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here