Deutschlands drittgrößter Spielehersteller zieht sich aus dem Geschäft mit Mobilegames zurück: Gameforge fokussiert sich auf PC-Spiele und entlässt 90 Mitarbeiter.

Den Umsatzrückgang bei den Browser- und Client-Games aufzuhalten – das war die Idee hinter dem Start der Gameforge-Mobile-Sparte im Jahr 2012. In Pressemitteilungen wurde die Abteilung als „zentrales Standbein in der Unternehmensplanung“ beworben. Aus heutiger Sicht muss der Plan als gescheitert angesehen werden: Der Free2play-Spezialist Gameforge zieht sich in den kommenden Wochen aus dem Markt für Mobile-Games zurück und stellt die Entwicklung von Smartphone- und Tablet-Spielen am Standort Karlsruhe komplett ein.

Im gleichen Zug baut Gameforge die Firmenstruktur um und entlässt ein Fünftel aller Mitarbeiter, schwerpunktmäßig aus der Mobile-Games-Division.

Gameforge ist nach Goodgame Studios und Bigpoint der drittgrößte Games-Entwickler in Deutschland, damit auch das größte Games-Unternehmen in Baden-Württemberg und beschäftigte bislang 440 Mitarbeiter. Im Zuge der Restrukturierung werden rund 90 Jobs gestrichen – die Belegschaft wird sich zum Jahreswechsel 2016/17 also bei rund 350 Personen einpendeln.

Der Gameforge- Browsergames-Klassiker oGame ist seit 2002 in Betrieb.
Der Gameforge- Browsergames-Klassiker oGame ist seit 2002 in Betrieb.

Gameforge: Konzentration auf das Publishing von PC-Titeln

Ursprünglich war geplant, dass die Mobile-Games-Abteilung bis Ende 2013 mehr als 15 Titel zur Marktreife führt, sowohl Eigenentwicklungen als auch Lizenzspiele. Die zunächst registrierten „enormen Wachstumsraten“ erwiesen sich als nicht nachhaltig.

So wurde das zusammen mit dem Wiener Studio Sproing entwickelte Tablet-MOBA Sigils: Schlacht um Raios im vergangenen Jahr gestartet – und genauso schnell wieder eingestellt. Auch der 2015 veröffentlichte Fußballmanager Matchday hat sich nicht durchgesetzt, trotz Original-Spielernamen und -Fotos von Vereinen wie Bayern München und dem FC Liverpool.

Eingestellter Fußballmanager Matchday: kein Markterfolg trotz Lizenzen.
Eingestellter Fußballmanager Matchday: kein Markterfolg trotz Lizenzen.

Gameforge-Gründer und CEO Alexander Rösner gesteht denn auch ein, dass „wir weniger erfolgreich waren als erwartet und jetzt die Konsequenzen ziehen, indem wir uns in allen Bereichen neu aufstellen.“ Zu den Konsequenzen gehört, dass jeder fünfte Gameforge-Mitarbeiter seinen Job verliert. Rösner bedauert diesen Schritt, geht aber – wenig verwunderlich – davon aus, dass die Maßnahme das Unternehmen „zukunftsfähiger“ macht. Den betroffenen Kollegen sichert er „umfassende und großzügige“ Unterstützung bei der Job-Suche zu.

Künftig will sich Gameforge ganz auf das Geschäft mit PC-Download- und Browsergames konzentrieren, schwerpunktmäßig auf Basis des Free2play-Modells. Dort hätten sich „interessante Opportunitäten“ ergeben, derweil der Mobilegames-Markt „härter und unbeweglicher“ geworden sei. Ähnlich wie viele andere Anbieter dürfte auch Gameforge von der anhaltenden Neuheiten-Flut in den Appstores, der damit einhergehenden geringeren Sichtbarkeit und den dramatisch gestiegenen Marketingkosten betroffen sein.

Mit den heute bekannt gewordenen Maßnahmen ist Gameforge nach Blue Byte, Goodgame Studios und Wooga das mittlerweile vierte Games-Unternehmen binnen weniger Monate, das einen Strategieschwenk vornimmt.

Gameforge-Gründer und CEO Alexander Rösner baut den Spielekonzern erneut um.
Gameforge-Gründer und CEO Alexander Rösner baut den Spielekonzern erneut um.

Gameforge: Hoffnung liegt auf drei Spielen – und eSport

Gameforge sieht sich weiterhin als „führender Anbeiter von Free2play Massively Multiplayer Onlinegames in der westlichen Hemisphäre“. Zum Sortiment gehören in Lizenz betriebene Free2play-Rollenspiele wie AION, TERA, Metin 2, 4Story und Runes of Magic, aber auch eigenentwickelte Browsergames wie Ikariam oder OGame.

Der Haken: Das Sortiment besteht überwiegend aus Titeln, die zwar weiterhin gutes Geld einspielen, aber nicht mehr zwingend zu den frischesten ihrer Art gehören – Metin 2 feiert zehnjähriges Jubiläum, das Strategie-Browsergame Ikariam ist seit 2008 auf dem Markt, OGame seit 2002.

Die Überalterung des Portfolios zeigt sich auch am Umsatz. Die Einnahmen sind in den vergangenen Jahren stetig gesunken: Von 140 Mio. Euro (2011) über 105 Mio. Euro (2013) auf zuletzt 92 Mio. Euro (2014).

Die Hoffnungen liegen nun insbesondere auf drei Titeln:

  • das Sammelkarten-Online-Rollenspiel HEX: Shards of Fate
  • das aus Korea stammende Online-Rollenspiel SoulWorker
  • das Echtzeitstrategiespiel Dropzone

Keines dieser Spiele wird in Deutschland entwickelt.

Mit Elsword und Dropzone versucht Gameforge außerdem auf dem umkämpften eSport-Markt Fuß zu fassen. Zuletzt veranstaltete Gameforge zusammen mit der ESL ein Elsword-Turnier auf der Gamescom in Köln.

Gameforge-Stand auf der Gamescom 2016: Dropzone soll sich im eSport-Markt durchsetzen.
Gameforge-Stand auf der Gamescom 2016: Dropzone soll sich im eSport-Markt durchsetzen.

Gameforge: Zahl der Mitarbeiter gegenüber Höchstmarke halbiert

Auch wenn die Pressemitteilung mit der „wichtigsten Neustrukturierung der Firmengeschichte“ überschrieben ist: Gameforge erlebte in den vergangenen Jahren regelmäßig massive Umstrukturierungen und Entlassungswellen.

Das Unternehmen wurde 2003 von Alexander Rösner und Klaas Kersting gegründet. Kersting stieg 2010 aus und gründete kurz darauf Flaregames, ebenfalls in Karlsruhe. Im selben Jahr übernahm Gameforge die Mehrheit an der Berliner Frogster Interactive Pictures AG: Zu diesem Zeitpunkt zählte Gameforge knapp 700 Mitarbeiter – nach Abschluss der derzeit laufenden Restrukturierung hätte sich die Zahl der Mitarbeiter gegenüber dieser Phase faktisch halbiert.

Im November 2011 wurden mehrere gefloppte Browsergames eingestellt und Doppelstrukturen abgebaut. 100 Angestellte in Karlsruhe und Berlin mussten gehen. Im Herbst 2013 erfolgte die befürchtete Schließung der Berliner Niederlassung. Den 150 betroffenen Mitarbeiter bot Gameforge eine Weiterbeschäftigung in Karlsruhe an – wie viele Personen dieses Angebot angenommen haben, ist nicht bekannt.

GamesWirtschaft hat Gameforge um weitere Stellungnahmen gebeten. Die Antworten von Marketing-Vorstand Olaf Bernhard lesen Sie in diesem Interview.

Kommentar oder Frage?
Teilen

3 Kommentare

  1. „Die Überalterung des Portfolios zeigt sich auch am Umsatz. Die Einnahmen sind in den vergangenen Jahren stetig gesunken: Von 140 Mio. Euro (2011) über 105 Mio. Euro (2013) auf zuletzt 92 Mio. Euro (2014).“

    Nun, das liegt weniger an den Spielen selbst. Spiele wie Ikariam wurden leider sträflich vernachlässigt und gameforge ist seit Jahren nicht in der Lage ihre eigenen Regeln durchzusetzen. Die Spielerstatistiken von Ikariam sind dermaßen verzerrt und viele Spieler so frustiert, das die Gamer dieses Spiel, das an für sich, immer noch eines der besten Browsergames ist, fluchtartig die Server verlassen. Und wo kein Gamer, da kein Geld!^^
    Alle Versuche aus der Gamercommunity heraus, dieser Entwicklung entgegenzutreten werden kategorisch durch den CommunityManager abgeblockt. Dem sind anscheinend die geschönten Gamerzahlen wichtiger, als der Fehlentwicklung entgegenzutreten. So sind also gewisse Probleme bei gameforge hausgemacht. Dem Ansehen von gameforge ist dies gewiss nicht förderlich!

  2. […] Based in Karlsruhe, Gameforge announced they will lay off 90 of their 450 employees due to a company restructuring. The 90 employees all belonged to the mobile games department. The restructuring is underway because the company and especially the mobile games department have not been as successful as planned. [Games Wirtschaft] […]

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here