Start Politik Keine Rundfunklizenz: PietSmiet schaltet PietSmiet TV ab

Keine Rundfunklizenz: PietSmiet schaltet PietSmiet TV ab

Drei Fünftel von PietSmiet beim Deutschen Computerspielpreis 2017: Peter Smits, Dennis Brammen und Christian Stachelhaus (Foto: Franziska Krug/Getty Images)
Drei Fünftel von PietSmiet beim Deutschen Computerspielpreis 2017: Peter Smits, Dennis Brammen und Christian Stachelhaus (Foto: Franziska Krug/Getty Images)

Entweder Rundfunklizenz beantragen oder zum 30. April abschalten – so die unmissverständliche Ansage der Landesmedienanstalten. Die Betreiber von PietSmiet TV haben sich entschieden.

Zu Zeiten der mittelalterlichen Inquisition war die sogenannte „Territion“, also das Vorzeigen der Folterinstrumente, ein probates Mittel, um die Delinquenten einzuschüchtern – und zu Geständnissen zu nötigen. Manche Beobachter hatten damit gerechnet oder zumindest darauf gehofft, dass die Landesmedienanstalten es dabei belassen, den Live-Letsplayern via Pressemitteilung die theoretischen Optionen aufzuzeigen – inklusive empfindlicher Bußgelder bei Zuwiderhandlung.

Dies war nicht der Fall.

Am vergangenen Sonntag endete das Ultimatum: Bis zum 30. April 2017 hatte das PietSmiet-Team Zeit, um auf die Post der zuständigen Landesanstalt für Medien NRW zu reagieren. Kern des Schreibens: Der 24/7-Kanal PietSmiet TV sei aufgrund seiner technischen Reichweite und des Sendeplans als genehmigungspflichtiges Rundfunkangebot einzustufen und bräuchte daher zwingend eine entsprechende Zulassung, die berüchtigte Rundfunklizenz.

Letztlich blieben den erfolgreichen Letsplayern (über 2 Millionen Youtube-Abonnenten, über 300.000 Twitch-Follower, weit über 2 Milliarden Video-Abrufe) nur drei Optionen:

  • Rundfunklizenz beantragen – und unangenehme Nebenwirkungen in Kauf nehmen
  • Twitch-Kanal umbauen – und zum Beispiel auf Sendeplan und Stream-Ankündigungen verzichten
  • PietSmiet TV vom Netz nehmen

Peter Smits, Dennis Brammen, Christian Stachelhaus, Sebastian Lenßen und Jonathan Appelt haben sich für Tor 3 entschieden: Auf PietSmiet TV wird seit einigen Tagen nicht mehr „gesendet“.

Streit um Rundfunklizenz: PietSmiet TV geht vom Netz

Seitdem die Landesmedienanstalten das Vorgehen gegen PietSmiet TV öffentlich gemacht haben, durchzieht die deutsche Webvideo-Landschaft fühlbare Nervosität. Bereits mittelgroße Live-Streamer berichten von leichter Gänsehaut beim morgendlichen Blick in den Briefkasten. Die „Territion“ zeigt Wirkung.

PietSmiet-Geschäftsführer Peter Smits wirbt seit Wochen um Unterstützung in der Branche und in der Politik – inzwischen ist ihm unter anderem CDU-Generalsekretär Peter Tauber öffentlich zur Seite gesprungen. Medien wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel Online und die ZEIT haben das Thema aufgegriffen.

Auch Erik Range alias Gronkh nutzte die Computerspielpreis-Laudatio für eine charmante Spitze: Für seine einleitenden Worte („Ich bin es nicht gewohnt, vor Menschen zu sprechen – schon gar nicht ohne entsprechende Lizenz…“) gab’s spontanen Applaus im Publikum. Zwei Wochen zuvor hatte Range bereits im Rahmen eines Live-Streams seine Sicht der Dinge dargelegt. Sein Fazit: „Was passiert, wenn das wirklich durchgedrückt werden soll? Ich kann’s mir einfach nicht vorstellen. Ganz ehrlich: Das wäre dumm.“

Dieser Einschätzung würde selbst die Landesmedienanstalt vermutlich kaum widersprechen – von dort heißt es, das Netz sei „voll von rundfunkähnlichen Angeboten“. Nur gäbe es – leider, leider – nun mal die gesetzlichen Vorschriften.

Schwarzer Bildschirm: Auf dem Twitch-Kanal "PietSmiet TV" wird seit 1. Mai nicht mehr gesendet.
Schwarzer Bildschirm: Auf dem Twitch-Kanal „PietSmiet TV“ wird seit 1. Mai nicht mehr gesendet.

Rundfunklizenz: Debatte erreicht neue Stufe

Wer in diesen Tagen PietSmiet TV auf Twitch ansteuert, blickt auf einen schwarzen Bildschirm. Mit der Beantragung einer Rundfunklizenz hätte das PietSmiet-Team nicht nur Umsätze und Gesellschafterverträge offenlegen und Führungszeugnisse beschaffen müssen, sondern sich auch TV-kompatiblen Jugendschutzbestimmungen unterworfen. Heißt in der Praxis: Kein „GTA 5“ vor Mitternacht.

Mit der Abschaltung des Kanals erreicht die Debatte zweifellos eine neue Stufe – schließlich geht es hier um nicht weniger als die Zukunft des Live-Streamings in einem Land, das in der Disziplin „Regulierung“ schon jetzt nicht zu den ärmsten Zivilisationen zählt. Mindestens der zugrundeliegende Staatsvertrag scheint aus der gleichen Epoche zu stammen wie die eingangs erwähnte „Territion“.

Weitere Informationen rund ums Thema Rundfunklizenz:

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