Zieht eine positive Gamescom-Bilanz 2016: Prof. Dr. Müller-Lietzkow.

Spiele-Professor Dr. Jörg Müller-Lietzkow zieht seine ganz persönliche Gamescom-Bilanz 2016. Er meint: Eine famose Spielemesse – auch ohne neue Rekorde.

Zugegeben: Keine große neue Konsole, keine frische Blockbuster-Ankündigung aus einer bekannten Reihe und keine nicht schon zuvor enthüllte VR-Technologie prägen die Gamescom 2016.

Auch die Zahl von 345.000 Besuchern übertrumpft nicht die letztjährigen Werte und die beiden Entwicklerkonferenzen liefen unaufgeregt ab. War die Gamescom 2016 daher eigentlich kein Highlight? War die Gamescom 2016 gar, so wie es der ein oder andere in der Presse vermutet, ein Abgesang?

Mitnichten! Gerade der reibungslose Ablauf ist das Highlight. In einem schwierigen Jahr verlief die Messe einfach glatt. Vielleicht ist dies in turbulenten Zeiten wie diesen nichts Erwähnenswertes, aber genau darin liegt ein besonderer Charme. Wer die Erwartungshaltung eines Frankfurter Autosalon (IAA) hat, muss enttäuscht werden – das ist ja eben nicht die Stärke der Gamescom.

Gamescom 2016 Bilanz: Das Sicherheitskonzept ging voll auf

Auch geht es nicht darum, immer noch ein Superlativ zu toppen. Wer aber mit Sinn und Verstand durch die Hallen gegangen ist, gesehen hat, wie viele Eltern mit ihren Nachkömmlingen friedvoll umherschlendern sehen, die als Supermom oder Superdad auch geduldig die Merchandising-Hallen über sich mit vorher volleren und später eher leichteren Geldbeuteln haben ergehen lassen; die Cosplayer, die immer wieder echte Hingucker sind; die vielen guten Treffen mit Freunden und Bekannten; die interessanten Begegnungen im Business-Center; die vielen unterschiedlichen Länder, die sich in ihrer kulturellen Vielfalt mit teilweise beeindruckenden neuen Produkten präsentierten; die zahlreichen Eigeninitiativen der Nerds und Fans; die immer geduldigen Security-Mitarbeiter; der harmonisch eröffnete Kongress oder auch nur die wie immer launige Branchenparty im Tanzbrunnen sprechen eine besondere Sprache.

Gamescom-Bilanz 2016: Für jeden ist etwas dabei

Seit Jahren wird immer wieder „Leipzig“ oder „Köln“ diskutiert – ich frage mich schon lange: Warum? Ich muss nicht diskutieren, ob etwas besser oder schlechter war, denn die Fakten stehen fest. Köln ist der Standort und Leipzig war der Standort.

Und natürlich hat jeder Standort Vor- und Nachteile! Fakt ist aber, dass Köln einen besonderen Charme hat, der das wahre Highlight darstellt: Köln bietet für jeden etwas und nicht nur für bestimmte Zielgruppen.

Egal ob Business-Menschen, Developer, Nerds, Modder, eSportler, Wissenschaftler, Lehrer, Fans, einfache Besucher oder nur Begleiter, für jeden ist etwas dabei. Man möge bitte einmal darüber nachdenken, welche andere Branchenveranstaltung eine solche Varietät ausweist, welche andere Messe die Breite auf hohen Niveau in nahezu allen Bereichen bedient? Eine CeBit läuft seit Jahren einem solchen gesellschaftlichen Event hinterher und über andere Veranstaltungen braucht man gar nicht nachdenken.

Gamescom-Bilanz 2016: Alljährliche Weltmeisterschaft der digitalen Spiele

Über 300.000 Menschen nehmen an diesem Eventpluralismus teil. Das ist aus meiner Sicht beeindruckend. Natürlich sind es keine olympischen Spiele, aber die Gamescom (und die Events rund um die Gamescom) ist zumindest die alljährliche Weltmeisterschaft der digitalen Spiele – ein friedvolles, buntes, kulturell breites und vor allem fröhliches Fest.

Das ist das wahre Highlight. Und ähnlich dem Sport gilt auch, dass nicht jedes Jahr Weltrekorde verzeichnet werden müssen, um beeindruckend zu sein. In diesem Sinne: Wir sehen uns dann alle hoffentlich 2017.

Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow
Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow

Über den Autor: Professor Dr. Jörg Müller-Lietzkow lehrt und forscht an der Universität Paderborn. Seine Schwerpunkte sind unter anderem Netz- und Digitalpolitik, Startups, Computer-Spiele und Serious Games. Zuletzt veröffentlichte er eine Studie zum Games-Standort Köln.

GamesWirtschaft-Kolumnen spiegeln stets die Meinungen und Einschätzungen der Autoren wider und entsprechen nicht zwingend der Meinung der Redaktion.

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