Start Marketing & PR Werbe-Millionen für Download-Portale: Die Reaktion der Branche

Werbe-Millionen für Download-Portale: Die Reaktion der Branche

BIU, Upjers und InnoGames reagieren auf den Vorwurf, Online-Games-Werbung würde illegale Download-Portale (mit-)finanzieren.
BIU, Upjers und InnoGames reagieren auf den Vorwurf, Online-Games-Werbung würde illegale Download-Portale (mit-)finanzieren.

Deutsche Onlinegames-Riesen finanzieren indirekt illegale Download-Portale durch Werbung – sagt Piraterie-Experte Volker Rieck. Darauf antworten nun der Branchenverband BIU sowie InnoGames und Upjers.

Eines hat sich bei den Recherchen und Anfragen von GamesWirtschaft schnell gezeigt: Das Thema „Online-Games-Werbung auf Download-Portalen“ beschäftigt die deutsche Gamesbranche. Von keiner Seite war zu hören, dass die Analyse von FDS-Geschäftsführer Volker Rieck aus der Luft gegriffen sei.

Nur über die Lehren daraus, darüber gibt es naturgemäß unterschiedliche Ansichten.

Riecks konkreter Vorwurf, den er Ende März in Blogs und Gastbeiträgen begründet hat: Die Werbe-Millionen führender deutscher Games-Anbieter finanzieren indirekt den Betrieb mindestens dubioser, wenn nicht schlichtweg illegaler Download-Portale, auf denen komplette Serien und Kinofilme per Mausklick bereitstehen. Konkret gäbe es „kaum ein illegales Filmportal“, auf denen nicht auch Anzeigen großer deutscher Free2play-Anbieter zu finden wären.

Die Auswertung von Volker Rieck belegt die Fälle von flächendeckenden Games-Werbeeinblendungen für Browsergames und Online-Rollenspiele unter anderem am Beispiel des Karlsruher Unternehmens Gameforge.

Sein Fazit: Sowohl die Unternehmen als auch die Verbände würden das Treiben nicht nur tolerieren, sondern obendrein nichts dagegen unternehmen.

Indirekte Finanzierung illegaler Download-Portale: Das sagen InnoGames und Upjers

Dieser Auffassung widersprechen nun einige der von Rieck aufgelisteten Unternehmen, darunter das Bamberger Unternehmen Upjers. „Wir können an dieser Stelle nur für unser Marketing sprechen. Bereits seit Jahren tun wir alles, damit solche Anzeigen verhindert werden. Es ist gängige Praxis bei uns, solche Werbeplatzierungen in den Verträgen mit den Agenturen auszuschließen. Wir machen das grundsätzlich auf diese Weise und haben die Erfahrung gemacht, dass es eine bewährte Methode ist“, heißt es seitens des fränkischen Studios.

Was können Anbieter nun unternehmen, um die Ausspielung von Marketing-Kampagnen auf Download-Portalen zu unterbinden? InnoGames, einer der größten und erfolgreichsten deutschen Games-Entwickler, schreibt hierzu: „Wir bei InnoGames prüfen ständig, mit welchen Affiliate-Netzwerken wir zusammenarbeiten. Dabei spielt neben den Kriterien Reichweite und Kosten natürlich auch die eigentlichen Affiliates und das Werbeumfeld eine entscheidende Rolle.

Wegen der Vielzahl an Anbietern und der hohen Dynamik in diesem Umfeld ist es uns jedoch leider nicht immer möglich, Platzierungen, die unseren Vorstellungen nicht genügen, zu 100 Prozent auszuschließen – auch wenn das unser Anspruch ist und wir die Bewerbung unserer Produkte und unseres Unternehmens auf Seiten mit illegalen oder anstößigen Inhalten in den Bedingungen unseres Affiliate-Programms ausschließen. Daher pflegen wir zusätzlich einen sehr engen Kontakt mit unseren Partnern und optimieren unsere Kampagnen ständig unter den genannten Gesichtspunkten.“

Upjers: „Unter illegalen Portalen leidet auch die deutsche Games-Branche“

Ähnlich die Vorgehensweise von Upjers: „Zunächst wählen wir unsere Werbeagenturen sehr gewissenhaft aus. Dann werden die Agenturen vorab mittels Vertragsstrafe-bewehrter Vereinbarung nebst Blacklist verpflichtet, die Platzierung von Werbematerial auf unerwünschten Webseiten zu unterlassen. Zu diesen Seiten gehören selbstverständlich diese illegalen Portale.

Trotzdem kann es zu Ausreißern kommen, wenn Agenturen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen eigenmächtig Werbematerial auf illegalen Seiten platzieren. Wenn wir von einem solchen Fall erfahren, dann überprüfen wir alle laufenden Kampagnen, schreiben sämtliche Agenturen an und fordern zur Beseitigung der entsprechenden Platzierung auf. Wir verfahren seit Jahren so und haben damit sehr gute Ergebnisse erzielt.“

Upjers weist darauf hin, dass umgekehrt die gesamte hiesige Games-Branche unter den illegalen Online-Portalen leiden würde, etwa wenn dort Hacks oder Bots angeboten werden, mit denen sich Spieler Premium-Währung „ergaunern“ können. „Wir haben also – genau wie alle anderen Firmen – ein großes Interesse daran, solche illegalen Portale nicht zu unterstützen“, so Upjers.

Branchenverband BIU: „Kartellamt untersagt ‚Blacklist‘ rechtswidriger Websites.“

Hier kommt der Branchenverband BIU ins Spiel, der die Interessen von Entwicklern und Publishern wie InnoGames, Gamigo oder Travian Games bündelt.

Mehrere der angefragten Unternehmen haben statt einer eigenen Antwort auf die gemeinsame Position des Branchenverbands BIU verwiesen. GamesWirtschaft dokumentiert das vollständige Statement des Berliner Verbands im Wortlaut:

„Der BIU – Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware engagiert sich seit seiner Gründung für den Schutz geistigen Eigentums. Der Verband selbst und seine Mitgliedsunternehmen sind aktive Mitglieder der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzung (GVU), unter anderem im Vorstand.

Ein weiteres Beispiel für unser unmittelbares Engagement im Bereich der Bekämpfung von Urheberrechtsverletzungen ist die Kooperation mit dem Zentralverband der Werbewirtschaft (ZAW), der Deutschen Fußball Liga (DFL) und vielen weiteren Verbänden der Medienwirtschaft. Ziel der Zusammenarbeit war es, gemeinsam eine unverbindliche Liste strukturell rechtswidriger Websites aufzubauen. Leider wurde diese konkrete Initiative vom Kartellamt untersagt.

Dennoch engagieren wir uns weiter stark. So steht das Thema regelmäßig auf der Tagesordnung von BIU-Arbeitsgruppen, um den aktuellen Stand zu analysieren und den Austausch zu Lösungen voranzubringen. Darüber hinaus bringen sich der BIU, seine Mitglieder und der europäische Dachverband ISFE aktiv in die EU-Gespräche zum ‚Follow-the-money-approach‘ ein, der eine Selbstverpflichtung der Werbetreibenden vorsieht. Als Branche, die stark von Urheberrechtsverletzungen betroffen ist, werden wir auch weiterhin konsequent gegen diese vorgehen.

Unternehmen der Games-Branche arbeiten darüber hinaus mit sogenannten Blacklists, die bekannte, potenziell urheberrechtsverletzende Websites enthalten. Sie dienen dazu, Dienstleistern die Schaltung von Werbung auf den entsprechenden Seiten vertraglich zu untersagen. Dennoch platzieren Affiliate-Netzwerke, die auch von vielen Games-Unternehmen zur Werbeschaltung genutzt werden, in Einzelfällen Anzeigen auf solchen Seiten.

Nach Kenntnisnahme entsprechender Einzelfälle handeln die betroffenen Unternehmen unverzüglich und lassen ihre Werbung entfernen. Insgesamt stellt sich die Sinnfrage bei der Schaltung von Werbung auf potenziell urheberrechtsverletzende Websites, da deren Besucher in der Regel auf der Suche nach ausschließlich kostenfreien Inhalten sind und daher als Werbezielgruppe in großem Maße uninteressant sind.“

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