Start Politik Ausbildungsabgabe in Berlin: Softgames erwartet „nächstes Bürokratiemonster“

Ausbildungsabgabe in Berlin: Softgames erwartet „nächstes Bürokratiemonster“

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Softgames-Co-Gründer und CEO Alexander Krug
Softgames-Co-Gründer und CEO Alexander Krug

Die Ausbildungsabgabe in Berlin kommt – und sie trifft Arbeitgeber wie Softgames, die auf ‚100 % Home-Office‘ setzen.

„Next Generation Instant Games“ sind seit 20 Jahren das Geschäftsmodell der Softgames Mobile Entertainment Services GmbH in Berlin. Die Gründer Alexander und André Krug bauen mit ihrem Team zugängliche HTML-Casualgames wie Solitaire Home Story oder Puzzle Blocks Classic, die auf Facebook, Google Play & Co. ein Millionen-Publikum erreichen.

Das Unternehmen fährt seit vielen Jahren einen ‚Remote First‘-Ansatz: Zwar betreibt Softgames ein Büro unweit des Alexanderplatzes – doch die Angestellten in Berlin arbeiten zu 100 Prozent im Home-Office.

Doch mit 50 Beschäftigten am Stammsitz fällt das Unternehmen in eine Größenordnung, die ab 2028 nur zwei Optionen lässt: entweder mindestens zwei, eher drei Plätze für Azubis schaffen, um die Azubi-Quote von 4,6 % zu erreichen – oder aber eine ‚Ausbildungsabgabe‘ in noch festzulegender Höhe entrichten, die wiederum Ausbildungsplätze in anderen Betrieben ermöglichen soll (Details).

So lautet im Kern der Beschluss, den das Berliner Abgeordnetenhaus gegen massive Widerstände aus Handel, Handwerk, Mittelstand und Industrie mit großer Mehrheit verabschiedet hat. Bis zu 75 Mio. € will die Hauptstadt auf diese Weise umverteilen.

Ausbildungsabgabe in Berlin: Softgames erwartet „nächstes Bürokratiemonster“

Softgames-Chef Alexander Krug macht keinen Hehl daraus, dass er gehofft hatte, dass das Instrument doch noch gestoppt wird: „Die Umlage stellt Berliner Unternehmen schlechter – sowohl gegenüber anderen Bundesländern als auch im internationalen Wettbewerb. Es ist eine Sonderbelastung ‚Made in Berlin‘, für die uns die erkennbare Notwendigkeit fehlt.“

Insbesondere bezweifelt der Games-Unternehmer, dass die Umlage die gewünschte Wirkung entfaltet – nämlich eine höhere Azubi-Quote zu erreichen: „Ein Blick auf die Schwerbehinderten-Ausgleichsabgabe zeigt das Scheitern solcher Instrumente: Trotz jahrelanger Erhebung erfüllt laut Statistik rund ein Viertel der betroffenen Unternehmen die Quote überhaupt nicht. Die Abgabe wird dort zur reinen ‚Strafsteuer‘ ohne integrativen Effekt. Wir befürchten, dass die Ausbildungsumlage zum nächsten Bürokratiemonster wird, das Geld umverteilt, aber keine neuen Fachkräfte schafft.“

Was Krug besonders ärgert: dass die Politik die Arbeitsrealitäten völlig ausblendet – Stichwort ‚100 % Home-Office‘. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung sei unter diesen Bedingungen kaum darstellbar – „kein Mitarbeiter mit Ausbilderschein wird Azubis in die private Wohnung einladen. Hier versagt die Politik dabei, moderne Unternehmensstrukturen mitzudenken.“

An gutem Willen mangelt es nicht: „Wir haben vor Corona ausgebildet, den Versuch jedoch abgebrochen“, räumt Alexander Krug ein. „Die Schere zwischen den Anforderungen im Betrieb und der tatsächlichen Ausbildungsreife der Bewerber klafft leider zu weit auseinander. Eine Umlage löst dieses qualitative Problem nicht; sie bestraft lediglich die Betriebe für ein staatliches Bildungsdefizit.“

Sein Fazit: Die Umlage sei „eine reine Zusatzbelastung ohne Lenkungswirkung“ – die den Strukturwandel der Arbeitswelt ignoriert und den Standort Berlin schwächt.

Auch andere Studios, Publisher und Dienstleister in Berlin reagieren mit Unverständnis und Verärgerung auf das Abgeordnetenhaus-Votum, weil sie sich ’nicht gesehen‘ fühlen. Der Digitalverband Bitkom hat den „Umverteilungsmechanismus“ mit scharfen Worten kritisiert: Dem Wirtschafts- und Startup-Standort Berlin werde ein Bärendienst erwiesen. Der Branchenverband Game wollte sich auf Anfrage nicht zur Ausbildungsabgabe äußern.