Start Politik AfD Hessen: „Andere Bundesländer sind attraktiver für Games-Studios“

AfD Hessen: „Andere Bundesländer sind attraktiver für Games-Studios“

Der promovierte Zahnarzt Rainer Rahn ist Spitzenkandidat der AfD Hessen für die Landtagswahl am 28.10. (Foto: AfD Hessen)
Der promovierte Zahnarzt Rainer Rahn ist Spitzenkandidat der AfD Hessen für die Landtagswahl am 28.10. (Foto: AfD Hessen)

Bleibt es bei den Prognosen, dann stellt die AfD Hessen mindestens 15 der über 100 Abgeordneten im Landtag. Welche Ideen hat die Partei für die hessische Games-Branche?

Dass der hessische Landesverband der Alternative für Deutschland demnächst eine Fraktion im Wiesbadener Landtag stellt, gilt als sicher. Mitte September besichtigten die AfD-Listenplatz-Kandidaten deshalb schon mal vorab den Landtag, „um sich einen eigenen Eindruck von ihrem zukünftigen Arbeitsplatz und den Redebeiträgen der Parlamentskollegen der anderen Fraktionen zu verschaffen.“

Ziemlich unwahrscheinlich ist hingegen, dass die AfD inklusive ihrem Spitzenkandidaten Rainer Rahn der künftigen Regierungskoalition in Hessen angehört – das haben die politischen Mitbewerber kategorisch ausgeschlossen.

Das AfD-Landtagswahlprogramm („Hessen. Aber sicher!“) ist geprägt von den klassischen AfD-Themen: Asyl, Zuwanderung, Flüchtlinge – entlang dieses Themas werden alle anderen Politikfelder abgeleitet, von der inneren Sicherheit über die Bildung bis hin zu Familie und Rente.

Während der bayerische AfD-Landesverband bislang kein eigenes Konzept für die Games-Branche entwickelt hat, gibt es bei den Parteifreunden in Hessen bereits recht konkrete Überlegungen und Vorschläge. GamesWirtschaft dokumentiert die Auskünfte im Wortlaut.

AfD Hessen: „Andere Bundesländer haben den Games-Entwicklern mehr zu bieten“

Wie beurteilen Sie die derzeitige Position Hessens als Standort für Entwickler von Computerspielen und Mobilegames?

Hessen ist Schaffensort von drei namhaften Entwicklern, darunter die wohl bekannteste hessische Entwicklerfirma Crytek („Crysis“-Trilogie, „Far Cry“), dem Entwicklerstudio Deck 13 („Venetica“) und Limbic Entertainment („Tropico 6“, „Might & Magic“).

Ansonsten sieht die Situation in Hessen etwas mau aus. Sicherlich gibt es hier auch kleinere Entwickler, aber große Studios, welche dadurch einen Synergieeffekt für die Ansiedlung kleinerer Entwickler mit sich bringen könnten, sind hier leider nicht in der Fülle vorhanden, wie es für Hessen und speziell das Rhein-Main-Gebiet angemessen wäre.

Hier besteht Ausbaubedarf. Dennoch reguliert sich der Markt zumeist selbst, sodass wir mit einer Attraktivitätssteigerung nicht unbedingt eine größere Ansiedlung von Entwicklerstudios erzwingen könnten. Entwicklungsstandorte wie Berlin und Hamburg haben eine lange Historie und eine gewisse Attraktivität durch die bereits bestehenden Medien- und Entwicklerstudios.

Durch welche ganz konkreten Maßnahmen will Ihre Partei den Games-Standort Hessen stärken und ausbauen?

Um kleinere Entwickler hier ansiedeln zu können, werden wir in der neuen Landtagsfraktion ein Konzept ausarbeiten, welche Fördermöglichkeiten hier in Hessen zusätzlich schaffbar sind, sodass ein Vorteil am Standort Hessen überhaupt entstehen kann.

Andere Bundesländer wie zum Beispiel Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen haben in diesem Bereich durchaus mehr zu bieten und sind für Entwickler momentan durchaus lukrativer als der Standort Hessen.

Wie will Ihre Partei die Rahmenbedingungen für Startups und Gründer verbessern?

Eine vermehrte Konzentration auf neue Ideen, neue Impulse und somit eine Weiterentwicklung der hessischen Wirtschaft, ist für unser Land existenziell.

Gerade für den nördlichen Raum Hessens, der aufgrund seiner ländlichen Prägung und einer sehr starken Universität in Kassel, erhebliches Potential für Forschung und Entwicklung bietet, ist politische Unterstützung für neue und moderne Techniken, sehr wichtig.

Digitalisierung und Standardisierung bieten Chancen und Risiken. Beide Bereiche schaffen eine Unabhängigkeit vom jeweiligen Standort und können so Verlagerungen in strukturschwächere Regionen ermöglichen, sie verlangen aber auch einen hohen Grad an Kenntnissen der Beschäftigten und somit ein Bildungsniveau, welches Forschung und Entwicklung erst ermöglicht.

Somit sind Startups zu fördern und Rahmenbedingungen zu setzen, die bereits mit einer Bildungsoffensive beginnen. Eine mit hohen Risiken behaftete Unternehmenskultur, ist in Deutschland wenig zu erkennen. Gerade junge Menschen können sich aber nur über eine hohe Akzeptanz der Bevölkerung und Unterstützung von Universitäten auf neue und innovative Ideen einlassen.

Gründerinitiativen bieten hervorragende Ausgangspunkte in einer wichtigen Vernetzung der jeweiligen Unternehmensgründer und Finanziers, die immer an Zukunftsprojekten interessiert sind. Die Aufgabe des Staates ist es, die entsprechende Infrastruktur zu bieten und von behördlicher Seite jungen Unternehmen nicht mit einer immer mehr ausufernden Bürokratie Steine in den Weg zu legen.

Hessen kann und soll hier Vorreiter sein, damit Unternehmen mit neuen Technologien Arbeitsplätze schaffen.

Zugleich ist es eine Chance auf ein höheres Lohnniveau und einer positiven Entwicklung, die jungen Menschen wieder Perspektiven gibt und sie kreativ und innovativ sein lässt, um so die Gesellschaft der Zukunft maßgeblich zu prägen.

Wie ist die Position Ihrer Partei mit Blick auf die Weiterentwicklung des digitalen Sports (eSport) in Hessen?

eSport sollte auch in Hessen als eine „richtige“ Sportart anerkannt und ähnlich ernstgenommen werden, wie zum Beispiel Tennis oder Fußball. Sicherlich liegt die Kontroverse beim eSport darin, dass im körperlichen Sinne meistens kein „klassischer“ Sport betrieben wird, doch Denksportarten wie zum Beispiel Schach sind auch weltweit als Sportart anerkannt. Man betreibt mindestens genauso viel Sport, nur auf einer geistigen Ebene. Denksport eben.

Ebenso ist es ein bekanntes Phänomen, dass Spieler von MOBAs („Dota 2“, „League of Legends“, „WoW-Arena“ etc.) und Echtzeitstrategie-Games („StarCraft“, „Command & Conquer“ etc.) häufig ein höheres Maß an Reaktionsfähigkeit und Denkfähigkeit besitzen beziehungsweise dieses durch solche Spiele schulen und weiter ausprägen. Auch die Visuomotorik wird dadurch, besonders im Sinne der Feinmotorik, geschult.

Natürlich sollte man nie zu viel Zeit vor dem PC oder der Konsole verbringen, auch als eSportler nicht, da bspw. die Augen durch die Nähe zum Bildschirm auf Dauer in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Warum wird das Thema Games im Wahlprogramm der AfD Hessen komplett ausgeklammert?

Sicherlich ist es ein wichtiges Anliegen für uns als Partei, möglichst viele Felder des alltäglichen Lebens zu begutachten und zu erörtern, inwiefern politisch gesehen Handlungsbedarf besteht.

Unsere Partei hat sich vor fünf Jahren mit dem Ziel gegründet, vorerst alle wirklich wichtigen Probleme Deutschlands, in unserem Fall auch Hessen zu beseitigen, welche durch die etablierten Parteien unserer Meinung nach ignoriert wurden und werden. Diese Probleme liegen vornehmlich im einwanderungs-, sozial-, und gesellschaftspolitischen Bereich.

Staatliche Förderung von Entwicklerstudios und eSport sind eine schöne Sache, sind aber auf unserer Prioritätenliste leider ein wenig weiter hinten. Wir sind der Meinung, ein Staat sollte nicht überregulieren, sondern erst einmal seine Kernaufgaben, wie zum Beispiel die Sicherstellung von Sicherheit, Schaffung von digitaler und regulärer Infrastruktur und die Sicherung des Wohlstandes der Bürger wieder wahrnehmen. Erst dann sollte man sich anderen Aufgaben zuwenden.

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