Start Meinung PS5 Vorbestell-Irrsinn: Fairness derzeit nicht verfügbar (Fröhlich am Freitag)

PS5 Vorbestell-Irrsinn: Fairness derzeit nicht verfügbar (Fröhlich am Freitag)

Amazon, Otto, MediaMarkt, Müller: Die PlayStation 5 ist in faktisch allen Online-Shops ausverkauft (Screenshots)
Amazon, Otto, MediaMarkt, Müller: Die PlayStation 5 ist in faktisch allen Online-Shops ausverkauft (Screenshots)

Statt eines gesitteten PlayStation-5-Vorverkaufs herrscht Wilder Westen im deutschen Einzelhandel – es gilt das Gesetz des Schnelleren.

Verehrte GamesWirtschaft-Leser,

wer als PlayStation 5-Interessent der festen Sony-Zusicherung vertraut hatte, der Konsolen-Vorverkauf würde mit hinreichend Vorlauf und erst nach entsprechender Vorwarnung starten, musste sich am gestrigen Donnerstagvormittag fühlen wie ein Drogeriemarkt-Kunde im März beim Anblick leergeräumter Klopapier-Regale.

Amazon? Ausverkauft. MediaMarkt / Saturn? Ausverkauft. Euronics, Expert, Müller, GameStop, Otto? Sie ahnen es.

Aus dem Nichts war in der Nacht zum Donnerstag plötzlich die PS5 samt Zubehör vorbestellbar, weil einige Händler spontan ihre Produktseiten freigeschaltet hatten und das Kontingent abverkauften. Die frohe Botschaft verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Mitbewerber mussten notgedrungen nachziehen – ein absurder „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“-Schabowski-Gedächtnis-Moment.

Fans, die um Mitternacht im Anschluss an die neueste PlayStation-5-Trailer-Parade noch vor dem Rechner saßen, konnten ihr Glück kaum fassen. Deshalb wurden die Geräte vielfach auch in Mengen geordert, die nicht mehr zwingend das Kriterium ‚haushaltsüblich‘ erfüllen.

In den frühen Morgenstunden war die Party vorbei. Ob und wann Ware nachkommt, wie viel, wo zuerst: Man weiß es nicht. Kann sein, vielleicht, mal sehen.

Fröhlich am Freitag - die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft
Fröhlich am Freitag – die wöchentliche Kolumne bei GamesWirtschaft

Bis zur Auslieferung der PlayStation 5 vergehen noch acht lange Wochen. Und deshalb werden auch in den kommenden Tagen verzweifelte Menschen vor dem Home-Office-Laptop sitzen, regelmäßig zum Nachladen der per Tab gespeicherten Händler-Websites auf die F5-Taste hämmern und darauf hoffen, dass nicht zum tausendsten Mal dieser elendige „Derzeit nicht verfügbar“-Hinweis aufleuchtet.

Wer jemals versucht hat, Tickets für ein begehrtes Sport-Event oder Konzert (also damals, als es noch welche gab) zu erwerben, kennt dieses winzige Zeitfenster zwischen Himmelhochjauchzen und schlimmem Frust. Dieses Gefühl, wenn man es nach unzähligen Versuchen geschafft hat, überhaupt die Shop-Seite aufzurufen, Kategorie und Plätze auszuwählen, die Kreditkarten-Daten abzutippen, die Zustell-Adresse einzugeben, den Warenkorb zu prüfen – und dann nach dem Klick auf „Verbindlich bestellen“ der Online-Shop abraucht.

„Etwas ist schiefgegangen – bitte versuchen Sie es später noch mal.“

Und man fragt sich schon, ob dieser entwürdigende Frühbucher-, Vorbestell- und Vorverkauf-Irrsinn nicht besser ginge – einfacher, gerechter, transparenter, stressfreier. Indem man zumindest für ein Teil-Kontingent sagt: Wir sammeln jetzt mal zwei Tage oder zwei Wochen lang verbindliche Vorbestellungen, kleine Anzahlung, jeder Haushalt maximal ein Gerät – und im Anschluss wird stumpf zugelost. Jeder bekommt eine faire Chance.

Das praktizierte Windhund-Prinzip – first come, first serve – befördert hingegen vor allem eines: Schwarzmarkt-Handel und Spekulations-Gewinne. Seit gestern lassen sich die Auswüchse besichtigen: Für 499 Euro bei Saturn gekauft – zehn Minuten später bei Ebay für 699 Euro aufwärts vertickt, inklusive Beweis-Foto vom Kassenbeleg.

Am kommenden Dienstag wird sich das Schauspiel im Grundsatz wiederholen, denn ab Punkt 9 Uhr morgens lässt sich Microsofts Xbox Series X vorbestellen – soweit zumindest die Theorie.

Und am Montag übernächster Woche dürfen dann ab Mitternacht die Antragsteller der Games-Förderung ihr Glück mit dem amtlichen Online-System versuchen – denn auch hier gilt: Der nächste freie Platz ist für Sie.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft


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2 Kommentare

  1. Danke für den interessanten Artikel!
    Ich frage mich ja, wen man am ehesten dafür verantwortlich machen kann, den Hersteller oder die Händler?
    Wenn die Kontingente erst einmal verteilt und die Preise bekannt gegeben wurden, hat der Hersteller dann überhaupt noch einen so großen Einfluss darauf, wann der Vorverkauf startet?

    Außerdem frage ich mich, wenn die Konsole so extrem schnell ausverkauft war, OBWOHL der Vorverkauf völlig unangekündigt mitten in der Nacht startete, was wäre dann wohl passiert wenn Sony das Ganze im Voraus minutiös Angekündigt hätte?

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