Start Marketing & PR LuckyV-Macher Dennis Werth: „GTA Online in GTA 6? Kann es kaum erwarten.“

LuckyV-Macher Dennis Werth: „GTA Online in GTA 6? Kann es kaum erwarten.“

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Content Creator Dennis Werth betreibt mit LuckyV eine riesige GTA-Roleplay-Welt auf Basis von GTA Online.
Content Creator Dennis Werth betreibt mit LuckyV eine riesige GTA-Roleplay-Welt auf Basis von GTA Online.

Er ist der Rockstar unter den GTA Roleplay-Betreibern in der DACH-Region: Dennis Werth betreibt mit LuckyV ein Spiel im Spiel. Ändert GTA 6 die Spielregeln?

Weit über 200 Millionen Einheiten hat Rockstar Games seit 2013 abgesetzt – und noch immer ist Grand Theft Auto 5 eine der maßgeblichen Umsatz-Säulen in der Take-Two-Bilanz. Serienmäßig verbaut ist Grand Theft Auto Online: Die Multiplayer-Spielwelt wird mit einer regelrechten Kaskade an Erweiterungen und Inhalten versorgt.

Just dieses Online-Universum ist auch der technische Unterbau von GTA Roleplay: Auf dedizierten Servern mit eigenen Regeln und Wirtschaftssystemen schlüpfen die handverlesenen Spieler in eine Rolle, die sie mit Leben und Dialogen füllen – etwa als Taxifahrer oder Sanitäter oder Autohändler oder Streifenpolizist. Die Communities sind so stark gewachsen, dass Rockstar vor drei Jahren die wichtigste Modding-Plattform FiveM übernommen hat.

Zu den Marktführern im deutschsprachigen Raum zählt LuckyV, betrieben von Dennis Werth alias Heideltraut. Der Content Creator steht unterjährig bei der Agentur 1Up Management unter Vertrag und hat den Aufstieg von der Nische zu einem Massenphänomen von Anfang an begleitet. Auf YouTube folgen ihm 482.000 Fans – der Heideltraut-Twitch-Kanal kommt auf 188.000 Follower.

Eine sehr schöne und gut verständliche Beschreibung, wie genau LuckyV funktioniert und welchem Rahmenwerk diese Welt folgt, liefert dieses Video.

Gegenüber GamesWirtschaft erklärt Werth, wie das GTA Roleplay-Business derzeit funktioniert und inwieweit Grand Theft Auto 6 ab November die Spielregeln könnte.

LuckyV-Macher Dennis Werth: “Es ist verrückt, wie groß das alles sein kann.“

GamesWirtschaft: Dennis, es gibt wenige Creator im deutschsprachigen Raum, die den GTA Roleplay-Markt schon so lange und intensiv begleiten und prägen. Für jene, die LuckyV nicht kennen: Was zeichnet das Projekt und die Community aus? Und wie haben sich die Kennzahlen zuletzt entwickelt?

Dennis Werth: Ich komme aus einer Zeit, in der die Anfänge von Grand Theft Auto V und Mods noch relativ stiefmütterlich behandelt wurden. Ich erinnere mich daran, dass wir damals 100 Spieler auf einem Projekt hatten, welches dann immer wieder gecrasht ist. Das Bewegen auf der Karte war praktisch ohne Abstürze gar nicht möglich. Die Technologie, die Clients (FiveM), auf denen die Server wie LuckyV.de laufen, entwickelten sich weiter, so dass ich für mich entschlossen habe, ein eigenes Projekt zu gründen – tatsächlich relativ spontan. Mein Wortlaut in meinem Twitch-Stream war: „Ach, ich mache meinen eigenen Server.“

Inzwischen haben wir 95.000 registrierte Nutzer, tausende Anfragen von Spieler und haben unser eigenes Metaverse basierend auf Grand Theft Auto V aufgebaut. Man muss sich das wirklich so vorstellen, dass du in einer Welt unterwegs bist, die hunderte von Spielern bündelt, die ihre eigene Geschichte erzählen, ihre Charaktere entwickeln und Roleplay spielen – ob Cop, Müllmann, Gangster an der Ecke oder Betreiberin eines Klamottenladens. Es ist alles möglich, und das macht es so besonders.

Wir von LuckyV.de haben uns damals für das Segment „Hardcore-Roleplay“ entschieden und auf Immersion gesetzt. Jede und jeder bleibt in seiner Rolle und muss vorher eine Charakter-Story einreichen. Diese wird händisch abgesegnet, und schon kann man spielen, wenn man die Regeln verstanden hat. Was mich bis heute immer wieder packt: Ich sehe ein Auto durch die Spielwelt fahren, und hinter dem Charakter, der das Auto steuert, sitzt ein Spieler oder eine Spielerin, der beziehungsweise eine eigene Storyline hat. Wurde sie mal überfallen? Hat sie selbst jemanden überfallen? Ist ihr Kleiderschrank voll? Gibt es Romanzen? Es ist verrückt, wie groß das alles sein kann.

Ein Beispiel zur „Hardcore-Roleplay“-Thematik: Du baust einen Unfall? Nicht einfach weiterfahren! Rufe das Medical- und Fire-Department. Ein Abschleppunternehmen kommt vorbei und lädt dein Fahrzeug auf, welches zur Werkstatt gebracht wird. Die Psychologie im Krankenhaus arbeitet mit dir deinen Unfall auf – und vieles mehr. Wir haben uns damals das Ziel gesetzt, alles spielerbetrieben zu gestalten – selbst den Kuchenladen an der Ecke, der virtuellen Cheesecake verkauft, mit Icons und Items, die wir selbst entworfen haben. Es ist ein Spiel im Spiel, aber auf den realistischen Aspekt angesetzt.

Um aber die wichtigste Frage zu beantworten: Was zeichnet unsere Community aus? Wir gehen strikt gegen Rassismus, Homophobie, Ausgrenzung und mehr vor. Unser Regelwerk ist extrem eng geschnürt. Unser Ziel war es immer, eine Plattform so gut wie möglich zu gestalten, die für jeden zugänglich ist. Wie soll jemand GTA-Roleplay spielen, bei dem es zu 99 Prozent um Kommunikation geht, wenn er oder sie stumm ist?

Dazu haben wir uns beziehungsweise mit den Spielern zusammengesetzt und Tools entwickelt, um dennoch spielen zu können. Alle Mitglieder der Community greifen einander unter die Arme. Und darauf bin ich persönlich extrem stolz. Der Zusammenhalt, das Helfen und das Miteinander – egal, woher man kommt und wie man aussieht – ist für mich tatsächlich das beste Feature auf unserem Server.

Benimmt man sich nicht greift das Support-Tool – und Spieler werden entfernt. Die Politik führt aber jeder GTA Roleplay-Server für sich individuell.


„Rockstar Games hat GTA-Roleplay früher stiefmütterlich behandelt.“

Das Geschäftsmodell ruht auf mehreren Säulen. Welche Faktoren sind weniger wichtig geworden, was stagniert, was geht durch die Decke?

Tatsächlich wurde GTA-Roleplay früher seitens Rockstar Games sehr stiefmütterlich behandelt. Vor wenigen Monaten wurde der Client FiveM bzw. Cfx.re erworben. Dies war zunächst ein Fanprojekt, welches es ermöglichte, dass Spieler und Spielerinnen abseits von GTA Online auf einem Server joinen und dort Roleplay betreiben können.

GTA Online gibt diese Funktion bekanntlich nicht her und bietet nur Lobbys für bis zu 32 Spieler:innen an. Bei FiveM sind es inzwischen bis zu 1.024 Player und mehr, die gleichzeitig auf der Map unterwegs sind. Das ist natürlich auch Rockstar Games nicht entgangen – und der Markt ist auf Twitch extrem gewachsen.

Irgendwann kam dann die Plattform Tebex für FiveM dazu, die es ermöglicht, dass Serverbetreiber damit Einnahmen erzielen können – etwa durch Modding-Tools, Mitgliedschaften etc. Rockstar Games beziehungsweise Cfx erhält dann pro Verkauf einen prozentualen Anteil.

Dieser Markt ist so stark gewachsen, dass teilweise Server-Owner eigene reale Unternehmen gegründet haben. Im Tebex-Store, der an FiveM angeschlossen ist, werden auf anderen Projekten virtuelle Autos, Fahrzeugschlüssel, Wohnungen und mehr verkauft – für Echtgeld.

Und das geht extrem durch die Decke. FOMO greift hier ein (Fear of Missing Out = die Angst, etwas zu verpassen, Anm. d. Red.). Der Faktor, dass man auch das coole Auto haben möchte, ist dann gegeben.

Andersrum geht dies aber natürlich auch. Modder, die ein cooles Gebäude, Autos, Frisuren, Klamotten etc. kreieren, bieten dieses auf einem Marktplatz an, welches dann über den Tebex-Store von den Server-Ownern für ihr Projekt gekauft werden kann. Das machen wir unter anderem, da wir die Modding-Community unterstützen möchten.

Wir haben uns aber beispielsweise bewusst dagegen entschieden und bieten unser Projekt komplett kostenlos an, weil wir an die Philosophie glauben: Von Spielern – für Spieler. Ich möchte kein Geschäftsmodell entwickeln, sondern einfach maximal „abnerden“, wenn ich coole Stories erlebe. Ich persönlich habe das große Privileg, durch meinen Stream genügend Einnahmen zu erzielen, um ein solches Projekt zu stemmen. Wir tragen somit als Community den Server im Kollektiv.

Auch wenn ein Server natürlich Einiges an Kosten verursacht, muss man sich die Frage stellen: Wie refinanziere ich dieses „Business“? Als normaler Spieler ist ein Projekt in dieser Größenordnung sehr schwer zu stemmen, wenn man keinen finanziellen oder freiwilligen Support aus der Community erhält – etwa über Patreon oder durch Streams.


„Du kannst das sein, was du möchtest – und das ist eben der Reiz für viele.“

GTA Online gibt es fast so lange, wie es Grand Theft Auto 5 gibt. Welchen Anteil am Erfolg hat der GTA-Roleplay-Markt?

Ich glaube tatsächlich: einen sehr großen. Im japanischen und spanischen Markt ist GTA-Roleplay für viele Zuschauer so etwas wie eine Serie geworden – insbesondere auf Twitch. Was hat Charakter XYZ getan? Wie geht es weiter? Die Zuschauer und Zuschauerinnen möchten das irgendwann selbst erleben und tauchen in diese fiktive Welt ein. Du kannst das sein, was du möchtest – und das ist eben der Reiz für viele. Ein Spiel, welches auf einem Spiel basiert – mit unendlichen kreativen Möglichkeiten.

Betreiber geben ihren Servern zudem eine eigene Identität. Nehmen wir LuckyV als Beispiel: Fast jede Codezeile ist von uns selbst geschrieben. Tausende Stunden Arbeit, eine eigene UI (Benutzeroberfläche, Anm. d. Red.), Website, Spielmechaniken und vieles mehr. Das möchten Spieler ebenfalls ausprobieren.Und kaufen sich eben dafür das Game oder sorgen dafür das die Spielerzahlen von Grand Theft Auto V so stabil bleiben.

GTA Online sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Wie viel Content du mit deinen Freunden inzwischen erleben kannst, ist wirklich der Wahnsinn. Die Spielerzahlen sprechen für sich – und Rockstar Games pflegt den Online-Modus ja stets mit neuen Inhalten.


„Wohin geht die Reise mit Grand Theft Auto 6?“

Dass Take-Two und Rockstar den GTA-Roleplay-Markt sehr ernst nehmen und perspektivisch entwickeln wollen, hat ja die erwähnte Übernahme von FiveM gezeigt. Gehen durch die ‚Professionalisierung‘ auch Risiken und Nebenwirkungen mit Blick auf ‚Regulierung‘ und Monetarisierung einher – oder überwiegen die positiven Aspekte?

Das ist die große Frage, die wir uns alle stellen: Wohin geht die Reise insbesondere mit Grand Theft Auto VI?

Ich hoffe, dass Rockstar Games und Take-Two verstehen, dass Server ihre eigene Identität und Kreativität brauchen. Würde das durch ein Baukastenprinzip ersetzt, könnte das eine riesige kreative Szene einschränken.

Natürlich wollen beide Unternehmen ihren Gewinn steigern, aber ich hoffe, dass die Gestaltungshoheit bei den Server-Betreibern bleibt und diese zusätzliche Tools an die Seite bekommen – von Rockstar Games, für die Community. Dadurch entsteht ein Austausch, Verständnis und die Kreativität wird gefördert.

Ich habe Angst davor, dass man eben diese Schritte nicht gehen mag und eine Plattform entstehen wird, die durch und durch strukturiert wird. Und dann die Monetarisierung seitens Take-Two und Rockstar Games greift. Es ist gerade die Vielzahl an Servern, was es so spannend macht. Da ist für jeden etwas dabei.

Ein Marketplace wäre ein möglicher Kompromiss – aber nur, wenn die Spieler und Spielerinnen davon profitieren. Aktuell gibt es Grauzonen, etwa wenn bestehende Assets monetarisiert werden. Wie bereits beschrieben. Das sehe ich sehr kritisch.


Rockstar Games zählt traditionell zu den verschlossensten Spiele-Studios des Planeten. Wie gut ist der ‚Draht‘ zum Publisher? Gibt es überhaupt einen regelmäßigen Austausch? Und an welchen Stellen würdest du dir mehr Unterstützung und Einbindung wünschen?

Ich kann hier nur für mich sprechen. Seit 2007 bin ich mit einer GTA-Fanseite aktiv. Über die Jahre hatte ich das Glück, einige Mitarbeitende von Rockstar Games kennenzulernen.

Spannend ist die Entwicklung: Das US-FiveM-Projekt ‚NoPixel‘ hat eine Kooperation mit Rockstar angekündigt. Das zeigt eine neue Wertschätzung für Roleplay und Server-Betreiber. Rockstar holt sich gezielt Expertise aus der Community. Das ist ein sehr gutes Zeichen!


GTA Online in GTA 6: „Ich kann es kaum erwarten.“

Nach Lage der Dinge wird Grand Theft Auto 6 noch in diesem Jahr erscheinen. Welche Erwartungen und Hoffnungen verbindest du mit Blick auf den GTA-Roleplay-Markt und auf deine Community?

Endlich eine neue Welt! Ich liebe Los Santos und Blaine County – aber nach über 13 Jahren ist es Zeit für etwas Neues. Ich freue mich auf neue Technik, neue Möglichkeiten und ein neues Kapitel. Rockstar steht für Qualität, und ich denke, wir können uns auf einen der größten Blockbuster der Entertainment-Branche freuen.

Ich bin mir sicher das der Roleplay-Aspekt im künftigen GTA Online 2 – oder wie auch immer dieser heißen mag – eine wichtige Rolle spielen wird. Aber es ist schwer abschätzbar.

Immerhin gibt es die einen, die auf der Couch ganz bequem die Story des Games zocken wollen und dann nach dem Feierabend mit ihren Freunden eine Runde GTA Online spielen und die jenigen die Roleplay spielen. Letzteres kann unfassbar viel Zeit fressen da man in der Welt immer wieder Dinge zutun hat und das bindet. Daher gehe ich davon aus, dass es ein Mittelding aus beidem wird. Ein paar Mechaniken aus der Roleplay-Welt für alle – und Roleplay exlusiv für den PC, getrennt vom Casual-Gameplay aus GTA Online.

Langfristig wird vermutlich die PC-Version der Einstieg in neue Roleplay-Welten sein. Ich kann es kaum erwarten.


Dein Tipp: Wird der 19. November 2026 gehalten?

Definitiv! Wehe, wenn nicht, Rockstar!

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