
In der VOX-Show Die Höhle der Löwen wurden die Berliner Entwickler von Drum Revolution von den Investoren förmlich zerfleischt.
Carsten Maschmeyer hat’s ausgerechnet: Hätte der Deal wie geplant geklappt – die Berliner GroovIT GmbH wäre auf einen Schlag 1.875.000 € wert. Denn für ein Investment von 150.000 € wollte Startup-Gründer Andreas Schneid 8 Prozent seiner Firmen-Anteile abgeben.
Doch der Pitch in der Ostermontag-Folge des VOX-Formats Die Höhle der Löwen (DHDL) ist gänzlich anders verlaufen als erhofft: Der Games-Unternehmer, Musiker und Schlagzeug-Lehrer musste außergewöhnlich harte, verbale Backpfeifen einstecken für Drum Revolution.
Schneid hat mit seinem Team (darunter Game-Designerin Myriel Balzer) ein Jump & Run entwickelt, mit dem sich spielerisch das Schlagzeug-Spielen erlernen lassen soll. Dazu wird ein vorhandenes oder noch zu erwerbendes elektronisches Drumkit oder Drum-Pad per USB-Kabel an PC oder Mac angeschlossen: Sobald die Drumsticks die farbig markierten Trommeln oder Becken berühren, hüpft die Spielfigur Orb beispielsweise auf eine höhere Plattform – mehr als 60 Levels enthält die Vollversion.
Das Konzept erinnert zwangsläufig an Klassiker wie Guitar Hero oder das Harmonix-System Rock Band. Die einst extrem populären Party-Spiele schulen zwar Rhythmus-Gefühl, Motorik und Koordination, verfolgen darüber hinaus aber kein pädagogisches Ziel – anders als Drum Revolution, das im Online-Shop für 39 € verkauft wird. Die Early-Access-Version bei Steam kostet 40,99 €. Das letzte Update vor mehr als 13 Monaten erfolgt; Nutzer-Rezensionen liegen nicht vor.
Drum Revolution in Die Höhle der Löwen: Brutale Kritik an Gründer und Förderung
Für Kritik seitens der Investoren sorgte insbesondere die immens hohe Millionen-Bewertung – schließlich konnte Schneid zum Zeitpunkt der Aufzeichnung gerade 40 verkaufte Games und einen Umsatz von 1.100 € vorweisen. Der Gründer argumentierte auf Nachfrage mit den Entwicklungskosten von 400.000 €, die in Drum Revolution geflossen seien.
Entsprechend gnadenlos fiel die Resonanz aus: Ralf Dümmel sprach von einer „Frechheit“, Judith Williams hielt die Firma für „uninvestierbar“ und Janna Ensthaler sprach von einem „Realitätsverlust“ und prognostizierte: „Es wird auf gar keinen Fall was.“
Regelrechte Empörung löste Schneids Hinweis aus, dass für Drum Revolution staatliche Fördergelder geflossen seien. Die genaue Höhe kam in der Sendung nicht zur Sprache; aus amtlichen Datenbanken geht jedoch hervor, dass der Bund bereits 2022 exakt 99.307 € zugesagt hat. Im September 2023 legte das Medienboard Berlin-Brandenburg noch einmal 96.000 € drauf.
Ensthaler, die einen eigenen Risikokapitalfonds betreibt, ging regelrecht aus dem Sattel: „Da blutet mir echt immer das Herz als privater Investor. Die öffentlichen Fördertöpfe sind manchmal so blind … es ist unser Steuergeld, das wird in Sachen gesteckt, wo das wirklich nie wieder zurückkommen kann. An alle öffentlichen Fördertöpfe-Leute: Hört auf mit dem Scheiß! Wir brauchen das Geld für viel wichtigere Dinge.“
Harte Kritik kam auch von Tech-Investor Frank Thelen, der nach eigener Darstellung schon selbst Games entwickelt hat und einst beim Hamburger Browserspiel-Pionier Northworks (Goal United) investiert war. Thelen pflichtete seiner Mitjurorin bei: „Diese Computerspiele-Förderung war natürlich auch viel in der Presse – da wurden Tetris-Spiele gefördert und irgendein Blödsinn.“
Dem Spiel attestierte Thelen mangelnde Schöpfungshöhe – ein Titel wie Drum Revolution ließe sich heutzutage leicht mit KI-Prompts nachbauen: „Dann habe ich das Spiel mit meinem Team an einem Wochenende fertig.“
Thelens Urteil: „Im Bereich der Programmierung und Software-Entwicklung hast du komplett daneben gegriffen. Dafür 400.000 € auszugeben – das ist einfach wirklich bescheuert.“
Wenngleich sich Andreas Schneid tapfer den harten Anwerfungen stellte: Am Ende musste er das TV-Studio ohne Investor und ohne Deal verlassen.
Computerspiele-Projekte haben in der 12jährigen Historie der VOX-Gründer-Show einen traditionellen schweren Stand – auch wenn es bereits etliche Anläufe gab, die wechselnden Geldgeber zu begeistern. Der spektakulärste Auftritt stammt aus dem Oktober 2023, als alle fünf ‚Löwen‘ erstmals gemeinsam in ein Startup investiert haben. Das Berliner Mobilegames-Studio Zeedz holte einen XXL-Deal bei einer Bewertung von 2,4 Mio. €.
Das an Tamagotchi angelehnte Monster-Sammel-Spiel hat allerdings nur ein Jahr im Appstore überlebt; die GmbH wurde im Mai 2025 liquidiert – die Markenrechte sind mittlerweile veräußert. Und man lehnt sich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man feststellt: Hätte Thelen damals auf dem Podium gesessen, wäre der Zeedz-Deal nie zustande gekommen.
Die Aufzeichnung der gestrigen DHDL-Sendung ist beim Streaming-Dienst RTL+ abrufbar.












