
Einzelhandel und Spiele-Hersteller haben sich auseinander gelebt – wie sehr, das wird sich im Weihnachtsgeschäft 2026 besichtigen lassen.
Verehrte GamesWirtschaft-Leserin,
verehrter GamesWirtschaft-Leser,
in einer Welt voller Krisen und Unwägbarkeiten – KI, Kaltmiete, Klima, Kriege, Kündigungsfristen, Klo-Spülungen im ICE – tut es manchmal ganz gut, wenn man sich zumindest auf einige wenige, einigermaßen kalkulierbare Konstanten verlassen kann.
Wer Wird Millionär am Montagabend zum Beispiel. Die Darts-WM über die Feiertage. Würstchen mit Kartoffelsalat an Heiligabend.
Umso ärgerlicher ist es dann, wenn die kleinen Glücksmomente des Alltags verhagelt werden – durch Mistwetter, Stau, Flugverspätungen, schlecht gebriefte Brief-Zusteller oder einen amtlichen Schnupfen.

Verschnupft sind derzeit auch ganz viele Videospiele-Fans, denen in den vergangenen Tagen auf die eine oder andere Art und Weise übel mitgespielt wurde:
- Wer Anfang September das wunderschöne Nintendo Switch 2-Zelda-Jubiläums-Sondermodell vorbestellt hatte und sich schon auf die versprochene Zustellung zum 29. Oktober freute, bekam mit etwas Pech anstelle der Konsole eine E-Mail, dass sich die Bereitstellung verzögert – und zwar auf irgendwann „kurz vor Weihnachten“. MediaMarkt und Saturn boten proaktiv ein Sorry-Poster und einen Sorry-Gutschein über 25 € an – bei anderen Händlern musste man schon angemessen angesäuert auftreten, um mehr als ein Schulterzucken oder einen KI-Textbaustein rauszuschlagen.
- Seit gestern ist nun auch die Switch 2-Version von The Legend of Zelda: Ocarina of Time auf dem Markt. Die Resonanz: überragend. Weniger überragend ist der Umstand, dass es offenbar von Glück, Zufall und/oder Sternzeichen abhing, ob man als frühzeitiger Vorbesteller der physischen Version ein Exemplar der beworbenen Solange-Vorrat-reicht-Erstauflage mit metallic-lackiertem Folienumschlag erhielt – oder aber die gewöhnliche Feld-Wald-und-Wiesen-Packung.
Was auch immer im Einzel-Fall zum Einzel-Fail geführt hat: Positive Kunden-Erfahrungen sehen anders aus. Die jüngsten Entwicklungen werden jedenfalls nicht dazu beitragen, das ohnehin erodierende Zutrauen in physische Produkte und damit in den Handel zu stärken.
Dabei kann der stationäre Einzelhandel jeden Impuls gebrauchen, der zu höherer Kundenfrequenz in den Läden führt – in Läden, wo die „Games-Abteilung“ nur noch vereinzelt diesem Namen und noch seltener diesem Anspruch gerecht wird.
Wer immer noch die üppigen Auslagen mit aufgetürmten Spiele-Packungen, regalmeterweise Gamepads und Konsolen vor Augen hat, dem sei ein Reality Check in den Einkaufszentren und Fußgängerzonen empfohlen, wo Videospiele abseits ausgewählter Flagship-Stores (ganz frisch: Müller in Wien) massiv an Sichtbarkeit verloren haben – spätestens seit dem GameStop-Aus und der Abwicklung des Saturn-Filialnetzes, das seit Jahresbeginn von 55 auf 5 Standorte dahinschmolz wie Kerzen auf dem Adventskranz.
Es sind die letzten Tiefausläufer einer Entwicklung, die im kommenden Jahr mit der Einstellung der PlayStation-5-Blu-Ray-Disc-Produktion und 2028 mit einer laufwerklosen Spielkonsolen-Generation enden wird, nachdem bereits 99 % des PC-Spiele-Umsatzes ins Netz abgewandert ist.
Dass selbst Nintendo mittelfristig aufs Download- und Direkt-Business setzt, zeigt der weiter steigende Digital-Anteil von über 60 Prozent – und der Umstand, dass selbst in den aktuellen TV-Spots explizit der Nintendo Store beworben wird, wo eine Neuheit wie Nintendo Sports Resort 10 € günstiger zu haben sei als im Laden.
Es spricht viel dafür, dass wir im Weihnachtsgeschäft 2026 das letzte große Aufbäumen des stationären Handels erleben – beginnend mit Grand Theft Auto 6. Aus dem ganzen Bundesgebiet wurden in dieser Woche Sichtungen von Promo-Materialien gemeldet – Displays, Poster, Boxen, Paletten-Aufsteller von Marketing-Partner Sony PlayStation, der sich Zusatz-Einnahmen durch Konsolen-Verkäufe und PlayStation-Store-Provisionen erhofft.
Die Markteinführung am 19. November ist das, was mein BR-Kollege Christian Schiffer vor einem Jahr mal so wunderbar als „Schwarzes Loch der Popkultur“ beschrieben hat – ein Ereignis, das die komplette mediale Aufmerksamkeit aufsaugt. Weil es sich um ein Spiel handelt, wie es nur einmal in zehn Jahren niedergeht.
Um aber ganz sicher zu gehen, dass buchstäblich niemand an Grand Theft Auto 6 vorbei kommt, hat Rockstar Games in allen Weltmetropolen großflächige 2XL-Plakate geklebt – unter anderem in Köln, München, Leipzig und Berlin, wo sich die Fassade des Park-Inn-Hotels am Alexanderplatz in ein GTA 6-Artwork verwandelt hat.
Das ergibt total Sinn: Deutschland ist einer der weltweit größten GTA-Märkte – mit hinreichender Wahrscheinlichkeit wird die 1-Mio-Stück-Marke hierzulande schon in den ersten 24 oder 48 Stunden gerissen.
Doch zur Wahrheit gehört auch, dass das, was im Vorverkauf und ab 19.11. im Laden für unverbindlich empfohlene 79,99 € verkauft wird, lediglich eine ziemlich leere Plastik-Box ist, in der sich weder Datenträger noch Spielweltkarte befinden. Sondern lediglich ein Zettel mit einer Could-have-been-an-email-Seriennummer. Die 100 € teure Ultimate Edition wird vorsichtshalber nur digital angeboten.
Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie sehr sich Games-Industrie und Handel auseinander gelebt haben, dann ist es das angelaufene Weihnachtsgeschäft – schöne Bescherung.
Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen
Petra Fröhlich
Chefredakteurin GamesWirtschaft
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