Der EU-Verbraucherschutz nimmt die Geschäftspraktik großer Games-Hersteller ins Visier. Im Fokus: Spielwährungen
Zwei der größten deutschen Spielehersteller stehen auf einer Liste des sogenannten CPC-Netzwerks: Der Zusammenschluss europäischer Verbraucherschutz-Behören will prüfen, ob die Rechte europäischer Verbraucher verletzt werden.
Neben der Hamburger InnoGames GmbH (Forge of Empires) und dem Frankfurter Studio Crytek (Hunt: Showdown) sind weitere prominente Unternehmen betroffen, darunter Microsoft (Candy Crush Saga, Minecraft), Supercell (Clash of Clans), Ubisoft (For Honor) und Riot Games (Valorant).

Parallel ist auch eine ‚Maßnahme‘ im Zusammenhang mit der britischen Niederlassung von Activision Blizzard (Diablo Immortal, Call of Duty Mobile) angelaufen.
In allen genannten Fällen geht es um In-Game-Währungen, also Taler, Edelsteine, Coins, Points, GTA-$, V-Bucks, Robux und anderweitige Abrechnungs-Systeme, mit denen sich Spielabläufe beschleunigen, Figuren ausstatten oder Gebäude gegen Echtgeld freischalten lassen.
Die EU hat sich vorgenommen, „Transparenz und Fairness“ im Zusammenhang mit den Währungen durchzusetzen. Dazu gehört unter anderem:
- Darstellung der „realen Preise“ von In-Game-Gegenständen und Währungen
- Keine Verschleierung von Kosten – etwa durch mehrere parallele Währungen (Beispiel: Rubine + Diamanten)
- Keine Verpflichtung zum Erwerb größerer Mengen Spielgeld, als für den Spielfortschritt erforderlich ist (Beispiel: Figur kostet 2,99 € – kleinste Kauf-Option sind aber 4,99 €)
- Deutliche Kommunikation des Widerrufsrechts innerhalb von 14 Tagen – auch bei nicht genutzter virtueller Währung
- Klar und verständlich formulierte Geschäftsbedingungen
- „Angemessene Schutzvorkehrungen“ für besonders schutzbedürftige Nutzer – allen voran Kinder
Spielwährung im Fokus: EU erhöht Druck auf Games-Hersteller
Der verschärften Gangart ist ein ‚Dialog‘ des CPC-Netzwerks mit der Games-Industrie vorausgegangen, der die Umsetzung verbindlicher Standards zum Ziel hatte. Dieser Dialog hat aus Sicht des CPC allerdings zu keinen substanziellen Verbesserungen geführt – und deshalb wird wie bei besagten Spielen nun genauer hingeschaut.
Kurzum: Die EU zeigt die Instrumente.
Lauter Widerstand kommt von den Lobby-Verbänden EGDF und Video Games Europe, dem auch der deutsche Industrie-Verband Game angehört. Entlang der Konsultationen habe man sich „konstruktiv“ verhalten und konkrete Vorschläge unterbreitet.
Gleichwohl habe sich gezeigt, dass es fundamentale Meinungsverschiedenheiten mit Blick auf die Einstufung von Spielwährungen gibt. Anders als der Bitcoin und andere Kryptowährungen handele es sich bei Spielwährungen nicht um digitale ‚Werte‘. Diese rechtliche Unsicherheit müsse zunächst beseitigt werden.
EGDF-Geschäftsführer Jari-Pekka Kaleva, Managing Director: „Es ist bedauerlich, dass das CPC -Netzwerk keine weiteren Konzepte vorgelegt hat, die sowohl für die Wirtschaft als auch für die Spieler klar und transparent sind .“ Das CPC-Netzwerk habe bislang keine rechtlich verbindlichen Begründungen vorgelegt.
Kommisions-Mitglied Michael McGrath kontert hingegen mit der großen Verantwortung, die mit großer Reichweite einher geht: „Die Industrie muss sicherstellen, dass ihre Spiele die Spieler – insbesondere Kinder – nicht schädlichen oder unfairen Praktiken aussetzen. Das Spiel muss fair sein und die Regeln müssen eingehalten werden. Die nationalen Behörden werden mit Unterstützung der Kommission dafür sorgen, dass sie durchgesetzt werden.“
Auf die Games-Industrie könnte außerdem eine nachgeschärfte Regulierung infolge des Kids Act zukommen, der neben Social-Media-Plattformen auch Online-Spiele betrifft.













