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Fellowship Entertainment und Embracer: Die Auswirkungen auf Deutschland und Österreich

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Die Aufspaltung der Embracer Group hat gravierende Folgen - auch für die Belegschaft im deutschsprachigen Raum (Fotos: GamesWirtschaft)
Die Aufspaltung der Embracer Group hat gravierende Folgen - auch für die Belegschaft im deutschsprachigen Raum (Fotos: GamesWirtschaft)

Die Aufspaltung der Embracer-Gruppe in zwei Einheiten hat auch Auswirkungen auf die Standorte von THQ Nordic und Plaion in Deutschland und Österreich.

Fast 6.000 Beschäftigte, knapp 80 Games in Entwicklung, Studios in allen Erdteilen und ein Umsatz von 1,5 Mrd. €: Auch nach einem schmerzhaften Sanierungs-Prozess samt Standort-Schließungen und massivem Personalabbau ist die Embracer Group immer noch einer der größten Computerspiele-Produzenten in Europa – und einer der wichtigsten Arbeitgeber der Games-Industrie im deutschsprachigen Raum.

Allein in Deutschland standen zuletzt über 600 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste, in Österreich waren es mehr als 300.

Fellowship Entertainment: Die Auswirkungen auf Deutschland und Österreich

Am heutigen Mittwoch hat Embracer-Gründer Lars Wingefors eine neue Idee vorgelegt, die sich fundamental von den angekündigten Plänen der Jahre 2024 und 2025 unterscheidet. Anstatt das weitverzweigte Konvolut an Studios, Publishern und Dienstleistern in einem einzigen Unternehmen namens Fellowship Entertainment zu vereinen, sollen nun zwei sehr unterschiedliche, börsennotierte Einheiten entstehen.

Ebenso wie der ursprünglich angedachte Zuschnitt hat auch diese Entscheidung weitreichende Auswirkungen auf die Statik der Games-Branche in Deutschland und Österreich – und damit auf die Zukunft von Standorten, Spiele-Marken und Beschäftigten.

Der neue Plan sieht so aus:

Fellowship Entertainment

Fellowship Entertainment ist künftig zuständig für Kronjuwelen wie The Lord of the Rings (Der Herr der Ringe, Der Hobbit), Tomb Raider, Kingdom Come Deliverance und Metro. Geplanter Zeitraum für den Börsengang an der NASDAQ Stockholm: 2027.

Erstes sichtbares Zeichen ist die Ankündigung eines Der Herr der Ringe-Open-World-Rollenspiels, das bei den Kingdom Come Deliverance-Machern von Warhorse entsteht.

Zum Fellowship-Sortiment gehören unter anderem folgende Einheiten und Franchises:

  • 4A Games (Metro)
  • Crystal Dynamics (Tomb Raider)
  • Dambuster Studios (Dead Island)
  • Dark Horse Media
  • Eidos-Montréal
  • Fishlabs mit Sitz in Hamburg
  • Flying Wild Hog Studios
  • Gunfire Games (Remnant)
  • Middle-earth Enterprises
  • Redoctane Games
  • Warhorse Studios (Kingdom Come Deliverance)

Zum Stichtag 31. März 2025 waren bei den genannten Firmen mehr als 2.100 Mitarbeiter beschäftigt, die einen Umsatz von umgerechnet 400 Mio. € erwirtschaften.

Als einziges deutsches Studio wird offenkundig die Hamburger Fishlabs GmbH mit ihren zuletzt 80 Mitarbeitern zu Fellowship wechseln.

In der Pressemitteilung heißt es außerdem, dass bei Fellowship Entertainment eine neue Publishing-Einheit entstehen soll, die sich aus Mitarbeitern der deutsch-österreichischen Tochter Plaion zusammensetzt. Derzeit werden Titel wie Kingdom Come Deliverance, Metro und Dead Island unter dem Plaion-Label Deep Silver vermarktet. Ob das so bleibt – unklar.


Embracer

Mit 3.500 Angestellten und Einnahmen jenseits von 1 Milliarde Euro ist der verbleibende ‚Rest‘ von Embracer deutlich größer als Fellowship Entertainment. Die Bandbreite der Gewerke ist riesig – von Mobilegames über Retro-Konsolen und Merchandising bis hin zum Vertrieb physischer Spiele, Filme und TV-Serien.

Zu den historisch größten Embracer-Säulen gehören der Wiener Publisher THQ Nordic samt der 38 Studios und Beteiligungen und Plaion mit Zentrale in Planegg bei München sowie großem Logistikzentrum in Tirol.

Bei Embracer verbleiben unter anderem folgende Töchter:

  • Deca Games (Berlin)
  • Limited Run Games
  • Milestone
  • Plaion Partners (München)
  • Plaion Pictures (München)
  • THQ Nordic (Wien)
  • Tripwire
  • Vertigo Games

THQ Nordic betreibt wiederum folgende Studios, Publisher und Dienstleister:

  • Grimlore Games, München (Titan Quest 2)
  • Black Forest Games, Offenburg (Destroy All Humans!)
  • HandyGames, Giebelstadt (TownsMen)
  • Purple Lamp, Wien / Österreich (Spongebob Squarepants)
  • KAIKO, Frankfurt (unangekündigtes Projekt)
  • MetricMinds, Frankfurt (Motion-Capture- und Animations-Studio)
  • Tarsier Studios, Malmö / Schweden (Reanimal)
  • Voxler, Paris / Frankreich (Let’s Sing)
  • Alkimia Interactive, Barcelona / Spanien (Gothic Remake)
  • und viele weitere Standorte

Was wird aus Plaion und Deep Silver?

Das größte Fragezeichen der künftigen Struktur betrifft Plaion und dessen Label Deep Silver, weil die Embracer-Ankündigung an dieser Stelle unscharf bleibt und nicht weiter in die Details geht.

Die Pressemitteilung legt nahe, dass Entwicklung und Publishing aus Plaion herausgelöst werden und zu Fellowship Entertainment wandern – während die Distribution eigener und externer Titel (etwa 007 First Light, Lords of the Fallen 2, Warhammer 40:000: Dawn of War 4) bei Plaion Partners und damit bei Embracer verbleibt.

Daraus folgt zwangsläufig, dass Plaion und THQ Nordic künftig nicht mehr unter einem Dach vereint sind, sondern sich auf zwei börsennotierte Unternehmen verteilen.

GamesWirtschaft hat Embracer um eine Einordnung gebeten – Update folgt.

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