
Weil Berlin die selbstgesteckten Azubi-Ziele reißt, wird ab 2028 die Ausbildungsabgabe in Kraft treten. Die Wirtschaft ist auf der Zinne.
„Ja zur Ausildung. Nein zur Abgabe!“: Pünktlich zur Abstimmung hatte die Industrie- und Handelskammer Berlin noch ein Transparent auf einem Lieferwagen montiert und vor das Abgeordnetenhaus gestellt. Große Arbeitgeber – Banken, Handelsketten, Hotels, Verlage, Maschinen- und Autobauer – haben sich der Initiative angeschlossen. Der Appell hat nicht gefruchtet: Das Parlament hat am Donnerstag die umstrittene Ausbildungsablage mit breiter Mehrheit beschlossen.
Ausbildungsabgabe heißt: Alle Berliner Unternehmen mit mindestens zehn sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten müssen ab 2028 in einen Fond einzahlen, sofern die Ausbildungsquote im jeweiligen Betrieb unter der Marke von 4,6 Prozent liegt. Arbeiten in einer Firma beispielsweise 20 Vollzeit-Angestellte, dann muss rechnerisch mindestens eine Azubi-Stelle besetzt werden – ansonsten droht die Abgabe. Bei 50 Beschäftigten sind es bereits zwei bis drei Azubis, bei 100 Angestellten bis zu fünf.
Das eingesammelte Geld mit einem geplanten Volumen von 75 Mio. € soll dazu dienen, Ausbildungsplätze in anderen Unternehmen sowie Qualifizierungsmaßnahmen zu finanzieren. Die genaue Höhe der Abgabe pro Jahr und Betrieb ist noch unklar.
Die Enttäuschung bei der IHK und Wirtschaftsverbänden ist riesig: Fakten und Sachargumente hätten im politischen Raum nicht interessiert; schließlich habe bei 25.000 offenen Ausbildungsplätzen ein Drittel mangels Bewerbern erst gar nicht besetzt werden können. Doch auch in diesem Fall – also bei besten Absichten, aber zu wenigen passenden Interessenten – wird die Abgabe fällig.

Ausbildungsabgabe trifft Berliner Games-Branche
Das Gesetz soll ab 2028 in Kraft treten; ab Anfang 2027 wird die ‚Berliner Ausbildungskasse‘ aufgebaut. Die Ausbildungsabgabe trifft ab diesem Zeitpunkt natürlich auch Berliner Games-Unternehmen – Entwickler, Publisher, Agenturen, Veranstalter, Dienstleister, E-Sport-Organisationen, Verbände, Institutionen.
Der Haken: Nur ganz wenige Betriebe in der deutschen Computerspiele-Industrie bilden serienmäßig aus. So ist beispielsweise bei InnoGames in Hamburg oder bei Upjers in Bamberg eine Ausbildung zum Fachinformatiker möglich, wie etwa das Job-Portal Game-Career zeigt. Doch das sind absolute Ausnahmen von einer Regel, die besagt, dass bestenfalls Praktika und Werksstudenten-Plätze auf den Markt gelangen – wenn überhaupt.
In der Praxis setzen die Spielehersteller im Großraum Berlin auf fertig ausgebildete Talente und Fachkräfte, die etwa von der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin oder von staatlich anerkannten, privaten Hochschulen (SAE Institute, Games Academy, Mediadesign Hochschule, S4G School of Games etc.) kommen.
Dies gilt auch für Ubisoft Berlin, mit rund 100 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Hauptstadt. Gegenüber GamesWirtschaft heißt es, man habe die Abstimmung im Berliner Abgeordnetenhaus „zur Kenntnis genommen“. Die Position der lokalen Wirtschaft sei ja bereits von der Berliner IHK kommuniziert worden.
Ubisoft Berlin engagiert sich demnach in der akademischen Nachwuchsförderung – etwa mit Mentorings und Gastvorträgen. Ausbildungsplätze würden nicht angeboten. Und deshalb kündigt ein Sprecher an, man werde sich nun auf die Einführung der Ausbildungsplatzumlage ab 2028 vorbereiten.
Dies dürfte auch für alle anderen Unternehmen der Branche gelten, die 20 oder mehr Mitarbeiter beschäftigen – etwa Wooga, Kolibri Games, Sandbox Interactive, Gameduell, King, Yager, Klang Games, Instinct3 / Eintracht Spandau, Com2Us oder Stratosphere Games.
Der Branchenverband Game wollte sich auf Anfrage nicht zur geplanten Abgabe äußern.












