Als ‚Indie‘ ohne Partei-Apparat wollte Marc Bosch den Bürgermeister-Sessel von Neufahrn erobern: Auch künftig will sich der Games-Manager politisch einbringen.
Analog zur benachbarten Landeshauptstadt München wird erst die Stichwahl am kommenden Sonntag (22. März) entscheiden, welcher Bürgermeister die oberbayerische Gemeinde Neufahrn bei Freising künftig regiert.
Gerne hätte sich auch Marc Bosch dieser Abstimmung gestellt: Als ‚Indie‘ war er mit seiner eigenen Gruppierung ‚Bosch als Bürgermeister‘ (BaB) angetreten – und holte bei den Kommunalwahlen am 8. März mit 8,8 Prozent einen respektablen vierten Platz hinter den Mitbewerbern von CSU, Grünen und Freien Wählern. Immerhin: Satte 2.544 Stimmen reichen mehr als komfortabel aus, um in den 30köpfigen Gemeinderat einzuziehen.
Allmählich fällt das Adrenalin ab: Die vergangenen Monate hatte Bosch einen gleichermaßen engagierten wie zehrenden Wahlkampf geführt – sowohl digital im Netz als auch analog, etwa an Info-Ständen und in Bürger-Panels. Immer an Bord: sein Markenzeichen, die neongrüne Pixelbrille.
Daneben war er auch im Job gefragt: Denn im Hauptberuf ist Bosch Director Publishing & Business Development bei Aesir Interactive in München, das zu den größten Studios in Bayern zählt. Unmittelbar vor dem Wahltag ging Legend of Khiimori in den Early-Access-Betrieb.
Gegenüber GamesWirtschaft zieht Marc Bosch eine erste Bilanz – und blickt nach vorn.
Marc Bosch: „Natürlich hätte ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht.“
GamesWirtschaft: Wie blickst du auf den Wahlsonntag – welche Gefühlslage überwiegt?
Marc Bosch: Der Wahlsonntag fühlt sich ein bisschen an wie der Moment nach einem langen Early-Access-Projekt: Man weiß, dass noch nicht Version 1.0 erreicht ist – aber man hat unglaublich viel gelernt und eine Menge Spieler-Feedback bekommen.
Ich habe den Wahlkampf sehr bewusst geführt, weil ich daran glaube, dass man Politik gut machen kann und dass Erfahrungen aus der Games- und Tech-Branche dabei helfen können. Genau darüber hatten wir ja schon im Herbst gesprochen: Für mich war der Wahlkampf tatsächlich eine Art ‚Early Access‘, bei dem viele Menschen Ideen eingebracht haben und man gemeinsam ausprobiert, wie Politik vor Ort besser funktionieren kann.
Natürlich hätte ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht. Gleichzeitig überwiegt bei mir Dankbarkeit und Aussicht auf die Möglichkeiten: Fast 700 Menschen haben mir ihre Stimme für den Bürgermeister gegeben, dazu über 2.500 „Punkte“ als Gemeinderat, viele weitere haben sich aktiv eingebracht, diskutiert oder einfach Interesse gezeigt.
Für eine unabhängige Kandidatur ohne Partei-Apparat ist das stark.
Am Ende gilt im Spiel wie in der Demokratie: Man akzeptiert das Ergebnis, atmet einmal tief durch und schaut nach vorne. Für mich war das kein ‚Game Over‘, sondern eher ein ‚Continue? – Yes‘.

Wie geht es für dich auf lokal- und landespolitischer Ebene weiter? An welcher Stelle willst du dich einbringen?
Mein Engagement für Neufahrn endet natürlich nicht mit dem Wahltag. Ich habe in den vergangenen Jahren sehr viel Zeit in Gemeinderatssitzungen, Gespräche mit Bürgern, Vereinen und Unternehmen investiert und möchte diesen Weg weitergehen.
Mein Fokus bleibt dabei auf Themen, bei denen ich wirklich etwas beitragen kann:
- Schnelle Planung und Umsetzung für Kinderbetreuung
- Digitalisierung und KI in Verwaltung und Kommunen
- Wirtschaftsentwicklung mit Blick auf die weltweite Entwicklung
- Brücken zwischen Games-, Tech- und Politik-Szene
Gerade beim Thema Digitalisierung sehe ich riesigen Handlungsbedarf. Kommunen stehen in den nächsten Jahren vor einer massiven Transformation durch KI und Automatisierung – und viele Verwaltungen sind darauf noch kaum vorbereitet. Genau dort kann jemand mit Technologie- und Games-Background helfen, Prozesse neu zu denken.
Ein politisches Amt ist für mich kein Titel, sondern die Politik ein Spielfeld. Und auf diesem Spielfeld werde ich mich auch ohne Bürgermeisteramt sinnvoll einbringen.
Du bleibst der Games-Industrie erhalten – welche Themen stehen im Questlog ganz oben?
Seit meinem 18. Lebensjahr bin ich in dieser Branche unterwegs – die Games-Industrie ist und bleibt mein Zuhause. .
Ganz oben im Questlog stehen derzeit drei Themen:
- Games-Standort Bayern & Deutschland stärken – sprich: weiterhin verlässliche Förderprogramme und damit Planungssicherheit. Deutschland & Bayern haben enormes kreatives Potenzial mit und ohne KI – aber internationale Wettbewerber schlafen nicht.
- Brücken zwischen Games, KI und anderen Branchen bauen: Viele Technologien aus der Spieleentwicklung – von Unreal Engine bis Simulation – werden zunehmend in Industrie, Bildung und Verwaltung eingesetzt. Dieser Wissens- und Technologie-Transfer wird in den nächsten Jahren noch deutlich wichtiger.
- Neue Geschäftsmodelle und internationale Partnerschaften: Die Branche verändert sich gerade massiv: Plattformökonomie, Community-Building, Creator-Economy. Für Studios wird es entscheidend sein, ihre Projekte früh global zu denken.
Als Gamer würde man sagen: Der Wahlkampf war ein Side-Quest. Jetzt geht die Main-Story weiter.













