
Es war schon mal einfacher, Games im stationären Handel zu entdecken. Doch Retail bleibt relevant, weiß Aesir-Publishing-Director Marc Bosch.
Nach dem Abschied aus dem Vertrieb physischer Games sortieren sich die langjährigen Partner der Düsseldorfer Astragon Entertainment GmbH neu: So ist Giants Software (Landwirtschafts-Simulator) neuerdings bei Bandai Namco Entertainment unter Vertrag.
Auch bei Aesir Interactive – mit über 100 Beschäftigten eines der größten Studios in Bayern – macht man sich Gedanken, über welche Kanäle die Spiele künftig vertrieben werden. Der Police Simulator gehörte seit fast fünf Jahren zu den Bestsellern im Astragon-Sortiment.
Zupass kommt den Münchnern, dass der Vertrieb seit jeher von ganz unterschiedlichen Partnern organisiert wird: Ambulance Life: A Paramedic Simulation ist zum Beispiel bei Nacon im Programm – und am gestrigen Dienstag hat der Partner Mindscape das Action-Abenteuer The Legend of Khimoori als Early-Access-Version auf Steam und im Epic Games Store freigeschaltet. Im Falle des Action-Spiels EverRail wird Aesir das Publishing selbst übernehmen.
Doch welche Rolle spielt der Einzelhandel überhaupt noch? Lohnt sich der logistische Aufwand für physische Games? Einer, der es wissen muss, ist Marc Bosch: Bei Aesir Interactive ist er als Director für Publishing und Business Development zuständig. Er ist überzeugt: Der Handel bleibt relevant – das richtige Produkt vorausgesetzt.
Aesir-Manager Bosch: „Der totgesagte PC ist definitiv lebendiger als je zuvor“
GamesWirtschaft: Die GameStop-Ära ist seit 2025 passé – in Elektronikmärkten fristen Games ein Schattendasein. Hat der Handel überhaupt noch ein Interesse an Computerspielen?
Marc Bosch: Viele Fachmärkte passen sich im Moment den äußeren Umständen an. Es wird nicht mehr ein Bauchladen oder Portfolio angeboten, sondern nur noch gezielt schnell durchverkaufende Warengruppen und untervermietete Shop-in-Shops priorisiert.
Da Games auf einigen Plattformen sich digital mittlerweile wesentlich besser verkaufen, gehören diese nicht mehr dazu.
Wie man an der Nintendo Switch sieht, sind Games weiterhin relevant, aber eher als Geschenk und ‚Spielzeug‘, wie auch Klemmbausteine aller Hersteller dieser Welt in die Elektro- & Bau-Fachmärkte kommen.
Warum ist es für Aesir weiterhin wichtig, mit den Produkten auch im stationären Einzelhandel vertreten zu sein?
Mit den vielen verschiedenen Zielgruppen, die unsere verschiedenen Spiele haben, gibt es definitiv Spiele, die im Einzelhandel ihren Platz verdient haben.
Je nach Genre, Early Access oder nicht, USK 6 oder USK 16 ist das komplett verschieden und man muss in der neuen Umgebung auch mit neuen Ideen auf sich aufmerksam machen. Im stationären Einzelhandel sichtbar und verfügbar zu sein ist unter anderem auch deshalb wichtig, weil es das Vertrauen der Kunden in die Spiele und den Entwickler stärkt.
Der Einzelhandel ist wie eine wohlkuratierte Ausstellung – wer im Retail stattfindet, ist nicht nur wichtig, sondern auch relevant.
Bei welchen Genres und Systemen ist der Handel inklusive Versand denn noch besonders relevant – in welchen Fällen nicht beziehungsweise nicht mehr?
Man kann auf jeden Fall sagen, dass der so lange totgesagte PC definitiv lebendiger ist als je zuvor, jedoch Software schon lange nicht mehr auf Disketten, CDs oder Blu-Rays verkauft wird.
Wer in der Zielgruppe USK 0 bis USK 12 denkt, der kann auf jeden Fall im Sektor Spielwaren, aber auch im Sektor „Limited Edition“ noch relevante Umsätze von bis zu 50 Prozent machen.
Welche digitalen Vertriebs-Plattformen und Regionen bleiben oder werden perspektivisch für Aesir Interactive wichtig?
Weiterhin sind und bleiben Steam und Epic die in Europa und den USA die vorherrschenden Plattformen. Durch die Abhängigkeit zu den USA auf beiden Marktplätze erwägen viele Publisher und eigenständige Entwickler auch DRM-freie Portale wie GOG oder Key-Verwaltungs-Dienste in Betracht zu ziehen.
Grau-Importe sind aktuell das große Thema. Wenn es nach dem bayerischen Digitalminister Fabian Mehring ginge, hätten wir wahrscheinlich schon längst einen EU-bajuwarischen Alternativ-Marktplatz, der uns unabhängig von Konflikten, Schwankungen und Zöllen macht.
Von derlei Bestrebungen habe ich aber bis heute keine Kenntnis – würde mich aber freuen.












