Start Wirtschaft Ubisoft plant Abkehr von Home-Office-Regelung

Ubisoft plant Abkehr von Home-Office-Regelung

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Ubisoft wirbt seit Jahren mit flexiblen Arbeitszeit-Modellen - ab April will der Spielehersteller den Home-Office-Betrieb weitgehend einstellen.
Ubisoft wirbt seit Jahren mit flexiblen Arbeitszeit-Modellen - ab April will der Spielehersteller den Home-Office-Betrieb weitgehend einstellen.

Von der Rückkehr zur physischen Präsenz in den Entwicklerstuben verspricht sich Ubisoft mehr Effizienz. Doch der Betriebsrat hat ein Wörtchen mitzureden.

Die Stellenausschreibung für einen ‚Lead Programmer Rainbow Six Siege‘ bei Ubisoft Berlin klingt vielversprechend: Abseits von Umzugskosten-Unterstützung, 26 Tagen Urlaubs-Anspruch, einem Kinderbetreuungs-Zuschuss und Rabatten beim Kauf von Ubisoft-Games wirbt das Unternehmen mit einem „hybriden Arbeitsmodell“: Die Beschäftigten können sowohl im Studio als auch von zu Hause aus arbeiten – und zwar an einem beliebigen Ort innerhalb Deutschlands.

Auch die ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Ubisoft-Mobilegames-Tochter Kolibri Games (Idle Miner Tycoon), die 2020 komplett auf Remote-Betrieb umgestellt hatte, lockt in Job-Inseraten weiterhin mit ‚Hybrid Work‘.

Doch von dieser Flexibilität wird sich der Mutterkonzern demnächst verabschieden: Im Zuge des gestern angekündigten Unternehmens-Umbaus mit fünf konsolidierten Einheiten (‚Creative Houses‘) kehrt Ubisoft zur Büro-Anwesenheitspflicht zurück. Das Management verspricht sich davon eine höhere Know-How-Durchlässigkeit, eine bessere Zusammenarbeit und überhaupt mehr Dynamik innerhalb der Teams. Pro Jahr soll es nur noch eine begrenzte Zahl von Remote-Tagen geben.

Wörtlich heißt es in der Meldung, die persönliche Zusammenarbeit sei ein „Schlüsselfaktor“ für Effizienz, Kreativität und Erfolg in einem zunehmend herausfordernden Markt.

Ubisoft streicht Home-Office-Regelung

Die Regelung soll weltweit für rund 16.000 Angestellte an allen Ubisoft-Standorten gelten – also auch für die mehr als 800 Beschäftigten bei Ubisoft Blue Byte (Mainz, Düsseldorf, Berlin), bei Kolibri Games und bei der Düsseldorfer Ubisoft GmbH, die Marketing und Vertrieb steuert. Der französische Publisher ist nach Nintendo of Europe der größte Games-Arbeitgeber des Landes.

Mit dieser ‚Rolle Rückwärts‘ steht Ubisoft nicht alleine da: Sowohl Startups als auch Mittelständler und Konzerne haben die Home-Office-Regelungen im Nachgang zur Covid-Pandemie sukzessive wieder abgeschafft – und verlangen mittlerweile wieder physische Präsenz.

Inwieweit die Anwesenheitspflicht im Einzelfall überhaupt möglich und zulässig ist, hängt grundsätzlich von individuellen Vereinbarungen ab: Wurde Home-Office lediglich auf freiwilliger Basis praktiziert – ohne einen Rechtsanspruch? Oder gibt es verbindliche Zusagen beziehungsweise Ergänzungen in den Arbeitsverträgen? Im letzteren Fall müsste der Arbeitnehmer zunächst einer Neuregelung zustimmen – weigert der sich, bliebe dem Arbeitgeber maximal der Weg über eine Änderungskündigung.

Nintendo of Europe, Ubisoft Blue Byte und Stillfront sind die drei größten Games-Unternehmen in Deutschland 2025 (nach Mitarbeitern / v2 / Stand: 30.7.2025)
Nintendo of Europe, Ubisoft Blue Byte und Stillfront sind die drei größten Games-Unternehmen in Deutschland 2025 (nach Mitarbeitern / v2 / Stand: 30.7.2025)

Ubisoft-Unwucht: Wie reagiert der Betriebsrat?

Seit 2024 beziehungsweise 2025 gibt es in den drei deutschen Ubisoft-Studios einen Betriebsrat – weiterhin eine Ausnahme in der Games-Industrie. Die Gremien haben bei vielen Themen mindestens ein Beteiligungs-, vielfach ein Mitsprache- oder gar Veto-Recht – auch und gerade bei Arbeitszeit-Regelungen.

Soweit vorhanden, müsste eine etwaige Home-Office-Betriebsvereinbarung zunächst gekündigt und neu ausverhandelt werden. In jedem Fall sind Übergangsfristen einzuhalten, damit die Beschäftigten ihren privaten und beruflichen Alltag neu kalibrieren können – Ubisoft hat bereits angekündigt, die Regelung „nicht über Nacht“ umzusetzen.

Wo das im Einzelfall nicht klappt (etwa mit Blick auf unzumutbare Arbeitswege), bleibt betroffenen Arbeitnehmern nur die Option, sich nach einem neuen Job umzuschauen. Gewerkschaften, Arbeitsrechtler und Betroffene üben daher regelmäßig scharfe Kritik an diesem Instrument, weil es von Unternehmen vielfach dazu genutzt wird, um die Belegschaft auf vergleichsweise geräuschlosem Wege zu reduzieren.

Die Formulierung der Ankündigung legt nahe, dass Ubisoft betriebliche Gründe für die weltweite Aufhebung der Home-Office-Regelungen geltend machen dürfte. Inwieweit dies auch für die deutschen Standorte gilt und was daraus in der Praxis folgt, wird sich in den kommenden Wochen weisen.

Parallel zum Umbau der Konzern-Struktur plant Ubisoft die Fortführung und Ausweitung des eingeleiteten Kostensenkungs-Programms: Durch Stellenstreichungen und Studio-Schließungen sollen konzernübergreifend 200 Mio. € per anno eingespart werden. (pf)

Beitrag wird bei Vorliegen neuer Erkenntnisse aktualisiert

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