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InnoGames lässt Sunrise Village seit einem Jahr von der KI bauen

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InnoGames betreibt das Mobilegame Sunrise Village seit einem Jahr mit einem Mini-Team - die Inhalte liefert die KI.
InnoGames betreibt das Mobilegame Sunrise Village seit einem Jahr mit einem Mini-Team - die Inhalte liefert die KI.

Stell dir vor, ein Mobile-Spiel wird seit einem Jahr mit KI-Inhalten betrieben – und keiner merkt’s. Ein Stellenabbau sei allerdings nicht beabsichtigt. Sagt InnoGames.

„Die Alternative wäre gewesen, dass wir das Spiel einstellen“: Thomas Lehr redet erst gar nicht um den heißen Brei herum. Seit zehn Jahren arbeitet er für die Hamburger InnoGames GmbH – einem der umsatzstärksten Spiele-Entwickler in Deutschland und groß geworden mit Browsergames wie Die Stämme und Forge of Empires. Im Oktober wurde Lehr zum Director Engineering befördert.

„Das Spiel“ heißt Sunrise Village und ist seit 2021 im iOS-Appstore und im Google Play Store herunterladbar. Das Free2Play-Aufbauspiel refinanziert sich durch In-Game-Käufe: Mit zunehmendem Spielfortschritt dauert es immer länger, Gebäude freizuschalten und Waren zu produzieren – kostenpflichtige Diamanten verkürzen die Wartezeit.

Bei über 1 Mio. Downloads und 175.000 Bewertungen kommt das Spiel auf eine Durchschnittswertung von 4,6 von 5. Klingt gut. Das Problem: Sunrise Village hat längst den Zenit überschritten – seit Jahren sinken Spielerzahlen und Umsätze, wodurch das Projekt unrentabel wurde und das 25köpfige Vollzeit-Team nicht mehr ‚ernähren‘ konnte.

Mittlerweile arbeiten nur noch zwei bis vier Personen an Sunrise Village, wie aus dem lesenswerten Beitrag bei den Kollegen von Gamesindustry.biz hervorgeht. Die Inhalte und Spielmechaniken werden mit generativer KI erstellt: Story, Quests, Balancing, Level-Strukturen, Spielwelt, Gegner, Cutscenes und anderes mehr.

InnoGames setzt unternehmensweit auf Künstliche Intelligenz – in der Programmierung genauso wie in der Grafik. Mittlerweile seien ‚Coding Agents‘ vielfach schneller und besser als menschliche Arbeitskräfte, weiß Thomas Lehr.

InnoGames lässt Sunrise Village seit einem Jahr von der KI bauen

Und was heißt das für die rund 350 Beschäftigten bei InnoGames? Ziel sei es nicht, Personal-Kosten zu reduzieren, sondern Effizienz und Produktivität in einem harten Marktumfeld zu steigern – was wiederum mehr Projekte ermöglicht.

Die Sunrise Village-Mitarbeiter wechselten zum Puzzle-Spiel Cozy Coast, mit dem InnoGames das Sortiment erweitert hat. Hauptumsatzträger bleiben Dauerbrenner wie Forge of Empires; andere Titel wurden eingestellt, abgeschrieben oder verkauft.

Die betroffenen Angestellten sind dem Vernehmen nach glücklich, weil sie von Routine-Aufgaben befreit würden. So haben sich die Arbeitsabläufe deutlich verändert. Lehr räumt ein, dass es zunächst Widerstände in der Belegschaft gegeben habe – weg vom Handwerk, hin zum ‚Prompt Operator‘.

Die größten Games-Unternehmen in Hamburg 2025 (Angaben gerundet / Stand: 28.8.2025)
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An diesem Bekenntnis wird sich das Management messen lassen müssen. Denn zum kompletten Bild gehört, dass InnoGames sehr wohl ein waches Auge auf die Payroll wirft: Dass 2024 bei einem Umsatz von 166 Mio. € ein Jahresüberschuss von fast 38 Mio. € übrig blieb, lag auch daran, dass vor drei Jahren 70 Angestellte entlassen wurden (mehr dazu in dieser Kolumne). Dadurch ist der Personalaufwand um 5,4 Mio. € gesunken.

InnoGames will die gewonnenen KI-Erkenntnisse nun auch bei anderen Titeln einsetzen und dadurch den Output erhöhen: mehr Spiele, mehr Inhalte, längere Betriebsdauer. Diejenigen, die sich nicht an diese neue Realität anpassen, sähen sich mit erheblichen Wettbewerbsnachteilen konfrontiert, so Lehr.

Bemerkenswert: Im Mobile-Games-Bereich ist die KI-Antipathie seitens der Kundschaft deutlich geringer ausgeprägt als etwa im PC- und Konsolen-Sektor, wo sich die Studios bereits massiver Kritik ausgesetzt sehen, sobald KI-generierte Standbilder oder KI-vertone Nebenrollen „versehentlich“ ins finale Spiel rutschen.

Thomas Lehr blickt nüchtern auf die Lage: Der Umstieg auf KI-First-Workflows sei alternativlos. Bereits innerhalb der nächsten zwei Jahre würde die KI-gestützte Inhalte-Produktion mindestens bei der Entwicklung von Smartphone-Spielen zum Industrie-Standard.

1 Kommentar

  1. Ich kann nicht erkennen, ob das als Sarkasmus gemeint ist oder nicht. Auf jeden Fall freue ich mich schon auf viel mehr KI generierte mobile Games!

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