Start Events Deutscher Entwicklerpreis 2025: „Natürlich spüren wir den Druck“

Deutscher Entwicklerpreis 2025: „Natürlich spüren wir den Druck“

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Ubisoft-Manager, Games.NRW-Sprecher und seit 2022 Go-Gastgeber für den Deutschen Entwicklerpreis: Benedikt Grindel (Foto: eosAndy / Andreas Krupa für Deutscher Entwicklerpreis)
Ubisoft-Manager, Games.NRW-Sprecher und seit 2022 Go-Gastgeber für den Deutschen Entwicklerpreis: Benedikt Grindel (Foto: eosAndy / Andreas Krupa für Deutscher Entwicklerpreis)

Drei Jahre war er Co-Gastgeber – jetzt übergibt er den Deutschen Entwicklerpreis in neue Hände: Games.NRW-Sprecher Benedikt Grindel blickt zurück – und nach vorne.

In herausfordernden Zeiten tut es gut, zumindest einen Abend lang den Blick auf das zu richten, was gut läuft. Genauer: richtig gut. Bei der inoffiziellen Branchen-Weihnachtsfeier am kommenden Dienstag würdigt die Branche die Entwickler der besten Games des Jahres aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

500 Gäste werden am 2. Dezember zum Deutschen Entwicklerpreis (DEP) im Kölner Gürzenich erwartet – Daniel Budiman und Lynne Glaner moderieren.

Zum vorerst letzten Mal auf der Bühne steht Benedikt Grindel – zumindest in seiner Rolle als DEP-Gastgeber und Sprecher der Initiative Games.NRW, in der sich kleine und große Games-Unternehmen zusammengeschlossen haben. Ab 2026 ist eine eigens gegründete, gemeinnützige Stiftung für den Entwicklerpreis verantwortlich, wie gestern bekannt wurde.

Grindel ist seit einem Vierteljahrhundert für Ubisoft in Düsseldorf tätig und als Zone Managing Director nicht nur für die drei Ubisoft-Studios in Düsseldorf, Berlin und Mainz zuständig, sondern auch für Niederlassungen in UK und Osteuropa. Mit mehr als 600 Beschäftigten gehört der Konzern hierzulande zu den größten Arbeitgebern der Branche – in Nordrhein-Westfalen ohnehin.

Im Vorfeld des DEP – der bereits zum 21. Mal verliehen wird – zieht der Düsseldorfer eine vorläufige Bilanz.

Vier Trophäen beim Deutschen Entwicklerpreis 2024 gehen an die Enshrouded-Macher von Keen Games (Foto: GamesWirtschaft)
Vier Trophäen beim Deutschen Entwicklerpreis 2024 gehen an die Enshrouded-Macher von Keen Games (Foto: GamesWirtschaft)

Deutscher Entwicklerpreis 2025: „Die Branche verändert sich – und der DEP muss sich weiter mit verändern.“

GamesWirtschaft: Games.NRW hat die DEP-Verantwortung vor dreieinhalb Jahren übernommen. Wie zufrieden bist du mit der Entwicklung des Entwicklerpreises? Was gestaltet sich positiv – und welche Baustellen treiben dich um?

Grindel: Ich bin sehr zufrieden. Wir haben den Preis nach der schwierigen Corona-Zeit übernommen. Es war für uns wichtig, den DEP zu erhalten und ihn konsequent weiterzuentwickeln: mit mehr Fokus auf die Preisträgerinnen und Preisträger, mit einer abwechslungsreichen und professionellen Preisverleihung und mit vielen Möglichkeiten zum Austausch für die gesamte Branche.

Ich glaube, das ist uns schon ganz gut gelungen. Die große Nachfrage nach Tickets und die Unterstützung der Branche zeigen das.

Und jetzt muss es weitergehen: Die Branche verändert sich, und der DEP muss sich weiter mit verändern. Deswegen haben wir eine wichtige Baustelle angepackt: Wir haben eine gemeinnützige Stiftung in Form einer gGmbH gegründet, die ab 2026 den Preis veranstalten wird.

Da geht es vor allem um drei Dinge: die konsequente Weiterentwicklung des Preises als Impulsgeber, stabilere finanzielle Rahmenbedingungen und die deutliche Positionierung des DEP für die gesamte deutschsprachige Branche.


Die Games-Industrie hat zuletzt eine harte Phase durchgemacht. Inwieweit machen sich die Tiefausläufer bei euch bemerkbar, etwa mit Blick auf Einreichungen, Sponsoring, Tickets?

Natürlich spüren wir den Druck: Budgets sind knapper, Sponsoring-Entscheidungen dauern länger, Teams müssen genauer abwägen, ob sie Zeit für Einreichungen und Reisen freischaufeln.

Aber: Die Quantität und die Qualität der Einreichungen sind unverändert hoch, und der Saal wird voll. Die Branche hat in den letzten Jahren gezeigt, dass der DEP ein wichtiger Moment ist und uns gut unterstützt.


Die Nominierten zeigen es: Wie auch beim Deutschen Computerspielpreis liegt der Fokus auf klassischen PC- und Konsolenspielen – während der Online- und Mobilegames-Sektor, der ja gerade für die deutsche Branche von großer Bedeutung ist, weiterhin kaum eine Rolle spielt. Beschäftigt euch dieses Thema – und wie geht ihr damit um? Gibt es dafür überhaupt eine ‚Lösung‘?

Das ist eine Beobachtung, die wir auch machen. Da muss sich etwas tun, insbesondere aufgrund der Relevanz des Online- und Mobilegames-Sektors für die Games-Branche.

Es wird eine Aufgabe der Stiftung des DEP sein, das anzugehen. Genau für solche Themen wird es einen Beirat mit Fachleuten geben, der dazu Konzepte entwickeln wird. Wir wollen die Branche in ihrer ganzen Vielfalt abbilden und am Puls der Zeit bleiben. Nur so bleibt der Preis relevant.


Games-Standort NRW: „Wir sollten da ehrlich sein.“

Der Entwicklerpreis ist ja nicht nur die Weihnachtsfeier der Branche, sondern rückt auch den Games-Standort Nordrhein-Westfalen in den Fokus. Wie blickst du auf die Lage an Rhein und Ruhr?

Wie überall kämpft auch die Branche in Nordrhein-Westfalen. Der Markt hat sich verändert und wird das auch weiterhin tun. Unternehmen müssen sich mitverändern.

Wir sollten da ehrlich sein: In ganz Deutschland hat die Games-Branche im Moment nicht die Größe und Relevanz, die der Bedeutung des deutschen Marktes für Games und der Wichtigkeit von digitalen Spielen als Wirtschaftsfaktor und Kulturgut entspricht.

Ubisoft Düsseldorf ist das mit Abstand größte Games-Unternehmen in Nordrhein-Westfalen (Stand: 12. August 2025)
Ubisoft Düsseldorf ist das mit Abstand größte Games-Unternehmen in Nordrhein-Westfalen (Stand: 12. August 2025)

Auch in Nordrhein-Westfalen muss sich das Ökosystem weiterentwickeln. Wir haben insgesamt wenige große und mittlere, jedoch viele kleine Marktteilnehmer. Das ist zu wenig. Wir brauchen mehr Unternehmen in allen Bereichen – vor allem mehr mittlere und größere – sowie mehr internationale Ansiedlungen. Darüber hinaus müssen junge, kleine Studios skalieren können.

Mit der Gamescom haben wir die internationale Leitmesse, die Nordrhein-Westfalen einmal im Jahr zum Zentrum der internationalen Games-Branche macht. Das müssen wir mehr und besser nutzen, um Unternehmen nach NRW zu holen.

Dafür gilt es, die Tools noch bekannter zu machen. Denn wir haben eine sehr gute regionale Förderung und gute Netzwerke. Und die Bundesförderung ist endlich auch wieder auf einem guten Weg. Darauf müssen wir aufbauen.


Hand aufs Herz: Wie sehr wird es schmerzen, wenn am 2. Dezember die Preise verliehen werden – und euer Anno 117: Pax Romana kann mit Blick auf Release und Einsendeschluss erst in zwölf Monaten dabei sein?

Das ist natürlich schade, aber ein Spiel, das Mitte November auf den Markt kommt, reißt halt offensichtlich deutlich die Einreichungsfrist.

Ich werde mich am 2. Dezember gleichzeitig für die vielen Preisträgerinnen und Preisträger beim DEP freuen und über die tollen Verkaufszahlen und das Feedback zu Anno 117: Pax Romana.

Das wird ein rundum schöner Moment sein! (pf)