Mit Relaunch und Schnupper-Angeboten will GamersGlobal eine Reiseflughöhe erreichen, die das Online-Spielemagazin langfristig finanziell stabilisiert.
Er gehörte einst zur PC Player-Crew, hat GameStar erfunden und 2009 die Website GamersGlobal offiziell an den Start gebracht: Jörg Langer zählt zu den bekanntesten Namen im deutschsprachigen Games-Journalismus. Zusätzlich betreibt er den Spieleveteranen-Podcast und verlegt das Print-Magazin Retro Gamer. Die jahrzehntelangen Kontakte ermöglichen regelmäßige Coups: Erst vor wenigen Tagen hat Peter Molyneux sein neues Spiel Masters of Albion exklusiv vorgestellt.
Dessen ungeachtet kämpft GamersGlobal analog zu nationalen und internationalen Mitbewerbern um Sichtbarkeit und Refinanzierbarkeit in einem immer härteren Marktumfeld. Am vergangenen Wochenende hat Langer daher nach langer Vorbereitung einen Relaunch auf den Weg gebracht – damit einher geht eine lange Liste an Änderungen und Neuerungen, die einerseits Stammkunden bei Laune halten und gleichzeitig neue, möglichst regelmäßige Leser begeistern soll.
Als Schnupperangebot bietet GamersGlobal eine halbjährliche „Support-Mitgliedschaft“ an, die für 9 Euro eine Fülle an Inhalten und Features freischaltet. Wen das Angebot überzeugt, der kann zwischen vier Supporter-Tarifen wählen, die bei 6,99 € pro Monat starten und bis 52,50 € reichen (bei jährlicher Zahlung).
GamersGlobal-Macher Jörg Langer: „Wir haben bislang viel zu viel kostenfrei angeboten.“
Gegenüber GamesWirtschaft erläutert Jörg Langer seine Überlegungen – und er verrät, wie er auf die Lage des Games-Journalismus im Land blickt.
GamesWirtschaft: Jörg, ihr begründet den Relaunch unter anderem mit dem Plan, die immer schwierigere Finanzierung von GamersGlobal „durch wegbröckelnde Abos und die Konkurrenz kostenloser KI-Inhalte in den Griff zu bekommen“. Wie sieht das Konzept aus?
Jörg Langer: Wir haben bislang viel zu viel kostenfrei angeboten. Die Idee war immer: GamersGlobal-Abonnenten bekommen etwas zusätzlich, finanzieren aber mit ihrem Geld die gesamte Website. Tatsächlich stammen über 90 Prozent unserer Einnahmen direkt von Usern – über 90 Prozent unserer Inhalte sind komplett frei.
Bei vielen Usern kam im Resultat jedoch folgendes an: „Mir reichen News, Tests, Previews und Co., die dedizierten Premium-Inhalte sind mir das Geld nicht wert“. Darauf reagieren wir nun, sprechen von „Supporter“ statt „Premium-Abonnenten“ und bieten etwa unsere aufwändigen Text-Tests nur noch 72 Stunden lang frei an; zugehörige Testvideos bleiben zugänglich.
Wir haben eine extrem schreib- und diskussionsfreudige Community, deshalb sind für Nichtzahler ab sofort nur noch 10 Comments pro Monat frei. Gleichzeitig haben wir mit „Spieleperlentaucher“ ein neues, freies Podcast-Format entwickelt und bieten den bislang Supporter-exklusiven „Montagmorgen-Podcast“ seit heute frei für alle an.
Da wir die Neukunden-Generierung in den letzten Jahren vernachlässigt haben, gibt es erstmals in 16 Jahren GamersGlobal ein massiv reduziertes, längeres Probe-Angebot: Für nur 1,50 (statt 6,99) Euro pro Monat erhält man eine Halbjahres-Mitgliedschaft – und zwar ohne automatische Verlängerung.
In welchem Maße hat sich Künstliche Intelligenz auf Reichweite, Inhalte und Nutzerverhalten bei euch niedergeschlagen?
Die Google-Suche-Weiterleitungen sind merklich weniger geworden, weil etwa Suchanfragen nach „Ist Spiel X gut?“ oder „Wie komme ich bei Y an Stelle Z weiter?“ nun schon vor den eigentlichen Suchergebnissen beantwortet werden. Genauer: scheinbar beantwortet werden – die Verlässlichkeit der KI-Antwort ist oft gering. Viele Leute klicken also gar nicht mehr auf die Links, die uns und anderen Magazinen die Laufkundschaft bringen.
Wir selbst nutzen keine KI für die Erstellung von Inhalten, mit Ausnahme mancher Aufmacher-Grafiken – und auf letztere reagiert unsere Zielgruppe teilweise empört, bis hin zur Account-Kündigung. KI-generierte Accounts erkennen wir zum allergrößten Teil automatisch und löschen sie sofort.
Generell trägt die Einfachheit, mit der mittlerweile Postings, Videos oder ganze Websites KI-generiert werden können, zu einem massiven Niveauverfall im Internet bei. Wer von uns hatte noch keine körperliche Schmerzen, weil er auf der Suche nach einem bestimmten Inhalt mit einem KI-generierten, KI-synchronisierten Video konfrontiert wurde? Diese Schmerzen werden häufiger vorkommen, und im Umkehrschluss wird der Wert unserer KI-losen Inhalte höher werden.
Aus der langen Liste der Änderungen sticht der grundsätzliche Verzicht auf Werbung heraus. Warum erlaubt die klassische Website-Vermarktung keine auskömmliche Refinanzierung von Special-Interest-Websites wie GamersGlobal?
GamersGlobal ist schon immer eine „Klein, aber fein“-Website gewesen: Relativ geringen Userzahlen – im knapp sechsstelligen Unique-Visitors-Bereich – steht eine hohe User-Qualität gegenüber, die sich unter anderem im Kommentarverhalten ausdrückt: Während auf etlichen Spiele-Sites kaum ein Inhalt kommentiert wird, finden sich bei uns regelmäßig Dutzende und Hunderte Kommentare unter News und Tests. Und es sind Diskussionen, kein gegenseitiges Anschreien.
Diese Qualität unserer Zielgruppe konnten wir aber immer seltener Mediaplanern vermitteln, da ihre Tools vor allem quantitative Kennzahlen beachten. Nach dieser Logik sind 0,5 Prozent selektierte „Spielefans / männlich / 25-45“ aus einer themenfremden Gesamt-Userschaft dasselbe wert wie gleich viele User einer 100 % dedizierten, hochwertigen Spielefan-Zielgruppe.
Auf dieser Basis kann man als unabhängiges Magazin kein Business mehr machen. Wir haben deswegen schon vor einigen Jahren die direkt verkaufte Banner-Werbung eingestellt und nur noch Google Adsense laufen lassen, mit stetig abnehmendem Ertrag.
Zudem hat die Werbung bislang unseren „Hochfrequenz-Nutzern ohne Abo“ ein argumentatives Hintertürchen offengelassen: „Ich schalte ja schon den Adblocker ab, wieso soll ich auch noch extra zahlen?“. Ein solcher User müsste aber – bei einem Beispiel-TKP von 1 Euro (Tausender-Kontakt-Preis – der Preis für 1.000 Werbekontakte Anm. d. Red.) – 7.000 Seiten-Views pro Monat erzeugen, um ein einziges Abo aufzuwiegen.
Deshalb ist uns der Verzicht auf klassische Banner-Werbung leichtgefallen. Sponsored Content und Werbung in unseren YouTube-Videos bieten wir weiter an.
Wie blickst du mit deiner jahrzehntelangen Erfahrung auf die derzeitige und mittelfristige Lage im deutschsprachigen Games-Journalismus? Was gibt Anlass zu Hoffnung – was bereitet dir Kummer?
Ich sehe schon anhand der regelmäßigen Anfragen von Spielejournalisten, die anderswo „weggekürzt“ wurden oder als freie Autoren nicht mehr auf ihren Schnitt kommen, dass ich aktuell niemanden den Einstieg in den klassischen Spielejournalismus empfehlen kann.
Ich würde aber auch niemandem empfehlen, sich hauptberuflich als Podcaster oder YouTuber oder Twitcher zu versuchen, denn die Erfolgswahrscheinlichkeit ist äußerst gering – wir sehen ja immer nur die paar wenigen „Influencer“, die es unter Zehntausenden von Hoffnungsvollen geschafft haben.
Es werden aber sicher weiterhin Menschen, die in der heutigen Aufmerksamkeitsökonomie „zünden“, merken, dass sie von Spielethemen leben können. Solange diese „Creators“ ihre Follower unabhängig und kompetent informieren, soll’s mir recht sein.

Der Journalismus insgesamt hat ein massives Problem: Der Wert der Kuration von Inhalten wird vom potenziellen Rezipienten nicht mehr erkannt und folglich auch nicht mehr monetär belohnt. Wieso für Informationen zahlen, wenn ich doch überall kostenlos welche bekomme, und zwar genau die, die ich will und die meine Meinung bestätigen?
Auf der anderen Seite funktioniert die indirekte Finanzierung über Anzeigen oder Datenverkauf immer schlechter, weil die großen Gatekeeper wie Tiktok oder YouTube diese Gelder förmlich aufsaugen. In der Folge ist die Menschheit auf dem Weg zu geringerer Weltwahrnehmung, geringerem Wissen und geringerer Denkfähigkeit.
Dennoch habe ich eine Hoffnung: Da KI-generierte Inhalte eine hohe Fehlerquote aufweisen und letztlich austauschbar sind, und weil sich die reellen Gefahren süchtigmachender Algorithmen oder ethisch unverantwortlicher KI-Modelle immer klarer zeigen, müsste es eigentlich zu einer Gegenbewegung kommen, gerade bei Jüngeren: Weg vom Doomscrolling, hin zum Analogen! Zurück zum Inhalt aus Menschenhand! KI-Losigkeit als Gütesiegel!
Und bis es soweit ist, gibt es für GamersGlobal und Retro Gamer weiterhin Kundschaft, die für vernünftige Inhalte zu zahlen bereit ist. Die Nische muss sich also wenig Sorgen machen – an den Kragen geht es gerade den klassischen Reichweiten-Medien.













