
Die Krise beim Mutterkonzern Bigben Interactive hat dramatische Auswirkungen: Der französische Spiele-Publisher Nacon rutscht in die Insolvenz.
Am vergangenen Donnerstag hatte Nacon die Aussetzung des Aktienhandels bei der Euronext Paris beantragt. Grund war das unerwartete Platzen einer 43 Mio.-€-Anleihen-Rückzahlung bei der Mutterfirma Bigben Interactive. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar: Sollte sich nicht rasch ein Plan B herauskristallisieren, der eine geordnete Umschuldung ermöglicht, wäre die Zahlungsunfähigkeit unabwendbar.
Just dieser Zustand ist nun eingetreten: Nacon kann die Außenstände nicht mit eigenen liquiden Mitteln begleichen und stellt einen Insolvenzantrag (PDF). Im nächsten Schritt folgt ein gerichtliches Sanierungsverfahren vor dem Handelsgericht in Lille – mit dem Ziel, das Unternehmen zu retten und damit auch möglichst viele der mehr als 1.000 Arbeitsplätze.
Das Gericht wird den Antrag bereits Anfang März prüfen und eine maximal 18monatige „Beobachtungsphase“ einleiten. In diesem Zeitraum soll ein Restrukturierungsplan entstehen – begleitet von Verhandlungen mit den Gläubigern. Der Handel mit Nacon-Aktien bleibt vorerst ausgesetzt.
Das in Frankreich gängige Instrument „redressement judiciaire“ ist somit vergleichbar mit dem in Deutschland bekannten Schutzschirmverfahren oder einer Insolvenz in Eigenverwaltung.
Der Ausgang solcher Verfahren ist erfahrungsgemäß schwer zu prognostizieren und hängt von vielen Faktoren ab. Die Bandbreite reicht von der Liquidation des Unternehmens über die Zerschlagung des Portfolios bis hin zur Übernahme durch Mitbewerber. In jedem Fall wird Nacon frisches Geld benötigen, etwa durch den Einstieg von Investoren.
Erst am Montag hatte der französische Publisher die jährliche Online-Konferenz Nacon Connect angekündigt. Ob das Format am 4. März wie geplant stattfinden kann, ist offen. Zu den geplanten Themen gehören Neuheiten wie Cthulhu: The Cosmic Abyss, The Mound, Edge of Memories und Endurance Motorsport Series.
Nacon ist auch in Deutschland aktiv: Im Februar 2022 – also vor vier Jahren – hatte Nacon den Hamburger Publisher Daedalic Entertainment (Barotrauma, New Cycle, Unrailed) für 53 Mio. € übernommen (mehr dazu in dieser Kolumne).
Unterdessen hat die Nacon-Mutter Bigben bei den Behörden ein Schlichtungsverfahren mit Gläubigern und Banken beantragt, um die geordnete Restrukturierung der Verbindlichkeiten zu erreichen. Der Geschäftsbetrieb soll unterdessen ohne Einschränkungen weiterlaufen.










