Start Wirtschaft Intellivision ändert Amico-Geschäftsmodell (Update)

Intellivision ändert Amico-Geschäftsmodell (Update)

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Die Intellivision Amico ist in verschiedenen Farben erhältlich - hier das Modell 'Glacier White' (Abbildung: Koch Media)
Die Intellivision Amico ist in verschiedenen Farben erhältlich - hier das Modell 'Glacier White' (Abbildung: Koch Media)

Ein radikaler Strategiewechsel soll dafür sorgen, dass Intellivision samt der Konsole Amico am Leben bleibt – auch durch den Verkauf von Lizenzen wie Shark! Shark!.

Update vom 25. Mai 2023 (9 Uhr): Das Steam-Profil der BBG Entertainment GmbH listet mittlerweile drei einstige Intellivision-Amico-Launch-Titel: Die PC-Versionen von Astrosmash, Shark! Shark! und Dynablaster seien „bald verfügbar“. Außerdem geplant: Mac, Switch und Xbox.

Laut BBG-Geschäftsführer Stephan Berendsen umfassen die dazugehörigen Markenrechte auch Auskopplungen für „future consoles from Intellivision“.


Update vom 23. Mai 2023 (19:30 Uhr): Laut dem Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) hat die BBG Entertainment GmbH mit Sitz in München erst vor wenigen Monaten eine ganze Reihe von Intellivision-Spielemarken eingesammelt: Die Anmeldungen für Shark! Shark! und Astrosmash sind im Februar 2023 erfolgt und gelten nicht nur für Deutschland, sondern für alle 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

Bereits zuvor im BBG-Sortiment befanden sich mehrere Marken, die als Amico-‚Lauch-Titel‘ geplant waren, darunter Dynablaster und Brain Duel.


Intellivision ändert Amico-Geschäftsmodell

Meldung vom 23. Mai 2023 (10:45 Uhr): Per E-Mail hat sich Intellivision-Chef Phil Adam in der Nacht von Montag auf Dienstag an die Kundschaft gewandt, die weiterhin auf die Auslieferung der Familienkonsole Intellivision Amico wartet: Das Gerät sollte ursprünglich im Oktober 2020 auf den Markt kommen – noch bis vor kurzem waren Vorbestellungen bei Versendern und Elektronikmärkten für 280 € möglich. Im Lieferumfang enthalten: zwei Controller und sechs vorinstallierte Games.

Zwischenzeitlich hat Intellivision ‚limitierte‘ Spiele-Pakete für eine Konsole verkauft, für die es weiterhin keinen Liefertermin gibt. Mehr noch: Nach wie vor sind Controller für 69,99 € und Amico-Titel wie Moon Patrol oder Biplanes bei Amazon für 17,99 € bestellbar*. Mit der Entwicklung dieser und weiterer Spiele wurden auch deutsche Studios beauftragt – Bund und Länder beteiligten sich mit Subventionen im Volumen von mehr als einer halben Million Euro.

Im jüngsten Schreiben blickt Adam auf seine eineinhalbjährige Amtszeit zurück, die er als „extrem schwierig“ beschreibt – voller „Enttäuschungen innerhalb und außerhalb der Firma“. Ein Großteil der Belegschaft sei entlassen worden, das Management-Team wurde umgebaut. Adams Vorgänger Tommy Tallarico hat sich via Twitter im Frühjahr 2022 anlässlich eines kolportierten ‚Unboxings‘ der Konsole öffentlich geäußert – seitdem ist der Chief Creative Officer untergetaucht.

Auch die sonstige Kommunikation via Website und Social Media ist komplett zum Erliegen gekommen. Der europäische Vertriebspartner Plaion (bisher: Koch Media) hat letztmals im Mai 2021 eine Pressemitteilung veröffentlicht – mit Informationen zu den Amico-‚Launch-Titeln‘ und zum Zubehör, darunter eine Tragetasche für 28,99 €* und Controller-Beutel für 16,99 €.

In der E-Mail kündigt die Intellivision Entertainment LLC nun nicht weniger als einen radikalen Strategiewechsel an: Man könne sich nicht mehr ausschließlich auf das traditionelle Konsolen-Hardware-Modell verlassen. Die Entscheidung habe zwangsläufig erhebliche Auswirkungen auf das Geschäftsmodell.

Im nächsten Schritt wolle Intellivision die eigenen Spiele-Rechte lizenzieren – und auch auf „anderen Plattformen“ stattfinden. Unter der neuen Marke Amico Home würden Games auf Smartphones und Tablets veröffentlicht, was Kosten und Zugangshürden massiv reduzieren würde. Gleichzeitig bedeutet die Ankündigung auch eine Abkehr von der ursprünglichen Philosophie, wonach Amico-Spiele eben exklusiv für Amico-Konsolen erhältlich seien.

Eine erste Spur führt nach Deutschland: Bereits im September 2022 hat die Münchener BBG Entertainment GmbH die Rechte an Amico-Launch-Titeln wie Brain Duel und Dynablaster erworben – vor kurzem folgten Astrosmash und Shark! Shark!. Übersetzt: Intellivision verkauft das Games-Tafelsilber.

Und was geschieht mit dem Amico? „Wir versichern unseren Fans, dass die Auslieferung einer Konsole Teil unserer Produktstrategie bleibt“, heißt es wörtlich. In der Entwicklung und bei den Testläufen der „Pilot-Einheiten“ gäbe es Erfolge. Was aber gleichzeitig bedeutet, dass noch immer keine Produktion angelaufen ist. Als ‚Beweis‘ für die Existenz und Funktionstüchtigkeit der Konsole wurde ein neues Shark! Shark!-Video veröffentlicht, das aber keine neuen Erkenntnisse liefert.

Das vorliegende Dokument wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet – auch auf mehrmalige Nachfrage lässt Adam offen, wie viele Personen derzeit bei Intellivision beschäftigt sind (abseits von ihm selbst)? Woher kommt das Kapital für den Start der Serien-Produktion? Und was geschieht mit der Intellivision Entertainment Europe GmbH in Nürnberg, deren Geschäftsführung Adam im Juni 2022 übernommen hat, die aber weder Personal noch operative Funktion aufweist?

Klar ist nur eines: Für all jene, die eine Intellivision Amico zwischen 2018 und 2022 vorbestellt haben, geht die Ungewissheit weiter. Ob und wann und in welcher Form die Konsole ausgeliefert wird, ist offener denn je. Gleichzeitig wird das Unternehmen die erfolgten Vorauszahlungen einbehalten: Die Kunden sollen stattdessen in Kürze eine Einladung für die ‚Amico Club List‘ erhalten, die den bevorzugten Zugang zu „ausgewählten Produkten“ und Spielen ermöglichen soll.