Start Wirtschaft Corona-Folge: Speedlink-Hersteller Jöllenbeck stellt Insolvenzantrag (Update)

Corona-Folge: Speedlink-Hersteller Jöllenbeck stellt Insolvenzantrag (Update)

Unter der Marke Speedlink vertreibt die Jöllenbeck GmbH eine breite Palette an PC- und Konsolen-Zubehör (Abbildung: Jöllenbeck)
Unter der Marke Speedlink vertreibt die Jöllenbeck GmbH eine breite Palette an PC- und Konsolen-Zubehör (Abbildung: Jöllenbeck)

Die Corona-Pandemie trifft einen der bekanntesten Hersteller von PC- und Konsolen-Zubehör mit voller Wucht: Speedlink-Hersteller Jöllenbeck hat einen Insolvenzantrag gestellt.

PC- und Konsolen-Zubehör wie Gamepads, Tastaturen, Mäuse, Lenkräder, Joysticks, Lautsprecher und Headsets sind das Kerngeschäft der Jöllenbeck GmbH mit Sitz im niedersächsischen Weertzen – auf halber Strecke zwischen Bremen und Hamburg.

Unter der Marke „Speedlink“ vertreibt das Unternehmen bereits seit Mitte der 70er Elektronik-Produkte – und das in mittlerweile mehr als 40 Ländern. Speedlink-Produkte finden sich im Sortiment von Versendern, Fachhändlern, Warenhäusern und großer Filialisten.

Mit Datum vom 5. Mai 2020 hat Jöllenbeck einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht Tostedt gestellt. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Anwalt Tjark Thies von der Sozietät Reimer eingesetzt.

Als Grund für die Insolvenz nennt die Kanzlei einen „branchenweit drastischen Umsatz-Rückgang beim Verkauf von Elektronikartikeln“ infolge der Corona-Pandemie. Dieser Negativtrend habe auch die Jöllenbeck GmbH belastet, so Insolvenzverwalter Thies. Zwar habe sich der Umsatz besser entwickelt als zunächst befürchtet: „Als dann jedoch ein finanzierendes Kreditinstitut Ende April die eingeräumte Kreditlinie vollkommen überraschend und mit sofortiger Wirkung kündigte, war der Insolvenzantrag unvermeidbar.“

Der Betrieb wird laut Auskunft der Kanzlei in vollem Umfang fortgeführt. Die Löhne und Gehälter der 50 Beschäftigten seien durch eine Vorfinanzierung durch die Bundesagentur für Arbeit vorerst gesichert.

Tim Jöllenbeck, Geschäftsführer der Jöllenbeck GmbH ("Speedlink")
Tim Jöllenbeck, Geschäftsführer der Jöllenbeck GmbH („Speedlink“)

Tim Jöllenbeck, der das Unternehmen gemeinsam mit Michael Eisenblätter führt, ist ‚voller Optimismus‘ mit Blick auf eine erfolgreiche Sanierung und Fortführung der Jöllenbeck GmbH: „Wir rechnen schon in den kommenden Wochen durch die Wiedereröffnungen des Einzelhandels sowie durch Nachhol-Effekte mit einem deutlichen Umsatzanstieg.“

Seit mehreren Wochen sind Elektronikmärkte und Fachhandelsgeschäfte bundesweit wieder geöffnet.

Die Jöllenbeck GmbH generierte Umsätze jenseits von 60 Mio. Euro aus, wies aber zuletzt Verluste aus. Infolgedessen wurden Kostensenkungs-Programme eingeleitet, begleitet durch einen umfangreichen Stellenabbau. Noch im Geschäftsjahr 2016/2017 wurden durchschnittlich mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt.

Update vom 26. Mai 2020: Zeitgleich mit Jöllenbeck hat auch der niedersächsische Distributor First Wise Media einen Insolvenzantrag gestellt. Beide Unternehmen arbeiten bereits seit 2001 eng zusammen: First Wise Media beliefert den Einzelhandel mit Elektronikprodukten und koordiniert zum Beispiel die Logistik und das Warenlager für Speedlink – die Synergie-Effekte seien „nennenswert“.

Die First Wise Media GmbH gilt als profitabel – Umsatz: rund 100 Millionen Euro. Die Corona-Auswirkungen samt einer gekündigten Kreditlinie haben aber auch in diesem Fall zur Insolvenz geführt.

Ebenso wie bei Jöllenbeck läuft der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiter – die Gehälter der 200 Angestellten sind über eine Insolvenzgeld-Vorfinanzierung abgesichert. Insolvenzverwalter Thies berichtet von „äußerst vielversprechenden“ Gesprächen mit Kunden, Lieferanten, Banken und Investoren und ist zuversichtlich, sowohl das Unternehmen als auch die Arbeitsplätze retten zu können.

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