Start Wirtschaft Lootboxen in FIFA: Österreicher klagt gegen Sony (Update)

Lootboxen in FIFA: Österreicher klagt gegen Sony (Update)

In den Lootboxen von FIFA 23 sind neben Durchschnitts-Kickern auch Superstars für den Online-Modus FUT enthalten (Abbildungen: EA)
In den Lootboxen von FIFA 23 sind neben Durchschnitts-Kickern auch Superstars für den Online-Modus FUT enthalten (Abbildungen: EA)

Vor einem Gericht in Hermagor hat der Prozess gegen Sony begonnen. Vorwurf: Verstoß gegen das österreichische Glücksspielmonopol im Fußballspiel FIFA.

Update vom 18. Oktober 2022: Noch in diesem Jahr erwartet die Wiener Anwaltskanzlei Salburg ein Urteil im Verfahren gegen Sony Interactive. Das geht aus der Antwort auf eine GamesWirtschaft-Anfrage hervor.

Zur oft diskutierten Frage, warum die Klage gegen den Konsolenhersteller und nicht – wie man vermuten sollte – gegen den FIFA-Hersteller Electronic Arts läuft, gibt es eine einfache Erklärung: Weil die Kaufverträge im PlayStation Store mit Sony zustande gekommen sind.

Vorrangiges Ziel der Klage ist nach Auskunft der Kanzlei, dass der Mandant sein eingesetztes Geld zurück bekommt. Im Erfolgsfall sei allerdings nicht ausgeschlossen, dass eine – so wörtlich – „Klagelawine gegen alle möglichen Anbieter von Lootboxen“ in Gang kommt, zumindest in Österreich.

FIFA-Hersteller Electronic Arts wehrt sich seinerseits seit Jahren gegen die Kritik, es handele sich bei Lootboxen um Pay2Win- oder Glücksspiel-Mechaniken: Vielmehr gehe es um „Geschicklichkeit, Können und Erfahrung“.


Meldung vom 17. Oktober 2022: Schon im August 2020 berichtete der öffentliche-rechtliche ORF über einen damals 17jährigen Azubi aus dem Kärntner Dorf Weißbriach, der es mit dem japanischen PlayStation-Konzern Sony aufnimmt. Laut einem ORF-Bericht hat am heutigen Montag der Zivilrechts-Prozess am Bezirksgericht Hermagor begonnen.

400 € soll der Mandant von Rechtsanwalt Ulrich Salburg an der Konsole ‚verspielt‘ haben – und zwar durch den Kauf von FIFA-Points im Fußballspiel FIFA aus dem Hause Electronic Arts. Damit lassen sich zufallsgenerierte Fußballstars freischalten – wer Benzema ins Mittelfeld oder Neuer ins Tor stellen kann, hat in Online-Partien zwangsläufig spielentscheidende Vorteile.

Jugend- und Verbraucherschützer sehen in solchen Lootboxen glücksspiel-ähnliche Mechaniken mit Suchtpotenzial, was bereits zu Regulierung bis hin zu Verboten in einigen EU-Ländern geführt hat.

Genau hier setzt die Klage an: Denn der Wiener Anwalt Ulrich Salburg klagt wegen des Verstoßes gegen das staatliche Glücksspielmonopol in Österreich. Außerdem handele es sich um Wucher, weil die eingeschränkte Entscheidungsfreiheit der Kunden ausgenutzt wird.

Offen bleibt in diesem Zusammenhang, warum ausgerechnet der Konsolenhersteller Sony verklagt wird, der ja ’nur‘ die Plattform stellt – und nicht der FIFA-Hersteller Electronic Arts. Sony soll laut ORF bereits im August 2020 darauf bestanden haben, den Fall in der Hauptstadt Wien oder am Sitz der Europa-Zentrale in London zu verhandeln – dem Antrag wurde allerdings nicht stattgegeben. Für den Vertrieb der PlayStation-Konsolen im deutschsprachigen Raum ist die Sony Interactive Entertainment GmbH mit Sitz in Neu-Isenburg bei Frankfurt zuständig.

Der Prozess findet nun zwar in der kleinen 7.000-Seelen-Gemeinde in Kärnten statt, könnte aber weitreichende Folgen für den Vertrieb von Computerspielen in Österreich und darüber hinaus haben. Denn abseits von Electronic Arts setzen noch weitere Spielehersteller auf Lootboxen und vergleichbare Geschäftsmodelle.

Das am 30. September erschiene FIFA 23 ist ebenso wie die Vorgänger in Deutschland ohne Altersbeschränkungen freigegeben.

GamesWirtschaft hat die beauftragte Kanzlei um eine Stellungnahme gebeten – Update folgt.

1 Kommentar

  1. Was für ein überflüssiger Rechtsfall. Man sollte sich schon im Vorfeld entscheiden, wofür man etwas zahlt, aber erst zahlen und dann klagen ist schon dreist…

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