Start Sport Drohender Abstieg: Schalke 04 Esports prüft LEC-Startplatz-Verkauf (Update)

Drohender Abstieg: Schalke 04 Esports prüft LEC-Startplatz-Verkauf (Update)

Schalke hat den E-Sport-Betrieb in die FC Schalke 04 Esports GmbH ausgelagert (Abbildung: Riot Games / Konami)
Schalke hat den E-Sport-Betrieb in die FC Schalke 04 Esports GmbH ausgelagert (Abbildung: Riot Games / Konami)

Königsblau taumelt dem Abstieg in die 2. Liga entgegen – vor diesem Hintergrund stellt Schalke 04 Esports auch das E-Sport-Engagement auf den Prüfstand.

Update vom 9. April 2021: Mit Marketing-Vorstand Alexander Jobst verliert Schalke 04 eine der treibenden Kräfte mit Blick auf das vereinseigene E-Sport-Geschäft. Unter seiner Führung haben die Gelsenkirchener einen hohen einstelligen Millionen-Betrag in den E-Sport investiert und die FC Schalke 04 Esports GmbH ausgegliedert.

Jobst wird den Klub im Sommer vorzeitig verlassen – der Aufsichtsrat hat seiner Bitte zugestimmt. Der Schalke-Manager begründete die Entscheidung auch mit „anonymen Anfeindungen bis hin zu Bedrohungen“ gegen ihn und seine Familie: Dadurch sei eine „rote Linie“ überschritten worden.

Da der Schalke-Abstieg aus der 1. Bundesliga für den Tabellenletzten bei sieben verbleibenden Spielen und 15 Punkten auf einen Nichtabstiegsplatz nur noch durch ein königsblaues Wunder zu verhindern ist, beschäftigt sich der Verein intensiv mit der Zukunft von Aktivitäten außerhalb des Kerngeschäfts Fußball. Mit Blick auf die immense Schuldenlast und niedrigere Erlöse in der 2. Bundesliga wurden zuletzt Investitionen ins Vereinsgelände gestoppt.

Bei der Vorstellung des Konzerngeschäftsberichts in dieser Woche hatte Finanzvorstand Christina Rühl-Hamers bereits klargestellt, dass nun strategische Entscheidungen zu treffen seien, inwieweit der E-Sport eine Zukunft auf Schalke hat.

Gegenüber dem Sportinformationsdienst (SID) hat Schalkes Chief Gaming Officer Tim Reichert durchblicken lassen, dass zwischen Mitte und Ende Juni 2021 eine Entscheidung fallen soll, was mit der erworbenen Lizenz für die League of Legends-Franchise-Liga LEC geschieht. Reichert geht davon aus, dass der Wert dieser Lizenz gegenüber dem Einkaufspreis von 8 Millionen Euro spürbar gestiegen ist.

Meldung vom 1. März 2021: Magere 9 Punkte nach 23 Spieltagen, 16 Niederlagen bei nur einem Sieg, eine Tordifferenz von -45, dazu 9 Punkte Abstand zum Relegationsplatz – und am gestrigen Sonntag wurden nach einer weiteren 5:1-Niederlage gegen Aufsteiger Stuttgart auch noch Trainer, Co-Trainer, Sportvorstand und Team-Manager entlassen: Schalke 04 steht vor einer ungewissen Zukunft, zumal ein Schuldenberg von weit über 200 Millionen Euro drückt und der Vertrag mit Hauptsponsor Gazprom laut Medienberichten nur für die 1. Liga gilt.

Der hochwahrscheinliche Abstieg in die 2. Bundesliga hätte jedoch nicht nur für den Fußballbetrieb massive sportliche und finanzielle Folgen, sondern auch für die Aktivitäten der 100%igen Tochter FC Schalke 04 Esports GmbH. Mehr als 500 Kilometer von der Veltins-Arena entfernt – genauer: in Berlin-Charlottenburg – betreibt die Schalke-Tochter seit 2016 die Disziplinen FIFA, eFootball PES und League of Legends, der weltweit führende E-Sport-Titel von Riot Games. Für einen kolportierten Tarif von 8 Millionen Euro hat Schalke 04 einen Startplatz in der europäischen Profiliga LEC (League of Legends European Championship) erworben. Dort belegt der Kader derzeit den 8. von 10 Plätzen – dort ist zumindest ein Abstieg nicht vorgesehen.

Just dieser Startplatz könnte sich in der existenziellen Krise des Gelsenkirchener Traditionsvereins als wertvolles ‚Asset‘ erweisen. Die Verantwortlichen haben in der Vergangenheit regelmäßig darauf hingewiesen, dass der Wert dieses Rechte-Pakets mittlerweile deutlich gestiegen ist – jetzt ist der Klub möglicherweise dazu gezwungen, sich von der LEC-Lizenz zu trennen.

In einer via Twitter verbreiteten Stellungnahme verweisen Chief Gaming Officer Tim Reichert und Geschäftsführer Claudio Kasper auf die Belastungen durch die Corona-Situation, da den Klubs die Ticket-Einnahmen weggebrochen seien. Weitaus bedrohlicher seien allerdings die finanziellen Folgen einer möglichen Abstiegs. Daher müsse der Klub alle Optionen prüfen, um neue Geldquellen zu erschließen.

Schalke 04 Esports legt Wert darauf, dass man sich nicht freiwillig vom LEC-Startplatz trennen wolle oder dies bereits getan habe, zumal es im Klub weiterhin den Glauben an das „unglaubliche Wachstum“ und die langfristigen Vorteile der LEC gebe. Allerdings müsse man sich auf mögliche Szenarien vorbereiten, die es notwendig machen, das Kernprodukt Fußball zu stärken.

Bis Ende der Bundesliga-Saison – also bis Mai – will sich der Verein entscheiden, wie mit der League of Legends-Startlizenz verfahren wird. Klar ist: Ohne League of Legends lässt sich kaum ein seriöses oder gar profitables E-Sport-Business betreiben – im FIFA-Bereich, etwa in der Virtual Bundesliga, fallen die Preisgelder erheblich geringer aus.

Schalke 04 ist der einzige Bundesligist, der in substanzieller Größenordnung in den E-Sport investiert hat. Das Geschäftsmodell sieht unter anderem Erlöse durch Merchandise, Medienrechte und Ticketverkäufe vor. Zu den Hauptsponsoren zählen die Versicherungsgruppe R+V, die Krankenkasse AOK, Spielehersteller Konami und die Tönnies-Marke Tillman’s Toasty.