Start Politik KulturPass der Bundesregierung – auch für Games?

KulturPass der Bundesregierung – auch für Games?

Staatsministerin Claudia Roth (Bündnis 90 / Die Grünen) ist seit Dezember 2021 die Beauftragte der Bundesregierun für Kultur und Medien (Foto: Kristian Schuller)
Staatsministerin Claudia Roth (Bündnis 90 / Die Grünen) ist seit Dezember 2021 die Beauftragte der Bundesregierun für Kultur und Medien (Foto: Kristian Schuller)

Mit einem „kulturellen Geburtstagsgeschenk“ will die Bundesregierung alle 18jährigen ausstatten – doch beim ‚KulturPass‘ gibt es noch viele Fragezeichen.

„200 Euro Guthaben für Platten, Kino oder Museum“ – so lautet das Konzept der Bundesregierung für den sogenannten KulturPass, der am morgigen Mittwoch im Bundestag debattiert wird. Mit dem neuen Programm will Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) zum einen die pandemie-gebeutelte Kulturbranche unterstützen und gleichzeitig junge Menschen für Kultur-Angebote begeistern.

Vergleichbare Programme gibt es bereits in Frankreich, Italien oder Spanien sowie in einigen deutschen Kommunen.

Der KulturPass soll ab dem 2. Quartal 2023 allen jungen Erwachsenen zum 18. Geburtstag zugänglich gemacht werden – im Schnitt immerhin 750.000 Personen pro Jahr. 100 Millionen € hat Finanzminister Christian Lindner (FDP) im Haushalt 2023 eingeplant.

Nach Roths Vorstellungen wird sich das Guthaben via App und Website zwei Jahre lang einlösen lassen. Bei Erfolg könnte das Programm in einem zweiten Schritt auch auf Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren ausgeweitet werden.

Klingt nach einem pfiffigen Konzept. Unterschiedliche Auffassungen gibt es allerdings darüber, was genau unter den „Kultur“-Begriff fällt. Auf der Website der Bundesregierung werden Konzerte, Theater- und Kinovorstellungen, Museen, Ausstellungen sowie Bücher und „Vinylplatten“ (kein Scherz) als Beispiele genannt.

Die Nutzung soll zudem beschränkt werden auf „lokale Kulturanbieter“ – große Verkaufsplattformen und Online-Versandhändler wären ausgeschlossen. Damit will der Bund verhindern, dass das Geld umgehend für Amazon-Bestellungen oder Netflix- und Spotify-Abos ausgegeben wird.

Der Deutsche Kulturrat hatte bereits kurz nach der KulturPass-Ankündigung die Frage aufgeworfen, wie die konkrete Abgrenzung aussehen soll und ob ein Ausschluss einzelner Angebote wettbewerbsrechtlich überhaupt zulässig wäre. Übersetzt: Gilt der amtliche KulturPass nur für Die Leiden des jungen Werther und den Fänger im Roggen – oder auch für Harry Potter und der Stein der Weisen? Zauberflöte ja, Ed Sheeran nein?

Wer entscheidet im Zweifel, welche Art von Kultur für 18jährige ‚gut‘ ist – und welche nicht? Und was ist mit Computer- und Videospielen, die ja auch als Kulturgut gelten?

Kulturrat-Geschäftsführer Olaf Zimmermann hält den Kulturpass prinzipiell für „eine sehr gute Idee“, zumal sowohl die Jugendlichen wie auch der Kulturbereich besonders unter der Corona-Pandemie gelitten hätten. Gleichwohl hält er den geplanten Betrag von 100 Millionen Euro für das kommende Jahr für „sehr knapp bemessen“.

Zimmermann kritisiert außerdem, dass wichtige Kulturbereiche nicht unter die neue Regelung fallen werden, etwa Maßnahmen der kulturellen Bildung und digitale Kulturangebote: „Wir fordern das Bundeswirtschaftsministerium auf, ebenfalls den Kulturpass aus seinem Haushalt zu unterstützen, damit auch digitale Angebote ermöglicht werden, wie der Kauf von Games oder digitaler Musik.“

1 Kommentar

  1. Zitat: „Auf der Website der Bundesregierung werden Konzerte, Theater- und Kinovorstellungen, Museen, Ausstellungen sowie Bücher und „Vinylplatten“ (kein Scherz) als Beispiele genannt.“

    Vinylschallplatten sind ja auch kein Scherz, sondern boomen sehr stark. 🙂

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