Mit dem Facelifting-Modell Xbox One S zieht Microsoft ins Weihnachtsgeschäft 2016. GamesWirtschaft zieht eine erste Bilanz nach drei Jahren Xbox One.

Wer weiß, wie die Kräfteverhältnisse im Spielkonsolenmarkt heute aussähen, wenn Microsofts E3-Pressekonferenz 2013 nicht vor, sondern nach der PlayStation-4-Vorstellung stattgefunden hätte? Wenn man nicht mit einem deutlich höheren Preis infolge der unpopulären Gesten- und Sprachsteuerung Kinect an den Start gegangen wäre? Wenn die Konsole nicht als „All in One“-Gerät (daher der Name) für Musik, Film, Streaming, Internet, TV und Spiele positioniert worden wäre? Sondern vorrangig als Konsole „for the players“, wie im Falle von Sony?

Alles hypothetisch. Fakt ist: Drei Jahre nach Markteinführung hat die Xbox One weltweit rund 25 Millionen Abnehmer gefunden, die PlayStation 4 liegt – grob über den Daumen gepeilt – beim Doppelten.

Neu gemischt werden die Karten ab dem Herbst 2017: Dann erscheint mit „Project Scorpio“ (Arbeitstitel) die laut Microsoft-Eigenwerbung leistungsfähigste Spielkonsole des Planeten. Preis, Termin, Spiele, Name – alles unbekannt. Was aber feststeht: Wer heute Zubehör und Xbox-One-Spiele erwirbt, kann diese bei einem Umstieg auf Project Scorpio weiterverwenden.

Xbox One: Microsofts Gegenangebot zur PlayStation 4 Slim

499 Euro kostete die Xbox One zum Start – das aktuelle Modell Xbox One S ist für unverbindliche empfohlene 299 Euro zu haben und damit preislich wie auch technologisch auf einer Stufe mit der generalüberholten PlayStation 4 Slim. Wer sich heute für eine Spielkonsole entscheidet, hat also die Wahl zwischen zwei in jeder Hinsicht vergleichbaren Angeboten. Noch mehr Power bietet nur die am 10. November erschienene, gut 100 Euro teurere PlayStation 4 Pro.

Den wesentlichen Unterschied machen andere Aspekte aus, etwa der Controller oder die Auswahl an Spielen. Blockbuster wie Battlefield 1, Grand Theft Auto 5, FIFA 17 oder Call of Duty: Infinite Warfare sind natürlich für beide Systeme zu bekommen. Sowohl Microsoft als auch Sony locken mit Exklusivtiteln. Xbox-One-Fans erfreuen sich an Titeln wie Gears of War 4, Halo 5: Guardians oder dem hochdekorierten Rennspiel Forza Horizon 3.

Gilt als eines der gelungensten Rennspiele der vergangenen Jahre: Forza Horizon 3 ist exklusiv für die Xbox One erhältlich.
Gilt als eines der gelungensten Rennspiele der vergangenen Jahre: Forza Horizon 3 ist exklusiv für die Xbox One erhältlich.

Xbox One S: Das aktuelle Modell

Die in edlem Weiß gehaltene Xbox One S wird seit August 2016 verkauft und gilt als das neue Xbox-One-Hauptmodell. Hauptargumente sind die kompakteren Abmessungen, der geringere Energieverbrauch samt niedrigerer Wärme-Entwicklung, das integrierte Netzteil und optimierte Bildqualität durch besseren Kontrast (Stichwort HDR – High Dynamic Range).

Wer einen modernen 4K-/UHD-Fernseher sein Eigen nennt, profitiert vom eingebauten 4K-Blu-Ray-Player – die PlayStation 4 Slim/Pro verfügt nur über einen gewöhnlichen Blu-Ray-Player.

Die Xbox One S-Modelle unterscheiden sich in der Festplattengröße und damit auch in den unverbindlichen Preisempfehlungen.

  • Xbox One S mit 500 GB – ca. 300 Euro
  • Xbox One S mit 1 TB – ca. 350 Euro
  • Xbox One S mit 2 TB – ca. 399 Euro

Die tatsächlichen Handelspreise liegen teils deutlich unter diesen Tarifen – so ist die Xbox One S mit einer Zwei-Terabyte-Festplatte vielfach für 350 Euro im Sortiment.

Im Lieferumfang der Xbox One S inklusive ist der Controller, der die bewährten Konturen und Eigenschaften der Vorgängermodelle kultiviert und in Details verbessert. Für Multiplayer-Matches empfiehlt sich grundsätzlich die Anschaffung eines zweiten kabellosen Controllers, der mit rund 50 bis 60 Euro zu Buche schlägt. Den Wireless Controller gibt es nicht nur in Weiß und Schwarz, sondern seit kurzem auch in modischen Trendfarben wie „Copper Shadow“ (Kupfer), „Dawn Shadow“ (Pink-Schwarz) oder „Dusk Shadow“ (Türkis-Schwarz).

Höhere Ansprüche an Haptik und Komfort befriedigt der Xbox One Elite Wireless-Controller: metallene, austauschbare Analog-Sticks, zusätzliche Tasten und wechselbare Steuerkreuze richten sich an Pro-Gamer und ambitionierte Hobbyspieler. Das macht sich auch beim Preis von 130 Euro bemerkbar.

Das Xbox One S-Bundle enthält neben der Konsole auch das Fußballspiel FIFA 17.
Das Xbox One S-Bundle enthält neben der Konsole auch das Fußballspiel FIFA 17.

Xbox One Bundles mit FIFA, Call of Duty & Co.

Konsole plus Spiel ergibt ein Bundle, also ein Kombi-Paket, das Microsoft in Kooperation mit Spieleherstellern zusammenstellt. Der Preisvorteil gegenüber dem Einzelkauf schwankt erheblich: So wird das FIFA 17-Bundle für 299 Euro angeboten – der Käufer bekommt das EA-Sports-Fußballspiel somit quasi geschenkt. Bei anderen Bundles werden 350 Euro und mehr fällig, der Preisunterschied fällt also gering aus.

In jedem Fall lohnt es sich, die Tarife tagesaktuell zu vergleichen. Und noch ein Tipp: Lassen Sie sich kein Bundle mit dem Auslaufmodell (also der „alten“ Xbox One) andrehen – achten Sie darauf, dass im Paket tatsächlich die neue Xbox One S enthalten ist.

Xbox One Verkaufszahlen in Deutschland

Wie auch Sony veröffentlicht Microsoft keine länderspezifischen Verkaufszahlen der Spielkonsolen – Hardware- und Spiele-Hersteller sind Meister darin, den Markt mit selbstgemachten Kennzahlen zu verwirren. So werden zum Beispiel nur jene Stückzahlen benannt, die an den Handel „reinverkauft“ wurden, nicht aber die weit spannenderen „Durchverkäufe“.

Den echten Zahlen kann man sich also nur grob nähern. Wirtschaftsmagazine veröffentlichen regelmäßig Hochrechnungen und Prognosen des Marktforschungsunternehmens GfK. Dank zuletzt anziehender Verkaufszahlen und einem gefacelifteten Xbox-Modell rechnen Beobachter mit in Summe 750.000 bis 800.000 Geräten zum Stichtag 31.12.2016.

Zum Vergleich: Die PlayStation 4 wird bis Ende 2016 rund 5 Millionen Konsolen unters Volk gebracht haben – die Ratio liegt in Deutschland also bei rund 6:1 zugunsten von Sony.

Nach Schätzungen liegen die Verkaufszahlen der Xbox One bei rund 750.000 Stück bis Ende 2016.
Nach Schätzungen liegen die Verkaufszahlen der Xbox One bei rund 750.000 Stück bis Ende 2016.

Xbox One: Die Spiele-Bestseller

Der deutliche Abstand bei den Konsolen-Verkaufszahlen zur PlayStation 4 wirkt sich natürlich auch auf die Absatzzahlen der Spiele aus. Nach Berechnungen des Branchenverbands BIU gab es seit Launch der Xbox One im Jahr 2013 exakt sechs Titel, von denen mehr als 100.000 Stück verkauft wurden.

Konkret handelt es sich um Call of Duty: Black Ops 3, Halo 5 Guardians, Grand Theft Auto 5 sowie FIFA 15, FIFA 16 und FIFA 17.

Mit 50 bis 60 Euro muss kalkulieren, wer einen Spiele-Blockbuster für die Xbox One erwerben möchte. Schon nach einigen Monaten sinken die Tarife deutlich: Dann gibt es Spiele wie GTA 5, Far Cry 4 oder Forza 5 bereits für 30 bis 40 Euro. Und dann sind da ja noch die vielen tausend charmanten Produktionen kleinerer Studios, die im Xbox Live-Store für wenige Euro oder kostenlos zu haben sind.

Besonders bemerkenswert – auch und gerade im Vergleich zur PlayStation 4 – ist die Auswahl an hervorragenden Xbox-One-Rennspielen. Forza Motorsport 5 (2013), Forza Horizon 2 (2014) und das aktuelle Forza Horizon 3 zählen systemübergreifend zur Spitzenklasse.

Für 2017 sind Neuheiten wie das Strategiespiel Halo Wars 2, das Piraten-Abenteuer Sea of Thieves, Ubisofts Mittelalter-Action-Spiel For Honor, das Science-Fiction-Rollenspiel Mass Effect: Andromeda und Capcoms Horror-Spiel Resident Evil 7: Biohazard geplant.

Sechs Xbox One-Spiele haben in Deutschland die Marke von 100.000 Stück übersprungen.
Sechs Xbox One-Spiele haben in Deutschland die Marke von 100.000 Stück übersprungen.

Xbox Live: Das Online-Netzwerk

Will man sich im Online-Modus mit anderen messen, ist eine Mitgliedschaft bei dem kostenpflichtigen Online-Dienst Xbox Live zwingend erforderlich. Xbox Live umfasst darüber hinaus den Xbox Live Marktplatz, wo sich Spiele und Demos herunterladen lassen. Ein laufend aktualisierter Steckbrief – die Gamercard – bietet einen Überblick über Spielfortschritt und Spielerfolge („Gamerscore“).

Anhand der Freundesliste ist auf den ersten Blick ersichtlich, wer gerade online ist. Des Weiteren gehören monatlich wechselnde Gratis-Spiele zum Programm. Xbox Live Gold kostet rund 60 Euro pro Jahr, die Drei-Monats-Karte ist für 20 Euro zu haben.

Dank Xbox Play Anywhere lassen sich sich bestimmte Spiele sowohl auf der Xbox One als auch mit einem Windows-10-PC betreiben. Geeignete Titel wie Gears of War 4 oder Forza Horizon 3 sind mit dem Logo „Xbox Play Anywhere“ gekennzeichnet.

Auf der E3 2016 stellte Xbox-Chef Phil Spencer sowohl die Xbox One S als auch Project Scorpio vor.
Auf der E3 2016 stellte Xbox-Chef Phil Spencer sowohl die Xbox One S als auch Project Scorpio vor.

Project Scorpio ab Herbst 2017

Der Hoffnungsträger von Microsoft hört auf den Arbeitstitel „Project Scorpio“, die Markteinführung ist für das Weihnachtsgeschäft 2017 geplant. Das Kraftpaket soll mit bis dato beispielloser Leistung ausgestattet sein und beste Bildqualität dank „echtem“ 4K-Gaming ermöglichen.

Auch wenn diese Ankündigungen seitens der Sony-Ingenieure und von manchem Experten bezweifelt werden: Mindestens auf dem Papier wird Microsoft das leistungsstärkste Gerät am Markt haben und damit die PlayStation 4 Pro ablösen. Viel entscheidender wird aber sein, was die Spielehersteller mit dem Mehr an Leistung anstellen. Einen Schwerpunkt werden mutmaßlich Virtual-Reality-Spiele bilden, die als besonders ressourcen-hungrig gelten.

Als Faustregel gilt: Alle Spiele, die auf Xbox One und Xbox One S laufen, funktionieren auch mit Project Scorpio. Controller und anderes Zubehör kann weiterverwendet werden. Das macht Project Scorpio für all jene interessant, die schon jetzt in der Xbox-Welt zu Hause sind und mit einer Aufrüstung liebäugeln.

Für den Markterfolg wird neben der Leistung und dem Spiele-Portfolio nicht zuletzt der Preis eine wichtige Rolle spielen. Beobachter rechnen mit einem Korridor von 400 bis 500 Euro/Dollar.

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