Start Wirtschaft Ubisoft Blue Byte: „Potenzial für 1.000 Jobs in Deutschland“

Ubisoft Blue Byte: „Potenzial für 1.000 Jobs in Deutschland“

Benedikt Grindel (Managing Director) und Istvan Tajnay (Studio Manager Ubisoft Berlin) wollen die Entwicklungskapazitäten in Deutschland zügig ausbauen.
Benedikt Grindel (Managing Director) und Istvan Tajnay (Studio Manager Ubisoft Berlin) wollen die Entwicklungskapazitäten in Deutschland zügig ausbauen.

Rund 350 Mitarbeiter sind derzeit bei Ubisoft Blue Byte beschäftigt – es könnten drei Mal so viele werden, und das in sehr kurzer Zeit, prophezeit Studio-Chef Benedikt Grindel. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Bundesregierung zügig zur Umsetzung der Games-Förderung durchringt.

Vor exakt einem Jahr hat Ubisoft angekündigt, nach Düsseldorf und Mainz ein drittes Studio in Deutschland zu eröffnen – und zwar in Berlin. Im Herbst 2017 wurde der Mietvertrag für ein Stockwerk im ehemaligen Gebäude der Berliner Bank direkt am Kurfürstendamm unterschrieben, unweit der Gedächtniskirche.

Seit fünf Monaten wird kräftig umgebaut und renoviert, parallel läuft bereits die operative Entwicklung. Spätestens im Sommer soll die offizielle Eröffnung stattfinden.

Ubisoft Berlin ist Teil des internationalen Studioverbunds, der künftige Inhalte für den überaus erfolgreichen Open-World-Shooter „Far Cry 5“ produziert. Das Spiel für PC, PlayStation 4 und Xbox One ist seit 27. März auf dem Markt und hat allein in Deutschland bereits mehr als eine halbe Million Käufer gefunden.

Ubisoft Blue Byte: Far Cry 5, Anno 1800 und Avatar

Der verantwortliche Studio-Manager in Berlin heißt Istvan Tajnay: Er war zuletzt Studio Operations Manager in der Blue-Byte-Zentrale in Düsseldorf und hat zuvor mehrere Jahre für Publisher in London gearbeitet. Tajnay weiß um die Vorzüge des Standorts Berlin, die für die Bewerber eine wichtige Rolle spielen. So seien etwa die Mieten im Vergleich mit anderen europäischen Metropolen weiterhin günstig. Die Aussicht, an einer der weltweit größten Spielemarken mitarbeiten zu können, ist natürlich das Haupt-Argument. Das derzeit 40köpfige Team wird daher schnell auf die geplante Reiseflughöhe von 50 Vollzeitstellen anwachsen.

Für die drei Standorte sind derzeit mehr als 70 Jobs ausgeschrieben. Die Filiale in Mainz arbeitet an „Anno 1800“ (erscheint Ende des Jahres) und am Piraten-Abenteuer „Skull & Bones“, das Hauptquartier in Düsseldorf produziert weiterhin Erweiterungen für „For Honor“ und „Rainbow Six Siege“. Daneben hinaus beschäftigt sich ein eigenes Projektteam in Zusammenarbeit mit der Uni Köln mit prozedural, also zufällig generierten Spielwelten. Die Europäische Union fördert die Forschungsarbeit mit über 800.000 Euro.

Ganz frisch ist die Information, dass Ubisoft Blue Byte Düsseldorf am „Avatar“-Projekt mitentwickelt, das in Malmö bei den „The Division“-Schöpfern von Massive Entertainment entsteht. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll das Spiel über einen Battle-Royale-Modus à la „PlayerUnknown’s Battlegrounds“ oder „Fortnite“ verfügen, was wiederum eine Einsatzmöglichkeit für die prozedural erzeugten Spielwelten böte – wie gesagt: Gerüchte.

Ubisoft Blue Byte: Potenzial für 1.000 Mitarbeiter in Deutschland

Kein Gerücht, sondern Fakt sind die ambitionierten Pläne für den Ausbau der Entwicklungskapazitäten in Deutschland. Derzeit stehen rund 350 Mitarbeiter auf der Gehaltsliste. Im GamesWirtschaft-Gespräch zeigt sich Blue-Byte-Manager Benedikt Grindel fest überzeugt, dass die Ubisoft-Tochter mittelfristig mehr als 1.000 Spiele-Entwickler beschäftigt. Zur Einordnung: Diese Zahl würde in etwa der Summe der Beschäftigten von InnoGames, Bigpoint und Goodgame Studios entsprechen, den drei mitarbeiterstärksten Entwicklern in Deutschland.

Wie schnell diese Marke erreicht werden kann, macht Grindel vor allem davon abhängig, wann und in welchem Umfang die geplante Games-Förderung zustande kommt. Im aktuellen Konzept des Branchenverbands Game, an dem Grindel maßgeblich mitgeschrieben hat, ist explizit vorgesehen, dass auch Ko-Entwicklungen à la „Far Cry 5“ förderfähig sind – auch, wenn die Federführung wie in diesem Fall in Kanada liegt.

Wer weiß, vielleicht geht alles ganz schnell und im Oktober 2018 liegt bereits ein fertig ausformulierter Gesetzentwurf auf dem Geschenketisch: Dann feiert die Marke Blue Byte das 30jährige Jubiläum.

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