Start Wirtschaft Standort-Studie: Games-Verbände legen Abschlussbericht vor

Standort-Studie: Games-Verbände legen Abschlussbericht vor

Für die Games-Studie 2017 durchleuchten GAME und BIU den Games-Standort Deutschland.
Für die Games-Studie 2017 durchleuchten GAME und BIU den Games-Standort Deutschland.

250 Seiten geballte Information: Ministerien und Verbände haben heute in Berlin die Ergebnisse der bundesweiten Standort-Studie vorgestellt.

Einen Gruß aus der Küche verteilten die Studien-Ersteller bereits kurz vor der Gamescom 2017: Das „Executive Summary“ nahm die wichtigsten Erkenntnisse vorweg. Jetzt liegt die abschließende Standort-Studie vor, die auf rund 250 Seiten einen umfassenden Überblick über den Status Quo der deutschen Games-Branche liefert.

In einigen Details weicht der Abschlussbericht von den vorläufigen Informationen ab, weil zusätzliche Erhebungen in die Studie eingeflossen sind. An den großen Linien hat sich seit der Gamescom natürlich nichts geändert: Demnach erzielen deutsche Spiele-Entwickler fast die Hälfte des Umsatzes – nämlich 46 Prozent – im Ausland.

Diese im Branchenvergleich hohe Export-Quote sei ein Beleg dafür, dass sich digitale Spiele hervorragend dazu eignen, „kulturelle Werte in alle Welt zu exportieren“.

Die 650 Unternehmen der Games-Branche beschäftigen derzeit rund 14.000 Mitarbeiter; bis zu 600 Absolventen schließen die Studiengänge an den Hochschulen und Universitäten erfolgreich ab. Zum bundesdeutschen Gesamtumsatz von rund 2,9 Milliarden Euro steuern deutsche Entwickler allerdings nur wenige Prozente bei.

Die Branchenverbände vergleichen den Computerspiele-Markt mit den Einnahmen der Musik-Industrie (1,5 Mrd. Euro) und dem Kino (1,17 Mrd. Euro). Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass in den 2,9 Milliarden Euro die Umsätze mit Spielkonsolen und Gamepads inklusive sind. Zudem berücksichtigt der reine Kinokassen-Umsatz nicht das substanzielle Folgegeschäft aus DVD-/BluRay-Verkäufen, Streaming und TV-Auswertung.

Standort-Studie: Ruf nach besseren Rahmenbedingungen

„Starkes wirtschaftliches und kulturelles Potenzial“ attestiert die Studie dem deutschen Games-Standort. Gleichzeitig stünden hiesige Unternehmen vor „großen Herausforderungen“ bei der internationalen Vermarktung ihrer Produkte.

Zu den erwartbaren Schlussfolgerungen aus der Studie zählt daher die Erkenntnis, dass Deutschland einen Standortnachteil gegenüber Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder Kanada aufweist. Dort gibt es umfangreiche steuerliche Anreizsysteme und Fördermechanismen, die sich wohltuend auf den Arbeitsmarkt, den Branchenumsatz und die Ansiedlung von Unternehmen ausgewirkt haben.

Eine vergleichbare Entwicklung erwarten die Branchenverbände auch von den durchgerechneten Fördermodellen auf Bundesebene.

GAME-Vorstands-Chef Stefan Marcinek mahnt, dass die Rahmenbedingungen dringend verbessert werden müssen – ansonsten würde der Standort Deutschland den Anschluss „vollständig verpassen“. Von der Politik erwarte der Verband, dass Unternehmen aller Größenordnungen die Chance bekämen, nachhaltig am internationalen Wettbewerb teilhaben zu können.

Talente, Technik, Tatendrang – all das sei gegeben, um „Games made in Germany“ zu einem Exportschlager zu machen, resümmiert BIU-Geschäftsführer Felix Falk. Er sieht in den 250 Seiten der Studie eine „Pflichtlektüre“ für die Politik, um die richtigen Weichenstellungen vornehmen zu können.

Studien-Autoren Müller-Lietzkow und Castendyk: „Herausforderungen realistisch beurteilen“

Die Autoren der Studie – die Professoren Oliver Castendyk (Hamburg Media School) und Jörg Müller-Lietzkow (Universität Paderborn) – appellieren, die Herausforderungen realistisch zu beurteilen und die richtigen politischen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Hessens Wirtschafts-Minister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) sieht sein Bundesland als „starken Branchenstandort“, man wolle aber noch besser werden. Wie das gehen könnte, zeigen Bundesländer wie Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern oder das Saarland – dort hat man sich zu einer Aufstockung der Fördermittel entschieden, während es weder in Hessen noch in Rheinland-Pfalz eine dezidierte Games-Förderung gibt. Die Games-Umsatz-Relevanz Hessens ergibt sich vorrangig aus den Niederlassungen internationaler Großkonzerne wie Sony Interactive, Nintendo, Bethesda oder Konami.

Aus Sicht von Kultus-Staatsministerin Monika Grütters, deren Haus ebenso wie Hessen und Berlin die Studienkosten von 125.000 Euro mitfinanziert hat, zeigen die Ergebnisse die große Bedeutung des Mediums Games.

Die komplette Studie ist auf der Website der Hamburg Media School kostenlos abrufbar.

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