Start Wirtschaft Nach dem 260-Millionen-Deal: Die Zukunft von InnoGames

Nach dem 260-Millionen-Deal: Die Zukunft von InnoGames

InnoGames-CEO Hendrik Klindworth und MTG-Manager Arnd Benninghoff
InnoGames-CEO Hendrik Klindworth und MTG-Manager Arnd Benninghoff

Mit Mitte 30 kommt der Rückzug aufs Altenteil womöglich zu früh: Die InnoGames-Gründer bleiben trotz Teil-Exit auch in den kommenden Jahren an Bord.

133 Millionen Euro haben die Schweden bereits investiert – weitere 127 Millionen Euro könnten in den nächsten fünf Jahren folgen. Denn der neue Eigentümer Modern Times Group (MTG) hat mit den drei InnoGames-Gründern vereinbart, dass er seinen Anteil von derzeit 51 Prozent auf 100 Prozent zum Festpreis erhöhen darf. So steht es im Kleingedruckten des MTG-Geschäftsberichts. Bedeutet: Das Gründertrio hat sich dazu entschieden, das Unternehmen in Etappen komplett abzugeben.

Was heißt das für den Kurs von InnoGames, die Belegschaft, das Gründer-Trio und die Strategie von MTG? Die Fragen von GamesWirtschaft beantworteten:

  • Hendrik Klindworth hat das Studio vor zehn Jahren zusammen mit Bruder Eike und Michael Zillmer gegründet. 2016 erwirtschaftete das Hamburger Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitern einen Rekord-Umsatz von 130 Millionen Euro. Alle Browsergames und Mobilegames basieren auf dem Free2play-Modell. Bekanntestes Produkt: das Aufbauspiel „Forge of Empires“, das in diesem Jahr fünfjähriges Jubiläum feiert.
  • Arnd Benninghoff ist seit Dezember 2015 Excecutive Vice President und CEO der MTG-Spiele-Sparte MTGx, zu der neben Innogames auch der eSports-Veranstalter ESL, das eSports-Festival Dreamhack und verschiedene Netzwerke gehören. Zuvor bekleidete Benninghoff mehrere Stationen bei deutschen Medien-Unternehmen, darunter ProSiebenSat1, Holtzbrinck und Tomorrow Focus.
Zehn Jahre InnoGames: Strammes Wachstum bei Umsatz und Mitarbeitern
Zehn Jahre InnoGames: Strammes Wachstum bei Umsatz und Mitarbeitern

Die Zukunft von InnoGames: CEO Hendrik Klindworth und MTGx-Manager Arnd Benninghoff im Interview

GamesWirtschaft: Seit August ist MTG an InnoGames beteiligt. Deren CEO Lindemann lobt das InnoGames-Team mit Blick auf „Strategie, Kultur, Performance und Management“. An welchen Stellen klappt das Zusammenspiel besonders gut – und in welchen Bereichen sind die beiden Partner bislang auf unerwartete Hürden gestoßen?

Klindworth: InnoGames und MTG ergänzen sich sehr gut, da beide Unternehmen in ihrem Unternehmensfeld echte Experten sind. InnoGames hat in den vergangen zehn Jahren einige international erfolgreiche Spiele entwickelt, die nicht nur Millionen von Menschen auf der ganzen Welt begeistern, sondern auch mit verschiedenen Auszeichnungen prämiert wurden. MTG steuert ein breit aufgestelltes Mediennetzwerk und Beteiligungen an anderen Unternehmen der Branche bei. Beides ist perfekt dazu geeignet InnoGames‘ Spiele zukünftig noch bekannter zu machen.

Sowohl bei InnoGames als auch bei MTG arbeiten hochmotivierte Mitarbeiter mit großer Expertise aus vielen unterschiedlichen Nationen, um langfristigen Erfolg zu gewährleisten. Diese internationale Atmosphäre verbindet unsere Unternehmen und wird die weitere Zusammenarbeit maßgeblich begünstigen.

Grundsätzlich ist das Investment Teil der Digital-Strategie von MTG, in relevante und skalierbare digitale Inhalte und Communities zu investieren. Das Investment bildet die dritte starke Säule im Digital Entertainment Segment für MTG mit strategischen Anknüpfungspunkten in den Bereichen eSports und Multi-Plattform-Netzwerken. Die ESL (Electronic Sports League) und die Veranstaltung DreamHack sind die führenden Marken im Bereich eSports, einer stark wachsenden und professionellen Sportart mit über 250 Millionen Fans weltweit in 2016. Hier gibt es für uns noch viele mögliche Optionen zur weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit.

Hendrik Klindworth: „Wollen weiterhin vollumfänglich im Unternehmen tätig sein.“

Welche operative Funktion strebt ihr als Gründer kurz- und mittelfristig an? Bleibt es bei CEO/COO/Board Member oder wechseln die Rollen in Richtung Aufsichtsrat/Beirat?

Klindworth: Die drei InnoGames Gründer – Eike, Michael und ich – werden auch nach dem Investment dem Unternehmen treu bleiben und haben keinerlei Pläne, daran etwas zu ändern. In der Vergangenheit war es immer unser Ziel, langfristige Strategien zu entwickeln und nachhaltiges Wachstum zu schaffen. Um dies zu erreichen, haben sich unsere Aufgaben im Tagesgeschäft oftmals stark gewandelt. Auch nach dem Investment von MTG werden wir unsere Aufgabenbereiche weiterhin an den jeweiligen Anforderungen ausrichten.

Die drei Innogames-Gründer: Michael Zillmer, Hendrik Klindworth, Eike Klindworth
Die drei Innogames-Gründer: Michael Zillmer, Hendrik Klindworth, Eike Klindworth

Übernehmen die InnoGames-Gründer eine zusätzliche Rolle in der neuen Muttergesellschaft MTG?

Klindworth: Nein, das ist nicht geplant.

Laut Geschäftsbericht hat MTG die Option, den Stimmrechtsanteil stufenweise bis 2023 auf 100 Prozent zu erhöhen. Welche Überlegungen haben euch dazu bewogen, nicht nur die Mehrheit, sondern perspektivisch sämtliche Anteile abzugeben?

Klindworth: Generell hat MTG die Möglichkeit, bis 2022 stufenweise weitere 49 Prozent der Anteile von InnoGames zu erwerben. Wir Gründer freuen uns über das Investment von MTG und die Möglichkeiten, die sich dadurch für InnoGames ergeben. Unser Ziel war es, einen Partner zu finden, der einerseits zu InnoGames passt und mit dem man andererseits langfristig planen kann. Auch nach dem Investment werden wir weiterhin operativ im Unternehmen tätig sein und die Erfolgsgeschichte rund um InnoGames weiterschreiben.

Schaut man sich InnoGames und das starke, nachhaltige Wachstum der letzten zehn Jahre an, glauben wir, dass MTG mit uns den idealen Partner gefunden hat, um in die Gaming-Industrie einzusteigen. Mit ihrem internationalen Mediennetzwerk und eSports-Bereich gibt es viele strategische Schnittmengen, die beiden Seiten in der Zukunft stark helfen werden.

Uns Gründern war es wichtig, uns allmählich und Schritt für Schritt von unseren Anteilen zu trennen, gleichzeitig jedoch vollumfänglich im Unternehmen tätig zu sein. Durch das Investment von MTG ist nun genau das möglich geworden.

Jedem weiteren Investment von MTG wird natürlich eine sorgfältige Prüfung unsererseits vorangehen, bei dem wir uns mit InnoGames auf bestimmte finanzielle und operative Kennzahlen geeinigt haben. Wichtig bleibt hier festzuhalten, dass MTG die Option hat ihre Anteile zu erhöhen, keine Verpflichtung.

InnoGames-CEO Klindworth: „Hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass InnoGames ‚meine‘ Firma ist.“

Fühlt sich die morgendliche Ankunft im Büro nach wie vor so an, als käme man in „seine“ Firma? Oder überwiegt bereits das Gefühl, dass das Unternehmen jetzt anderen „gehört“?

Klindworth: Mir hat das Unternehmen InnoGames nie alleine gehört, daher hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass InnoGames „meine“ Firma ist. Zudem hatten wir mit 8Roads bereits seit 7 Jahren einen externen Partner an Board, mit dem wir sehr gut zusammengearbeitet haben. Auch nach dem Investment von MTG habe ich eine große Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern, unseren Spielern und externen Partnern, die den Hauptfokus meiner Arbeit einnimmt und große Motivation ist.

Wir haben in den letzten 10 Jahren mit InnoGames ein nachhaltig wachsendes Unternehmen aufgebaut und werden unsere Strategie auch in Zukunft weiterführen. MTG hat großes Vertrauen in die Arbeit von InnoGames und gewährt mir und meinen Mitarbeitern weiterhin große unternehmerische Freiheiten.

Vor dem Haupteingang von InnoGames grüßt eine mächtige Statue.
Vor dem Haupteingang von InnoGames grüßt eine mächtige Statue.

MTG-Manager Arnd Benninghoff: „Wir beobachten den internationalen Gaming-Markt genau.“

MTG ist mittlerweile an zwei der deutschen Games-Marktführer beteiligt und hat sich zur Finanzierung von anderen Aktivitäten getrennt. Sind weitere Zukäufe/Beteiligungen in Deutschland geplant – und wenn ja, in welchen Branchen-Segmenten?

Benninghoff: Gaming ist eine Multi-Milliarden-Dollar-Industrie mit zwei Milliarden Spielern rund um den Globus. Die Umsätze der weltweiten Industrie für digitale Spiele werden von 2015 bis 2018 um durchschnittlich 7% auf voraussichtlich 113 Milliarden USD im Jahr 2018 wachsen. Spiele für mobile Endgeräte sind dabei das am schnellsten wachsende Segment mit einer voraussichtlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 12 Prozent im gleichen Zeitraum.

Entscheidend hierfür sind vor allem mehr potenzielle Kunden, mehr zahlende Spieler und ein durchschnittliches höheres Investment pro Spieler. Spiele sind die Hauptunterhaltungsquelle für Millennials und Digital Natives aller Altersklassen und Gaming verbindet unseren digitalen Fokus mit unserem starken Portfolio. Derzeit sind wir nicht explizit auf der Suche nach weiteren Beteiligungen, werden den internationalen Gaming-Markt aber weiterhin genau beobachten und unser digitales Portfolio gegebenenfalls weiter ausbauen.

Durch den Stellenabbau seit Sommer 2016 ist Goodgame Studios nur noch die Nummer 3 in Hamburg.
Durch den Stellenabbau seit Sommer 2016 ist Goodgame Studios nur noch die Nummer 3 in Hamburg.

InnoGames gehört zum MTG-Gaming-Vertical, ebenso wie Dreamhack und die ESL. An welcher Stelle ergeben sich Synergien zwischen den Unternehmen, zum Beispiel bezüglich eSports oder Live-Übertragungen? Oder ist dies nur ein willkommener „Nebeneffekt“ und die Unternehmen sollen ihre Eigenständigkeit bewahren?

Benninghoff: Das Investment ist Teil der Digital-Strategie von MTG bei der es darum geht, in relevante und skalierbare digitale Inhalte und Communities zu investieren. Es bildet die dritte starke Säule im Digital-Entertainment-Segment für MTG mit strategischen Anknüpfungspunkten in den Bereichen eSports und Multi-Plattform-Netzwerken. Die ESL und die DreamHack sind die führenden Marken im Bereich eSports, einem stark wachsenden und professionellen Sport mit über 250 Millionen Fans weltweit in 2016.

Hier gibt es für uns noch viele mögliche Optionen zur weiteren Intensivierung der Zusammenarbeit. Die Inhalte der MTG-Marken „Zoomin-TV“ und „Splay“ generieren etwa 2.5 Milliarden monatliche Aufrufe, bereits heute entfallen etwa 25 Prozent davon auf den Bereich Gaming. Diese Verbreitungskanäle können wir künftig natürlich ideal nutzen, um unseren Communities noch bessere Unterhaltung zu bieten.

Grundsätzlich investieren wir aber in Unternehmen, die uns aufgrund ihrer Produkte und ihrer Teams begeistern. Dazu zählt natürlich auch die Unternehmenskultur. Insofern geht es immer auch darum, die Eigenständigkeit zu bewahren und Stärken weiter zu fördern.

Weitere Informationen rund um InnoGames finden Sie in den folgenden Beiträgen:

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