Start Wirtschaft Games-Aktien: Schnelles Geld mit Grand Theft Auto

Games-Aktien: Schnelles Geld mit Grand Theft Auto

Games-Aktien im Vergleich: Wie sich die Kurse führender Computerspiele-Hersteller entwickelt haben.

Wer vor fünf Jahren in Take-Two Interactive investierte, hat seinen Einsatz verzehnfacht. Trotzdem: Games-Aktien bleiben eine riskante Wette – glückliches Timing ist entscheidend.

Wie nah Frohsinn und Wehklagen an der Börse beieinander liegen, lässt sich wunderbar am Aktienkurs von Ubisoft („Assassin’s Creed“, „Far Cry“) ablesen: Wer im Sommer 2008 kurz vor der Finanzkrise eingestiegen ist, verlor bis 2011 mehr als 90 Prozent seines Einsatzes. Seitdem hat der Kurs einen spektakulären Höhenflug hingelegt und notiert derzeit auf einem Allzeithoch um die 55 Euro – beflügelt durch gute Geschäftszahlen und die Übernahmeschlacht mit dem Mischkonzern Vivendi.

In diesem Fall hat es sich also ausgezahlt, nicht die Nerven zu verlieren.

Doch es kann auch anders laufen: Wer 2012 zum Höchstkurs beim damaligen Shooting-Star Zynga („Farmville“) investierte, weint dem Einsatz immer noch bittere Tränen hinterher. Von den mannigfaltigen Quartalsverlusten, Strategiewechseln und Management-Umbauten hat sich der Aktienkurs nicht wieder erholt. Auch die Nintendo-Aktie steht aktuell bei rund der Hälfte dessen, was sie im November 2007 wert war.

Über Wohl und Wehe und den Wert des Depots entschieden oft wenige Wochen, insbesondere in extrem nervösen Kapitalmarktphasen wie nach der Lehman-Pleite 2008.

Games-Aktien: Viele Gewinner, wenige Verlierer

Trotzdem gilt: Wer in den vergangenen vier, fünf Jahren sein Geld in Games-Aktien investiert hat, musste schon viel Pech haben, um in der Zwischenzeit nicht mit einem deutlichen Plus abzuschließen. Egal ob Electronic Arts („FIFA“, „Battlefield“) oder Activision Blizzard („Overwatch“, „Call of Duty“): Die meisten Werte kannten zumindest langfristig nur einen Weg – nach oben.

Selbst vermeintliche Rückschläge bremsen die Euphorie der Anleger nicht: Die wenig überraschende Verschiebung von „Red Dead Redemption 2“ auf das Frühjahr 2018 verunsicherte die Investoren nur für wenige Tage im Mai und Juni diesen Jahres – seitdem legte der Take-Two-Interactive-Aktienkurs von 70 auf 90 Dollar zu. Binnen Jahresfrist hat sich der Wert mehr als verdoppelt.

Natürlich wettet man mit dem Kauf von Microsoft-Aktien nicht ausschließlich auf den Erfolg der Xbox One X: Innerhalb des Konzerns trägt die Spielkonsolen-Sparte nur einen bescheidenden Teil zum 72-Milliarden-Euro-Umsatz bei. Bei Sony hingegen ist die Bedeutung des PlayStation-Geschäfts für Umsatz und Gewinn ungleich höher. Bei japanischen Spieleherstellern spielt zudem das Inlands-Geschäft mit Sammelkartensystemen, Spielhallenautomaten, Merchandising oder Comics eine gewichtige Rolle.

Einsatz verzehnfacht: Mit Games-Aktien konnte man in den vergangenen Jahren nicht viel falsch machen.
Einsatz verzehnfacht: Mit Games-Aktien konnte man in den vergangenen Jahren nicht viel falsch machen.

Tencent: Ein Plus von 7.000 Prozent in 10 Jahren

Absoluter Börsen-Überflieger bleibt das chinesische Unternehmen Tencent: Auf Sicht von zehn Jahren hat sich der Börsenkurs vervielfacht. Wer sich die Kursentwicklung vor Augen führt, dürfte nicht überrascht sein, dass der Tencent-Gründer seit kurzem als reichster Mann Chinas gilt.

Tencent betreibt einen bunten Strauß an Online-Portalen, Netzwerken, Versendern und Messaging-Diensten, hat aber gezielt im Online-Games-Segment zugekauft.

Inzwischen gehören Perlen wie Riot Games („League of Legends“) und Supercell („Clash Royale“, „Clash of Clans“) zum Tencent-Imperium, genauso wie ein 12-Prozent-Paket von Activision Blizzard, knapp die Hälfte der Epic-Games-Anteile und 5 Prozent am Autobauer Tesla.

Börsengänge deutscher Computerspiele-Hersteller

Der letzte Börsengang eines deutschen Spiele-Herstellers ist übrigens mehr als zehn Jahre her: Ab 2006 waren die Aktien des Darmstädter Publishers 10tacle Studios an der Frankfurter Börse gelistet – schon 2008 implodierte das aufgeblähte Konstrukt unter dramatischen Umständen. Im Jahr des Börsengangs beschäftigte 10tacle fast 300 Mitarbeiter.

Zuvor endeten bereits die Börsenausflüge von CDV Entertainment („Codename Panzers“) und Phenomedia („Moorhuhn“) in spektakulären Pleiten, von denen sich Mitarbeiter, Studios, Insolvenzverwalter und Gerichte nur mühsam erholt haben.

Games-Aktien: Die Gründe für den Höhenflug

Die weiterhin anhaltende Kursrally der internationalen Games-Aktien hat drei wesentliche Gründe:

Erstens jagen die internationalen Börsen ohnehin seit geraumer Zeit von einer Rekordmarke zur nächsten – davon profitieren insbesondere Tech-Konzerne wie Microsoft.

Zweitens laufen die Geschäfte bei den meisten Spieleherstellern hervorragend, nicht zuletzt durch ein brummendes Digitalgeschäft mit hohen Margen plus erfolgreichen Bestandstiteln (dem „Backkatalog“). Die weiterhin enormen Verkaufszahlen von „Grand Theft Auto 5“ lassen insbesondere Take-Two-Anleger ruhig schlafen.

Und zum Dritten verteilen sich die Einnahmen konstanter über das Jahr, weil Titel wie „FIFA“, „Destiny“ oder „Ghost Recon“ über viele Monate, oft Jahre hinweg mit Updates gepflegt werden. Die Abhängigkeit von einzelnen Glückstreffern ist gleichzeitig zurückgegangen: Große Publisher haben ihr Sortiment zusammengestrichen und konzentrieren sich stattdessen auf wenige Marken mit Milliarden-Dollar-Potenzial.

Games-Aktien: Eine Wette auf die Zukunft

Angesichts heißgelaufener Börsen und weltweiter Krisenherde ist absehbar, dass es in den nächsten Monaten immer wieder zu Kurskorrekturen und Rückschlägen kommen wird. Einem längeren Abschwung oder gar einer Rezession in wichtigen Absatzmärkten könnten sich auch Games-Aktien nicht entziehen.

Zudem ist Spiele-Entwicklung per se ein riskantes Geschäft, bei dem es regelmäßig zu Verschiebungen und anderen Problemen kommt, die sich für Außenstehende kaum vorher sehen lassen. Genau das ist auch der Grund, warum selbst honorige Games-Analysten und Experten mit jahrzehntelanger Erfahrung regelmäßig falsch liegen – getreu dem Motto: „Prognosen sind schwierig – vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“.

In unserer Analyse sind übrigens nur die reinen Kursgewinne berücksichtigt, nicht aber Dividendenzahlungen – die mit wenigen Ausnahmen wie Activision Blizzard ohnehin die wenigsten Games-Produzenten auszahlen.

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