Start Wirtschaft Fluffy Fairy Games: Umzug von Karlsruhe nach Berlin

Fluffy Fairy Games: Umzug von Karlsruhe nach Berlin

Zwei der fünf Fluffy Fairy Games-Gründer auf der Gamescom 2017: Janosch Sadowski und Daniel Stammler
Zwei der fünf Fluffy Fairy Games-Gründer auf der Gamescom 2017: Janosch Sadowski und Daniel Stammler

Eines der am schnellsten wachsenden Games-Startups verlegt die Zentrale in die Hauptstadt: Fluffy Fairy Games verlässt Karlsruhe und eröffnet im Januar das Studio in Berlin.

Der Firmenname ist Programm: Es mutet schon fast märchenhaft an, wie binnen weniger Monate aus einer Studenten-WG die Fluffy Fairy Games GmbH mit 4 Millionen Euro Umsatz und 30 Mitarbeitern wurde – und das komplett eigenfinanziert, ohne Geld von Investoren oder Sparkassen oder aus Fördertöpfen. Dieses Märchen ist auch nur deshalb möglich, weil es zwei Appstores, Millionen Smartphone-Nutzer und die Free2play-Mechanik gibt.

Es gibt erstaunliche Parallelen zu jenen Browsergame-Goldgräberzeiten, die Mitte der 2000er-Jahre zur Gründung von Unternehmen wie Travian, Upjers, InnoGames, Gameforge oder Bigpoint geführt haben.

Goldgräber sind es auch, die in der iOS- und Android-App „Idle Miner Tycoon“ die Hauptrolle spielen, dem bislang einzigen Spiel von Fluffy Fairy Games – und logischerweise auch der wesentliche Umsatzträger, finanziert durch Ingame-Käufe und Werbe-Einblendungen. „Idle“ bedeutet so viel wie „Untätig“: Das Spiel läuft auch dann weiter, wenn der Spieler nicht online ist. In der Zwischenzeit bauen Minen-Arbeiter unentwegt Gold, Rubine, Diamanten oder Kohle ab. Ziel ist es, die wachsende Belegschaft im Bergbau-Betrieb möglichst effizient einzusetzen.

Das Spiel ist grafisch deutlich schlichter als viele Konkurrenz-Titel im Appstore. In der Einfachheit liegt der Charme: „Idle Miner Tycoon“ ist maximal zugänglich und entwickelt schnell jenen „Hook“, den es braucht, um Spieler nicht nur für fünf Minuten, sondern für Tage, Wochen, Monate zu beschäftigen.

Fluffy Fairy Games: Von der Studenten-WG zur 4-Millionen-Euro-Umsatz-GmbH

Gegründet wurde Fluffy Fairy Games von fünf Studenten, vertreten werden sie von zwei Geschäftsführern: Janosch Sadowski und Daniel Stammler. Beide sind noch keine 30 Jahre alt, ebenso wie ihre Mitarbeiter.

Sie selbst verstehen sich als Tech-Gründer, weniger als Hardcore-Gamer. Anders als die meisten Gamedesign-Studenten wurden sie also nicht durch das propagierte geheime Druiden-Wissen auf Games-Konferenzen dazu verleitet, jene Best-Practice-Pfade abzuschreiten, die Tausende Startups vor ihnen schon absolviert haben.

Ihre Philosophie: „Kleines Projekt, schnell auf den Markt und anhand der Kennzahlen entscheiden, ob man es weiter entwickelt.“ Pro Woche gibt es ein Update.

Aus der Erfahrung von „Idle Miner Tycoon“ heraus wollen sie auch in Zukunft sehr schnell online gehen, um Spieler-Feedback einzuholen. Länger als acht Wochen soll die Entwicklung nicht dauern. Abhängig von der Resonanz erfolgt dann die Optimierung und Weiterentwicklung. Die monatelangen Softlaunch-Phasen, wie sie bei größeren Mobilegames üblich sind, überspringt Fluffy Fairy Games schlichtweg.

Auf dieser Basis wollen die Gründer einen ganzen Strauß an Idle-Games aufbauen: Fluffy Fairy Games wolle zum „King zum Idle“ werden. Auch das nächste Spiel soll daher wieder in diesem Genre angesiedelt sein – dort kenne man sich aus, verstehe die Mechanismen und das Wettbewerbsumfeld, erklären die Gründer im GamesWirtschaft-Gespräch. Zudem handele es sich bei Idle-Games immer noch um eine Nische, die von anderen Studios gleichermaßen unterschätzt wie vernachlässigt werde.

Durch den anhaltenden Erfolg von „Idle Miner Tycoon“ gibt es keinen Druck, Investoren an Bord zu holen. 8,5 Millionen Mal wurde die App bislang heruntergeladen: Pro Monat fährt Fluffy Fairy Games aktuell mehr als eine halbe Million Euro Umsatz ein.

Fluffy Fairy Games: Ab Januar 2018 in Berlin

„Der Standort Karlsruhe ist für uns perfekt“, gaben die Gründer noch im Dezember 2016 zu Protokoll – und priesen die Vielzahl an IT- und Software-Unternehmen, die vitale Indie-Szene, die Startup-Kultur und die qualifizierten Arbeitskräfte in der Region. Doch es geht eben noch perfekter: Im Januar zieht Fluffy Fairy Games in die Startup-Hauptstadt Berlin, derzeit werden verschiedene Büros besichtigt.

Bislang sind bei den Noch-Karlsruhern 30 Mitarbeiter beschäftigt, die überwiegend jung genug sind, um den Umzug ans andere Ende der Republik mitmachen zu wollen und zu können.

Mittelfristig – in der nächsten fünf Jahren – soll das Unternehmen auf 100 bis 200 Mitarbeiter wachsen. Damit würde Fluffy Fairy Games in die Top 10 der deutschen Spiele-Entwickler aufsteigen, also in der Größenordnung von Firmen wie Yager oder Daedalic. In der aktuellen GamesWirtschaft-Auswertung rangiert das Startup auf Platz 41 – noch. Fluffy Fairy Games sucht derzeit Spieldesigner ebenso wie Grafiker, Daten-Analysten und User Acquisition Manager, aber auch Werkstudenten. Um das stramme Wachstum zu organisieren, wird sogar nach einem „Recruiting Specialist“ gefahndet. Und klar ist natürlich auch: Wer sich jetzt bei Fluffy Fairy Games bewirbt, bewirbt sich für einen Einsatz in Berlin.

Das junge Team steht nun vor zwei wesentlichen Aufgaben: Einerseits dem bislang einzigen Hit einen zweiten folgen zu lassen – und andererseits die Taktfrequenz beizubehalten, bei weiterhin „schlanken Abläufen“.

Das Märchen soll also weitergehen – künftig eben von Berlin aus.

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