50 neue Jobs für die Entwicklung von AAA-Spielen – und das noch in diesem Jahr: Nach Düsseldorf und Mainz entsteht mit Blue Byte Berlin das dritte Ubisoft-Studio in Deutschland.

Das Mysterium um die Ankündigung mit „deutschlandweiter Strahlkraft“ ist gelüftet: Die Ubisoft-Tochter Blue Byte gründet eine Filiale in Berlin mit 50 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Damit erhöht sich die Zahl der Standorte von zwei auf drei – die Belegschaft wächst auf 350 Mitarbeiter.

Blue Byte steigt damit in die Top 5 der deutschen Studios auf.

Benedikt Grindel ist seit 2014 Studioleiter von Blue Byte.
Benedikt Grindel ist seit 2014 Studioleiter von Blue Byte.

„Das ist keine Verschiebung, sondern ergänzend“, betont Studioleiter Benedikt Grindel gegenüber GamesWirtschaft. „Wir haben in Düsseldorf und Mainz derzeit auch um die 30 offene Stellen – also auch da Pläne, weiter zu wachsen. Wir werden auch keine Projekte von dort nach Berlin ziehen. Trotzdem gehe ich davon aus, dass Berlin als sehr attraktive Stadt den einen oder anderen aus Düsseldorf oder Mainz anlocken wird. Das finden wir auch gut, weil es natürlich auch hilft, dieses Studio am Anfang auf die Beine zu stellen. Das gilt sicher auch für einige der 12.000 Leute bei Ubisoft, zum Beispiel im Rahmen des „Ubisoft Mobility“-Programms. Es geht nicht um eine Umverteilung – natürlich wollen wir auch extern wachsen.“

In welchem Stadtteil sich das Studio niederlässt, ist noch nicht entschieden: „Wir sind gerade dabei, uns verschiedene Objekte anzuschauen und wollen in diesem Jahr noch unsere Einweihungsfeier feiern. Da gibt es noch kein konkretes Datum, aber das ist ganz klar unser Ziel und da sehe ich auch keinen Grund, warum wir das nicht schaffen sollten.“

Grindel selbst wird in Düsseldorf bleiben – derzeit läuft die Fahndung nach einem Studiomanager für Blue Byte Berlin.

Blue Byte Berlin: „Wirkliche AAA-Entwicklung in internationalem Rahmen“

Neben Berlin waren auch weitere Standorte in der Diskussion – am Ende hat sich die Hauptstadt durchgesetzt. „Ubisoft guckt natürlich immer: Wie können wir wachsen? Wie können wir unsere Entwicklungskapazitäten vergrößern? Da gab es im letzten Jahr ein Projekt, bei dem verschiedene Standorte analysiert worden sind – unter anderem auch Berlin. Nach Begutachtung aller Fakten und Vor-Ort-Besuchen kam am Ende dabei heraus, dass Berlin ein hervorragender Standort aus unserer Sicht ist. Anfang diesen Jahres ist das dann finalisiert worden“, erklärt Blue-Byte-Studioleiter Benedikt Grindel.

Am Ende habe auch die regionale Unterstützung eine Rolle gespielt. „Es gibt Fördertöpfe und Stadtteilprogramme für Neuansiedlungen. Das berücksichtigen wir natürlich bei solchen Entscheidungen. Es gab hier eine hervorragende Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei und Berlin Partner, die Agentur, die sich um Neuansiedlungen kümmert. Das ist aber nichts, was eine langfristige Entscheidung nachhaltig beeinflusst. Die Stadt als solches hat eine sehr interessante, kreative Branche und ist attraktiv für Nachwuchs, hat aber auch eine gute Anzahl an erfahrenen Kräften vor Ort. Wir denken, dass wir in Berlin einen zusätzlichen Akzent setzen können mit wirklicher AAA-Entwicklung in einem internationalen Rahmen. Da sehen wir eine Lücke, die wir füllen und die Szene in Berlin bereichern können.“

Blue Byte Berlin: „Wir sind wirklich Teil des weltweiten Teams.“

„Wirkliche AAA-Entwicklung“ – damit sind globale Blockbuster gemeint, die in der Liga von „Grand Theft Auto“, „The Witcher“, „Call of Duty“ oder „Battlefield spielen“. In dieser Disziplin ist Deutschland ein weißer Fleck auf der Landkarte. Der Branchenverband BIU bezeichnet den hiesigen Entwicklungsstandort im Bereich PC- und Konsolenspielen als „international kaum relevant“.

Das soll sich mit Blue Byte Berlin ändern: „Wir werden an einem großen AAA-Projekt arbeiten – eine weltweit bekannte Marke aus dem Hause Ubisoft. Wir sagen noch nichts zu dem Spiel, aber es ist ein sehr relevanter Titel, den jeder kennt.“

Diese Eingrenzung spricht dafür, dass künftige Episoden von „Assassin’s Creed“ oder „Far Cry“ in der Hauptstadt entstehen. Zur Einordnung: Alleine an „Assassin’s Creed Unity“ haben insgesamt zehn der rund 30 Ubisoft-Studios rund um den Globus mitgewirkt, von Montreal über Shanghai bis Montpellier.

„In Berlin geht’s explizit darum, nicht nur die PC-Version zu machen wie im Falle von ‚For Honor‘, sondern wir bauen dort ein echtes Core-Team auf – also ein vollständiges Team, das nicht nur zuarbeitet, sondern auch an ganzen Features und kompletten Teilen des Spiel arbeitet. Wir sind also wirklich Teil des weltweiten Teams“, so Grindel.

Blue Byte Berlin: Signal mit Blick auf Games-Förderung

Blue Byte ist Deutschlands ältestes noch existierendes Entwicklerstudio und feiert 2018 das 30jährige Firmenjubiläum. Seit 2001 gehört Blue Byte zu Ubisoft – durch den Zukauf des hessischen Studios Sunflowers besitzt der Spielehersteller mit „Anno“ und „Die Siedler“ die zwei bekanntesten Aufbauspiel-Marken made in Germany.

Nach Jahren des kräftigen Wachstums bei Belegschaft und Umsatz – hauptsächlich bedingt durch den Erfolg des Browsergames „Die Siedler Online“ – entwickelten sich die Einnahmen zuletzt rückläufig. Der Blue-Byte-Umsatz im Geschäftsjahr 2015/16 sank von 28 Millionen auf knapp 23 Millionen Euro. Das Unternehmen begründet die Entwicklung mit den Rückgängen im Free2play- und Mobile-Bereich.

Als Reaktion hat sich Blue Byte eine neue Strategie verpasst. Das Geschäft ruht künftig auf drei Säulen:

  • erstens die Entwicklung eigener Spiele rund um Blue-Byte-Marken wie „Anno“ und „Die Siedler“
  • zweitens Tools- und Technologie-Dienstleistungen im Ubisoft-Verbund
  • und drittens das Co-Development, wie es nun auch für Berlin geplant ist.

Alle drei Segmente sind laut Studio-Chef Grindel gleich wichtig – gerade mit Blick auf das Stammgeschäft. „Hier werden wir auch mit voller Überzeugung langfristig weitermachen.“

Blue Byte will die Neueröffnung explizit auch als Signal mit Blick auf das Thema Games-Förderung verstanden wissen. Bereits bei der Vorstellung des BIU-Steuerkonzepts im November saß Grindel auf dem Podium und warb für steuerliche Anreize. „Für die nächsten Jahre planen wir deutlich zu wachsen, sind aber von der Entwicklung der Förderung für Computer- und Videospiele in Deutschland abhängig. Sollte sich der aktuell positive Trend in Sachen Förderung fortsetzen, sehe ich die Option, dass wir mittel- bis langfristig in Berlin und an unseren anderen Standorten die Entwicklerkapazitäten zu großen Ubisoft-Studios weiter ausbauen.”

Bewerbungen für das Blue Byte Studio Berlin sind ab sofort möglich.

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