Start Sport eSport: Für Mehrheit der Deutschen kein „richtiger“ Sport

eSport: Für Mehrheit der Deutschen kein „richtiger“ Sport

Bitkom-Umfrage: eSport (hier die ESL One in Frankfurt) ist für jeden Fünften eine
Bitkom-Umfrage: eSport (hier die ESL One in Frankfurt) ist für jeden Fünften eine "richtige" Sportart (Foto: ESL / Patrick Strack)

Ist eSport eigentlich ein „richtiger“ Sport? Eine Bitkom-Umfrage zeigt, dass die politische Wahrnehmung größer ist als die gesellschaftliche Anerkennung.

Was genau mit „eSport“ gemeint ist, darüber gibt es höchst unterschiedliche Ansichten. Selbst Riot Games – der Hersteller von „League of Legends“ – ist unglücklich darüber, wie viele unterschiedliche Interpretationen im Umlauf sind. Sobald ein Spiel ansatzweise über einen Multiplayer-Modus verfügt, wird es immer öfter mit „eSport“ etikettiert.

In den meisten Fällen dürfte der Begriff jedoch als Synonym für Profi-Ligen, Profi-Turniere, Profi-Spieler gedacht sein – es geht also vorwiegend um Leistungs- und Zuschauersport, der sich auf eine Handvoll populärer Disziplinen beschränkt. Das hatte vermutlich auch der Branchenverband Bitkom bei seiner aktuellen Umfrage im Hinterkopf, der in seinem Begleittext auf das Engagement der Bundesliga-Vereine, ausverkaufte Hallen und „Hunderte Millionen Euro“ Umsatz verweist – wobei mit dieser Zahl nicht der deutsche Markt gemeint sein kann.

In der Pressemitteilung ist zudem davon die Rede, dass bei Sportsimulationen wie „FIFA“ neben „klassischen zunehmend bewegungsempfindliche Steuerungssysteme zum Einsatz kommen“. Worauf der Verband hier abzielt – ebenfalls unklar.

Die eSports Studie 2016 geht von einem Umsatzsprung auf 130 Mio. Euro im Jahr 2020 aus.
Die eSports Studie 2016 geht von einem Umsatzsprung auf 130 Mio. Euro im Jahr 2020 aus.

Bitkom-Umfrage: Für 23 Prozent ist eSport eine Sportart

Konkret hat der Branchenverband Bitkom gefragt: „Ist eSport Ihrem Verständnis nach eine Sportart?“ Von allen 1.192 Befragten sagten 23 Prozent „Ja“ – bei den „Gamern“ waren es 33 Prozent. Was umgekehrt heißt: Für 77 Prozent (Gesamtbevölkerung) und 67 Prozent (Gamer) ist eSport kein Sport. Insbesondere das Ergebnis der Kernzielgruppe überrascht. Nicht verwunderlich hingegen: Je jünger die jeweilige Altersgruppe, desto größer die Zustimmung.

In gleich mehreren Wahlprogrammen ist die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den eSport vorgesehen. Eine Gleichbehandlung von eSport mit Sport zielt weniger auf den Profi-Betrieb, sondern auf die Breite. So würde unter anderem die Gründung gemeinnütziger eSport-Vereine erleichtert und beschleunigt, da sie von den gleichen Steuer-Privilegien profitieren wie etwa Fußballvereine. Das Profi-Segment verspricht sich vereinfachte Visa-Regularien und damit eine unkompliziertere Einreise von Turnierspielern.

Mit Wolfsburg, Schalke und Stuttgart gib es bislang drei Bundesligisten mit eigener eSport-Abteilung.
Mit Wolfsburg, Schalke und Stuttgart gib es bislang drei Bundesligisten mit eigener eSport-Abteilung.

Am 17. August – wenige Tage vor dem Start der Gamescom – will der Bitkom erneut eine eigene Studie rund ums Thema „Gaming“ präsentieren. Die Ergebnisse weisen traditionell deutliche Abweichungen zu den Daten des Branchenverbands BIU auf. Auch dieser Verband will in Kürze die „erste umfangreiche Studie zur deutschen Games-Branche“ vorstellen. Das Projekt wurde im September 2016 gemeinsam mit dem GAME Bundesverband, der Hamburg Media School und mehreren Bundes- und Landes-Ministerien gestartet.

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