Start Politik Gauselmann: Spielhallen-Riese tritt BIU.Dev bei

Gauselmann: Spielhallen-Riese tritt BIU.Dev bei

Firmengründer Paul Gauselmann ist Herrscher über ein milliardenschweres Glücksspiel-Imperium (Foto: obs/Gauselmann Gruppe/Marco Moog)
Firmengründer Paul Gauselmann ist Herrscher über ein milliardenschweres Glücksspiel-Imperium (Foto: obs/Gauselmann Gruppe/Marco Moog)

Der BIU öffnet sich dem Glücksspiel-Gewerbe: Mit Gauselmann wird Deutschlands größter Spielautomaten-Aufsteller Mitglied im Entwickler-Netzwerk BIU.Dev.

Es ist nur ein Nebensatz in der Pressemitteilung des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware e. V., die den Zugang weiterer Mitglieder für die Netzwerke BIU.Dev und BIU.Net verkündet. Neben der Standort-Initiative Gameaera-FRM e. V., der Agentur Adspree und der Berliner Niederlassung von Riot Games (League of Legends) begrüßt der BIU auch „die Game-Design-Sparte von Gauselmann“ im Entwickler-Netzwerk BIU.Dev.

500 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer kostet eine solche Mitgliedschaft in diesem Zirkel, dem unter anderem Blue Byte, id Software, Tivola oder Deep Silver Fishlabs angehören. Im Unterschied zu den regulären Mitgliedern des BIU haben die Netzwerk-Unternehmen kein Stimmrecht.

Der BIU wirbt unter anderem mit dem Zugang zu „exklusiven Events“ wie etwa politischen Veranstaltungen und Networking-Events mit Vertretern der Politik sowie vergünstigter Teilnahme an Konferenzen und Messen.

Jetzt also Gauselmann.

Gauselmann: Spielautomaten-Marktführer tritt BIU.Dev bei

Gauselmann begeht im Sommer 2017 das 60jährige Firmenjubiläum. Dahinter verbirgt sich ein weitverzweigtes Glücksspiel-Imperium mit Dutzenden von Unternehmen, Tochterfirmen und Niederlassungen in ganz Europa, die unter anderem Geldspielautomaten, Casino-Ausstattung, Software und Zahlungssysteme produzieren.

Außerdem betreibt Gauselmann mehr als 250 Spielhallen unter der Marke „Merkur Spielothek“, veranstaltet Sportwetten und unterhält Online-Casinos.

Gauselmann sieht sich selbst als Familienunternehmen (Motto: „Die Spielemacher“), das sich der „Unterhaltung durch Spaß an Spielen mit und um kleines Geld verschrieben hat“ – was einer mittelschweren Untertreibung gleichkommt. Die über 9.000 Mitarbeiter der Gauselmann-Gruppe haben zuletzt einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet – das Unternehmen ist damit halb so groß wie die komplette deutsche Games-Branche.

Gauselmann ist klarer Marktführer im deutschen Glücksspiel-Gewerbe. Die hiesige Spielautomatenwirtschaft kam 2015 auf einen Umsatz von fast 6 Milliarden Euro – ein Vielfaches dessen, was mit Spielkonsolen, PC-Spielen und Free2play-Apps umgesetzt wird.

Games-Umsatz 2015 im Vergleich mit Buch und Film (Infografik: GamesWirtschaft.de)
Games-Umsatz 2015 im Vergleich mit Buch und Film (Infografik: GamesWirtschaft.de)

Gauselmann: Glücksspiel-Marktführer bangt um Umsätze

Mit „Gamedesign“ ist im Falle von Gauselmann die Entwicklung von Glücksspielen, Spielautomaten-Software, Online-Spielen, Apps und Geräten gemeint. Mehr als 300 Mitarbeiter – Grafiker, Soundtüftler, Ingenieure, Mathematiker – sind allein in Deutschland in dieser Sparte beschäftigt. Darüber hinaus unterhält Gauselmann Teams in Indien und in Großbritannien. Die Games-Bibliothek besteht aus mehreren hundert Titeln.

Neben Geldspielen produziert Gauselmann auch Tippspiele: So ist die Sportwettentochter XTiP der Veranstalter der „Schlag den Star“-Gewinnspiele.

Das Unternehmen schaffte es in den vergangenen Jahren regelmäßig in die Medien – mal ging es um Ermittlungen wegen Spielautomaten-Manipulation, mal um Parteispenden in Millionenhöhe, mal um Spielsucht.

Den Interessen der Branche zuwider laufende Gerichtsurteile bereiten den Unternehmen und damit nicht zuletzt Marktführer Gauselmann erhebliches Kopfzerbrechen. Das stark regulierte Glücksspielwesen in Deutschland ist Ländersache. Für 2017 geht der Konzern „aufgrund der schwierigen Gesetzeslage mit zahlreichen Restriktionen in unserem Heimatmarkt Deutschland“ von drohenden Spielstättenschließungen und einer „deutlichen Verringerung des Gesamtmarkts“ aus.

Update vom 24. Januar 2017: Exakt eine Woche nach Bekanntgabe der Aufnahme der Gamedesign-Sparte von Gauselmann löst das Netzwerk BIU.Dev und damit der Branchenverband BIU „den Vertrag mit sofortiger Wirkung“. Dies teilte der neue BIU-Geschäftsführer Felix Falk in einem Statement mit.

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